Kleidungsregeln für Mormoninnen Die neue Beinfreiheit

Missionarinnen der Mormonen dürfen ab sofort Hosen tragen, wie die Glaubensgemeinschaft nun entschieden hat. Rock oder Kleid sind selbstverständlich zu bevorzugen. Aber es gibt praktische Gründe für Ausnahmen von der Regel.

Missionarinnen der Mormonen in Salt Lake City, Utah (Archivbild aus dem Jahr 2013)
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Missionarinnen der Mormonen in Salt Lake City, Utah (Archivbild aus dem Jahr 2013)


Für die Kleidung von Missionarinnen der Mormonen gibt es klare Regeln: "weder zu eng noch zu weit", "blickdicht und in keiner Weise freizügig", "nicht leger, zerknittert, ungepflegt oder zu ungewöhnlich". Das Ziel: "höchstmöglicher Anstand". So steht es in den allgemeinen Richtlinien der Glaubensgemeinschaft.

Hosen passten offenbar nicht immer zu diesen Regeln. Doch das hat sich nun geändert: Missionarinnen dürfen jetzt Anzughosen tragen, wie die Glaubensgemeinschaft in einer Pressemitteilung verkündete. Das sei vorher schon in rund der Hälfte der 407 Missionen möglich gewesen. Die Ausnahme galt während der Regenzeit, um die Frauen vor Moskitos zu schützen, die Krankheiten übertragen können.

Bonnie H. Cordon gehört zum Führungszirkel der Glaubensgemeinschaft. Die neue Regel könne Frauen gegen Kälte schützen und erleichtere es ihnen, mit dem Fahrrad zu fahren. Es sei nun erlaubt, das ganze Jahr Hosen zu tragen.

Dennoch sollten Missionarinnen weiterhin Kleider und Röcke tragen, wenn Sie den Gottesdienst oder Konferenzen besuchten, teilte die Religionsgemeinschaft mit.

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Utah: Die Mormonen von Hildale

Die Mormonen leben nach einem strengen Verhaltenskodex. Unbezahlte Mitarbeit im Kirchendienst und Missionarstätigkeiten werden erwartet (lesen Sie hier das Porträt einer jungen Missionarin). Männer sollen zwei Jahre, Frauen 18 Monate missionieren. Alkohol und Zigaretten sind ebenso verboten wie Kaffee. Ein Zehntel ihres Einkommens sollen sie der Kirche spenden.

Im August hat die Führung der Glaubensgemeinschaft die Bezeichnung "Mormonen" untersagt. Offiziell heißt sie "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage".

Mormonen legen großen Wert darauf, als Christen bezeichnet zu werden. Wegen ihrer Glaubensvorstellungen werden sie von Protestanten und Katholiken allerdings kritisch beäugt. Beide Kirchen erkennen die mormonische Taufe nicht an.

Mitglieder der Gemeinschaft berufen sich neben der Bibel als weiteres Zeugnis Jesu Christi auf das Buch Mormon. Religionsgründer Joseph Smith will es nach einer Offenbarung durch einen Engel verfasst haben.


Anmerkung: In einer früheren Fassung des Textes hieß es, die Mormonen seien eine Sekte. Experten für Weltanschauungsfragen der katholischen und der evangelischen Kirche verwenden diesen Begriff nicht für die Mormonen. Wir haben den Text daher angepasst.

jpz/AP



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