Rassismus in Mississippi Baptistengemeinde verweigert schwarzem Paar die Trauung

Wenn du dieses Paar in unserer Kirche traust, bist du deinen Job los: Mitglieder einer Kirchengemeinde im US-Bundesstaat Mississippi haben mit einer Drohung gegen den Pastor die Hochzeit eines schwarzen Paares verhindert. Der Geistliche und die Gemeinde stehen nun massiv in der Kritik.

Crystal Springs - Charles und Te'Andrea Wilson hatten sich ein Datum ausgesucht, Hochzeitseinladungen verschickt und sich auf den Tag gefreut, an dem sie heiraten würden. Doch am Tag vor der geplanten Hochzeit teilte der Pastor der First Baptist Church in Crystal Springs im US-Bundesstaat Mississippi mit, einige Gemeindemitglieder hätten sich über die Trauung der Wilsons beschwert - weil das Paar schwarz ist.

Die Gruppe drohte Pastor Stan Weatherford mit dem Rausschmiss, wenn er das Paar dennoch in der Kirche trauen sollte, berichtet der TV-Sender ABC . Dem Bericht zufolge hat seit der Gründung der Kirche 1883 noch kein schwarzes Paar in dem Gotteshaus geheiratet. Die Wilsons besuchen die Kirche regelmäßig, gehören aber nicht der Gemeinde an. Der Onkel der Braut arbeitet für die Kirche, ihr Vater ist Gemeindemitglied.

Weatherford versuchte, sich zu rechtfertigen. Er sei über den Widerstand erstaunt gewesen. "Ich wollte keinen Streit innerhalb der Kirche, und ich wollte nicht, dass eine Kontroverse die Trauung von Charles und Te'Andrea beeinträchtigt. Ich wollte, dass ihr Hochzeitstag ein besonderer Tag ist", sagte der Pastor.

Der abgewiesene Bräutigam sagte, er habe die schwierige Position Weatherfords verstehen können. Dennoch hätte er sich gewünscht, der Geistliche möge der Forderung nicht nachgeben.

"Wie unfair, wie ungerecht. Es ist einfach falsch"

"Meine neunjährige Tochter sollte mit uns zur Kirche gehen. Wie sagt man einer Neunjährigen: 'Hier können wir nicht heiraten, weil, überleg mal, Liebling, wir schwarz sind'", sagte Charles Wilson. Er sagte, schuld seien all jene Mitglieder der First Baptist Church in Crystal Springs, die davon gewusst hätten, sich Christen nennen würden und nicht eingeschritten seien.

Die für den 20. Juli geplante Heirat wurde um einen Tag verschoben. Weatherford traute die Wilsons am 21. Juli in einer anderen, überwiegend von Schwarzen besuchten Kirche. Dort war das Paar willkommen.

Der Vorfall hat heftige Kritik an der Kirche ausgelöst, auch innerhalb der Gemeinde. Eine hastig veröffentlichte Mitteilung der Kirchenführung, Menschen jeder Hautfarbe seien willkommen, wirkte hilflos. Gemeindemitglied Casey Kitchens sagte, sie und andere seien über die Zurückweisung der Wilsons Entscheidung empört.

"Es handelt sich um eine sehr kleine Gruppe von Leuten, die eine schreckliche Entscheidung getroffen haben", sagte sie der Zeitung "The Clarion-Ledger". "Ich schäme mich, dass meine Kirche das tun würde. Ich kann nicht begreifen, warum. Wie unfair, wie ungerecht. Es ist einfach falsch", sagte sie.

ulz/AFP/AP
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