Misshandelte Heimkinder Opfer bekommen Anhörung im Bundestag

Hunderttausende Kinder und Jugendliche wurden zwischen 1945 und 1975 in Heimen unter kirchlicher Obhut gequält und misshandelt. Nun haben die Opfer eine Anhörung vor dem Bundestag erreicht. Dort sollen Details des Missbrauchs zur Sprache kommen.

Hamburg - Die politische und juristische Aufarbeitung der Menschenrechtsverletzungen in deutschen Erziehungsheimen der Nachkriegszeit soll nun mit einer Anhörung ehemaliger Heimkinder im Bundestag am 11. Dezember beginnen. Darauf haben sich alle Parteien im Petitionsausschuss nach monatelangem Ringen geeinigt. Zwischen 1945 und 1975 wurden Hunderttausende Kinder und Jugendliche oft aus nichtigen Gründen vom Staat in rund 3000 Heime Westdeutschlands eingewiesen und meist von kirchlichem Personal beaufsichtigt.

"Viele Betroffene leiden noch heute unter den Folgen der Geschehnisse in den Heimen", beklagt der dazu eingeladene Sprecher des Vereins ehemaliger Heimkinder, Michael-Peter Schiltsky: "Sie mussten folterähnliche Bestrafungen hinnehmen, harte, industrielle Arbeit ohne Bezahlung und ohne Rentenansprüche ableisten, sie bekamen ungefragt Psychopharmaka, viele wurden über Jahre sexuell missbraucht." All dies soll nun in der mehrstündigen Anhörung in Berlin zur Sprache kommen. In einer weiteren Runde sollen dann Pädagogik-Experten angehört werden, bevor es zu einer Beschlussempfehlung an die Bundesregierung kommt.

Die Interessen ehemaliger Heimkinder vertreten der Hamburger Rechtsanwalt Gerrit Wilmans und der Münchner Michael Witti. "Wir möchten eine politisch-gesellschaftliche Lösung aushandeln", fordert Witti. In anderen Ländern - wie Australien und Irland - in denen die Zustände in den Erziehungsheimen vergleichbar mit Deutschland waren, hätten Kirche und Staat ihre Schuld anerkannt. Als positives Signal sieht Witti, "dass Caritas und Diakonie inzwischen für das Unrecht an Heimkindern in Deutschland sensibilisiert sind" und dass "es jetzt erste Besprechungen mit den Anwälten der katholischen Kirchen gegeben hat, die fortgesetzt werden sollen".

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