Mixas Rücktrittsgesuch "Erleichterung für die katholische Kirche"

Die Kirchenbasis atmet auf: Katholische Laien begrüßen den Abschied von Walter Mixa. Der umstrittene Augsburger Geistliche hat die Konsequenz aus der Prügelaffäre gezogen und beim Papst seinen Rücktritt eingereicht. "Wir respektieren das", sagte Deutschlands oberster Bischof, Robert Zollitsch.


Bonn - Während Walter Mixa, der Augsburger Bischof auf Abruf, sich nach seinem Rücktrittsgesuch in den Urlaub an einem geheim gehaltenen Ort verabschiedet hat, stellte sich Robert Zollitsch am Donnerstagmittag in Bonn der Presse: "Diese schwere Entscheidung verdient Respekt", lobte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz den Rückzug Mixas. Dieser habe "von sich aus einen wichtigen Schritt getan", der jedoch nicht als "Schuldeingeständnis verstanden" werden solle, so Zollitsch.

Auch der Augsburger Priesterrat und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) begrüßten Mixas Rücktrittsersuchen. "Es ist eine Erleichterung für die katholische Kirche in Deutschland, es ist doch eine schwere Last geworden", sagte ZdK-Präsident Alois Glück dem Bayerischen Rundfunk. Walter Mixa habe sich selbst in eine schwierige Lage manövriert. Es sei eine "persönliche Tragödie", aber der Rücktritt sei unausweichlich gewesen. Der Papst werde Mixas Rücktrittsgesuch annehmen: "Alles andere wäre unvorstellbar", sagte der oberste Vertreter der katholischen Laien in Deutschland.

Mixa hatte den Vatikan um seinen Rücktritt gebeten, wie sein Bistum offiziell bestätigte. In seinem Gesuch bot der 68-Jährige seinen Rückzug vom Amt in Augsburg und auch als Militärbischof der Bundeswehr an. Die anhaltende öffentliche Diskussion um seine Person habe in den vergangenen Wochen die Priester und Gläubigen im Bistum schwer belastet, hieß es. Zuvor hatten bereits die "Augsburger Allgemeine" und die "Süddeutsche Zeitung" übereinstimmend über den Brief an Papst Benedikt XVI. berichtet.

Mit seinem Rücktritt wolle Bischof Mixa dafür Sorge tragen, weiteren Schaden von der Kirche abzuwenden und einen Neuanfang zu ermöglichen, hieß es in einer Pressemitteilung des Bistums Augsburg.

"Ich bitte um Verzeihung"

"Alle, zu denen ich ungerecht gewesen sein mag, und alle, denen ich Kummer bereitet habe, bitte ich heute noch einmal um Verzeihung", teilte Mixa mit. "Ich tue diesen Schritt in unerschütterlichem Vertrauen auf die Gnade Gottes und hoffe zuversichtlich, dass der Vater im Himmel die Kirche von Augsburg in eine gute Zukunft führen wird. Meinen Mitbrüdern im priesterlichen Dienst und allen Gläubigen danke ich für ihre Treue und Verbundenheit und wünsche allen Gottes Segen."

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Ausgburger Bischof: Die Verfehlungen des Walter Mixa
Der Vorsitzende des Augsburger Priesterrats, Bernhard Ehler, sagte, jetzt könne Ruhe ins Bistum kommen und neue Glaubwürdigkeit wachsen. Mixas Schritt sei richtig, denn viele hätten das Vertrauen in den Bischof verloren, sagte Ehler dem Münchner Kirchenradio. Sobald der Papst den Rücktritt angenommen habe, werde das Domkapitel einen Administrator wählen, der das Bistum bis zur Ernennung eines neuen Bischofs leite. Er befürchte, dass diese Übergangszeit wieder ein Jahr lang dauern könnte.

Zollitsch machte "gewaltigen Druck"

Der Augsburger Diözesanratsvorsitzende Helmut Mangold hoffte, dass Mixas Rücktritt "das Klima in der Diözese in ruhigeres Fahrwasser bringt". Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, und der Münchner Erzbischof Reinhold Marx hätten "einen gewaltigen Druck aufgebaut", sagte der oberste Laienvertreter im Bistum. "Ich respektiere diesen Vorgang." Allerdings befürchte er, dass das Interesse an der notwendigen Aufklärung der Vorwürfe jetzt rasch erlahme - "ob außer Ohrfeigen noch was war und wie das mit den finanziellen Unregelmäßigkeiten war".

Zollitsch hatte am Mittwoch überraschend mitgeteilt, dass er und Marx mit Mixa mehrfach besprochen habe, "ob eine Zeit der geistlichen Einkehr und der räumlichen Distanz hilfreich sein könne", um "die Geschehnisse mit mehr Ruhe zu bedenken". Am Mittag wollte Zollitsch in Bonn eine Erklärung abgeben.

Mixa hatte in der vergangenen Woche eingestanden, Heimkindern in seiner früheren Zeit als Stadtpfarrer Ohrfeigen gegeben zu haben- nachdem er zunächst jede Gewalt gegenüber Kindern bestritten hatte. Mixa verharmloste die Taten bei seinem Eingeständnis als Verabreichung von "Watschen" und als "damals völlig normal". Erst am Dienstag bat er klar um Verzeihung. Außerdem stehen Vorwürfe im Raum, er habe als Stadtpfarrer von Schrobenhausen nennenswerte Geldbeträge zum Schaden einer Waisenhausstiftung zweckentfremdet. Diese werden derzeit von einem Sonderermittler und Münchner Anwalt geprüft.

Mixas Ausfälle
Rechter Rhetoriker
Walter Mixa , der Regensburger Bischof Gerhard Müller und der Kölner Kardinal Joachim Meisner bilden die Hardliner-Fraktion in der Deutschen Bischofskonferenz . Mixa spielte seit Jahren die Rolle des Enfant Terrible. mehr...

SPIEGEL ONLINE dokumentiert seine umstrittensten Thesen:
Sexuelle Revolution und Missbrauch
Im Februar gab Mixa der sexuellen Revolution Mitschuld an Missbrauchsfällen: "Die sogenannte sexuelle Revolution, in deren Verlauf von besonders progressiven Moralkritikern auch die Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert wurde, ist daran sicher nicht unschuldig." Und weiter: "Wir haben in den letzten Jahrzehnten gerade in den Medien eine zunehmende Sexualisierung der Öffentlichkeit erlebt, die auch abnorme sexuelle Neigungen eher fördert als begrenzt." mehr zu diesem Fall...
Nazis und Atheismus
In seiner Osterpredigt 2009 stellte Mixa die Massenmorde des Nationalsozialismus und Kommunismus in Beziehung zum Atheismus. Eine Gesellschaft ohne Gott sei "die Hölle auf Erden", sagte er. Und weiter: "Die Unmenschlichkeit des praktizierten Atheismus haben im vergangenen Jahrhundert die gottlosen Regime des Nationalsozialismus und des Kommunismus mit ihren Straflagern, ihrer Geheimpolizei und ihren Massenmorden in grausamer Weise bewiesen." mehr zu diesem Fall...
Holocaust und Abtreibung
Zum Aschermittwoch 2009 soll Mixa einem Zeitungsbericht zufolge gesagt haben: "Es hat diesen Holocaust sicher in diesem Umfang mit sechs Millionen Getöteten gegeben. Wir haben diese Zahl durch Abtreibungen aber bereits überschritten." Der Augsburger Bischof habe zur geschätzten Zahl von Abtreibungsfällen gesagt: "Diese neun Millionen fehlen uns." mehr zu diesem Fall...
Bibelkunde im Biounterricht
Im Sommer 2007 forderte Mixa indirekt Bibelkunde im Biologieunterricht. In den Schulen sei bisher eine "Fixierung auf die Evolutionstheorie" üblich. Sich auf eine einzige Erklärung festzulegen, habe aber "etwas Totalitäres und ist auch und gerade aus der Sicht der Wissenschaft unvernünftig". Es gebe keinen Absolutheitsanspruch der Evolutionstheorie. mehr zu diesem Fall...
Mütter als Gebärmaschinen
Das Leitbild, dass Frauen ein Jahr nach der Geburt ihres Kindes wieder in den Beruf zurückkehren sollten, bezeichnete Mixa 2007 als inhuman und "gegen die Würde der Frau". Mütter würden so zu "Gebärmaschinen" degradiert. mehr zu diesem Fall...
Bundesfamilienministerin Kristina Schröder hat den angekündigten Rücktritt des Augsburger Bischofs Walter Mixa begrüßt. Die CDU-Politikerin sagte am Donnerstag im ZDF, sie könne die gegen den Bischof erhobene Kritik nachvollziehen und habe Respekt vor seinem Schritt.

Papst Benedikt XVI. hat am Mittwoch bekräftigt, dass die katholische Kirche gegen sexuellen Missbrauch von Minderjährigen vorgehe. In Bezug auf sein Treffen mit acht Missbrauchsopfern auf Malta drei Tage zuvor sagte der Pontifex, er habe "ihr Leiden mitempfunden, ergriffen mit ihnen gebetet und dabei das Handeln der Kirche zugesichert".

Der Besuch war Benedikts erste Auslandsreise nach Ausbruch des Missbrauchsskandals in Deutschland, der die Kirche in eine tiefe Krise gestürzt hat. Den Missbrauchsopfern auf Malta hatte er am Sonntag versichert, dass die Kirche weiter alles in ihrer Macht Stehende tun werde, "um Anschuldigungen zu untersuchen, Verantwortliche der Justiz zuzuführen und wirksame Maßnahmen zu ergreifen, die junge Menschen in der Zukunft schützen sollen".

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...ergo sum, 22.04.2010
1. das wurde aber endlich Zeit
"Respektieren" ist gut. ^ Noch vor einigen Tagen habe ich mich mit Bekannten unterhalten und meinte das es für das Ansehen der Kath. Kirche und als einzigen Ausweg für den Papst nur einen Rücktritt von Mixa geben kann. Dieser "respektierte" Rücktritt war daher die einzig logische Folge. Eine Unterschrift von Mixa unter einem vorgefertigten Schreiben aus dem Vatikan beendet zwar nicht die Debatte, nimmt aber etwas Druck aus dem Kessel. Nun erwarte ich noch das Mixa sich in ein entsprechendes Kloster zurückzieht, denn auch als Seelsorger der unteren Ebene ist er nicht mehr tragbar. Es wurde allerhöchste Zeit das der Vatikan endlich einmal diesen selbstverliebten, selbstgerechten und ignoranten Bischof aus dem kath. Verkehr zieht. Aber wie geschrieben, - dann bitte auch vollständig. Der Vatikan hat viel zu lange an Mixa und auch noch vorhandenen Kardinälen festgehalten. Nicht Jeder der dem Vatikan jahrelang nach dem Munde redet (und vielfach noch päpstlicher als jeder Papst redet) um die Leiter emporzuklettern ist gut für diese Kirche.
onkelmax 22.04.2010
2. kein Schuldeingeständnis???
Zitat von sysopDie Kirchenbasis atmet auf: Katholische Laien begrüßen den Abschied von Walter Mixa. Der umstrittene Augsburger Geistliche hat die Konsequenz aus der Prügelaffäre gezogen und beim Papst seinen Rücktritt eingereicht. "Wir respektieren das", sagte Deutschlands oberster Bischof, Robert Zollitsch. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,690588,00.html
ohne "Schuld" wäre der Herr Mixa sicher nicht zurückgetreten. Die Frage für mich ist bloß, wie groß ist diese wirklich. Aber nun ist er wenigstens weg, sicher nur unter Druck seiner Chefs
Bernd Kuck 22.04.2010
3. *
Zitat von onkelmaxohne "Schuld" wäre der Herr Mixa sicher nicht zurückgetreten. Die Frage für mich ist bloß, wie groß ist diese wirklich. Aber nun ist er wenigstens weg, sicher nur unter Druck seiner Chefs
Was es da immer zu respektieren ist, erschließt sich mir nicht. Der Mann hat geprügelt, gelogen und ist unter Druck zurückgetreten und das verdient Respekt ? Einen Tritt in seinen fetten A..... verdient er !
GM64 22.04.2010
4. Ich bin entsetzt
Zitat von onkelmaxohne "Schuld" wäre der Herr Mixa sicher nicht zurückgetreten. Die Frage für mich ist bloß, wie groß ist diese wirklich. Aber nun ist er wenigstens weg, sicher nur unter Druck seiner Chefs
Ich denke man ist zu erst der Wahrheit verpflichtet und dann dem Pöbel. Aber hier hat man nur gefällig gehandelt. Vor allem von dem Bistum bin ich entsetzt. Der hat das ja nicht alleine machen können, so er überhaupt was getan hat, und dann hätten die ihn dafür schon viel früher belangen können. Es wird sehr einsam werden ohne den Bischof Mixa, weil er hatte es wenigstens mal gewagt, eine andere Meinung zu haben, als der Mainstream. In der Kirche werden fortan die Schleimer den Ton angeben. Schade, dann ist sie so überflüssig wie die Protestanten. Da sind die Bischöfe ja auch nur noch Hampelmänner der Gemeinde.
Kalix 22.04.2010
5. Wir brauchen keinen Neuanfang in Augsburg, diesen brauchen wir Deutschland
Die katholische Kirche hat eine Chance, vielleicht die letzte in Deutschland, versäumt. Es geht schon lange nicht mehr um Mixa; es geht um fundamentale und auch menschenverachtende Ansichten; es geht um Verschleierung; es geht um die Inanspruchnahme eines Staates im Staat. Dies alles hat nicht nur Mixa zu vertreten, es ist der Pabst, es sind Zollitsch und Meissner. Das Konkordat bestimmt die Trennung zwischen Kirche und Staat; die Vorgaben hieraus wurden eindeutig verletzt. Wenn ein Fall verjährt ist, bedeutet das nicht, dass nur die Kirche Recht auf Aufklärung hat. Die Gesellschaft hat jedes Recht auf Aufklärung; unabhängig davon, in welcher Instituition und in welchem Ort der Vorfall sich ereignete. Mixa ist nicht über seine Backpfeifen gestolpert; gestolpert ist er durch sein Leugnen; d.h. durch seine Verschleierung. Und mit der Verschleierung war er nicht mehr der Privatmann, sondern ein Vertreter der Kirche; hier ist Verschleierung unverändert gang und gäbe.
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