Mohrs Herzschlag Wo bitte geht's zur Impfung?

Alle reden darüber, wie man am besten die Schweinegrippe abwehrt. Auch SPIEGEL-ONLINE-Kolumnist Joachim Mohr will sich impfen lassen, weil er schwer herzkrank ist und deshalb als Risikopatient gilt. Doch das ist - zu seiner Überraschung - alles andere als einfach.

"Impfung ist die beste Form der Prävention", sagt der bayerische Gesundheitsminister Söder
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"Impfung ist die beste Form der Prävention", sagt der bayerische Gesundheitsminister Söder


Hamburg - Gestern Abend erst habe ich wieder Politiker und Experten im Fernsehen gesehen, die in Maybrit Illners Talkshow "Berlin Mitte" dafür warben, sich gegen die Schweinegrippe impfen zu lassen. Jörg Hacker, der Präsident des Robert-Koch-Instituts in Berlin, empfahl: "Impfung ist die beste Form der Prävention." Markus Söder, der bayerische Gesundheitsminister von der CSU, hat sich bereits mit dem Mittel "Pandremix" impfen und damit schützen lassen.

Ich selbst gelte als Risikopatient bei Schweinegrippe, da ich chronisch herzkrank bin. Ich kam mit mehreren Herzfehlern zur Welt, habe mehrere operative Eingriffe an meinem Herzen hinter mir und leide bis heute an schweren Herzrhythmusstörungen.

Augenblicklich warte ich auf meine nächste sogenannte Katheterablation, bei der Gewebe in meinen Herzkammern zerstört werden soll, um die Ursprungsorte meiner Rhythmusstörungen zu vernichten und ihre Ausbreitung zu verhindern.

Bei allen möglichen in den vergangenen Wochen vorgebrachten Argumenten für und gegen die Impfung scheint es mir in meinem Fall sinnvoll, mich impfen zu lassen. Doch das ist gar nicht so einfach, wie sich zeigen soll.

Ich rufe meine kardiologische Praxis an, die mich seit Jahren betreut. Dort erhalte ich die Auskunft, dass sie grundsätzlich keine Impfungen vornehmen, und ich mich doch bitte an meine Hausärztin wenden soll.

Ich rufe also meine geschätzte Hausärztin an. Doch auch dort teilt mir die Sprechstundenhilfe mit, dass sie, leider, leider, nicht impfen.

Rund 20 Impfstellen für 600.000 Hamburger

Als nächstes wende ich mich an die Betriebsärztin des SPIEGEL-Verlags, die immer die saisonalen Grippeimpfungen in unserem Unternehmen vornimmt. An denen ich mich auch immer brav beteilige. Aber auch von ihr erhalte ich eine negative Auskunft: Nein, keine Impfung.

Nun wende ich mich an das Gesundheitsamt Hamburg-Altona. Eine überaus freundliche Dame teilt mir mit, dass sie impfen, und, zu meiner großen Freude, "auch keinen Bürger abweisen werden".

In den nächsten zwei bis drei Wochen kämen allerdings erst einmal medizinisches Personal, Polizisten, Feuerwehrleute und ähnliche Personen an die Reihe. Dann könnte auch ich kommen. Wann das aber sei, ob man sich in Schlangen einreihen müsse oder ob eventuell Termine vergäben würden, wie und wo das genau laufen soll, das könne sie nicht sagen, das wisse sie jetzt noch nicht.

Ob ich vielleicht Ende nächster oder besser Anfang übernächster Woche noch einmal anrufen könnte, fragt sie mich. Das wäre sehr nett.

Nun denn. Impfempfehlungen verschiedenster Seiten prasseln weiter auf mich herab. Mir wird erzählt, dass in Hamburg angeblich die Gesundheitsämter und rund 15 Praxen impfen sollen. Würde sich jeder dritte Hamburger impfen lassen, wären das für 600.000 Menschen rund 20 Impfstellen.

Vielleicht läuft es ja aber auch ganz anders. Ich weiß es nicht, mir kann es niemand genau sagen.

Dann wartet der Risikopatient eben. Vielleicht rufe ich noch den Minister Söder an und frage ihn, wo er das Zeug herhatte. Irgendwie und irgendwann wird es schon noch klappen mit der Impfung.



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