Naturkatastrophe in Mosambik Bis zu 400.000 Menschen nach Tropensturm "Idai" obdachlos

Wirbelsturm "Idai" hat weite Teile Mosambiks zerstört und zahlreiche Opfer gefordert. Drohnenaufnahmen zeigen das Ausmaß der Zerstörung in dem ostafrikanischen Land.

Bewohner des Dorfes Chiluvi in Mosambik
ANDRE CATUEIRA/EPA-EFE/REX

Bewohner des Dorfes Chiluvi in Mosambik


Die von Zyklon "Idai" ausgelösten Überschwemmungen haben im Zentrum Mosambiks ganze Landstriche unter Wasser gesetzt und zahllose Häuser beschädigt. Das Rote Kreuz geht davon aus, dass bis zu 400.000 Menschen obdachlos sind.

Helfer bemühen sich, einen Überblick über das Ausmaß der Krise zu bekommen und Unterstützung in das Katastrophengebiet zu bringen. Amnesty International forderte die internationale Gemeinschaft auf, ausreichend Mittel für die Opfer bereitzustellen.

Zerstörungen durch Zyklon "Idai" in Beira, Mosambik
REUTERS/ Care International/ Josh Estey

Zerstörungen durch Zyklon "Idai" in Beira, Mosambik

In der Provinz Sofala mit der 533.000-Einwohner-Hafenstadt Beira gibt es weiter keinen Strom, kein Kommunikationsnetz und keine reguläre Trinkwasserversorgung. Der Stromversorger EDM teilte mit, es gebe keinen Kontakt zu den Teams vor Ort. "Deswegen können wir auch nicht vorhersehen, bis wann die Versorgung wiederhergestellt werden kann", sagte Sprecher Moises Mabunda.

"Herumfliegende Metallteile haben Menschen geköpft", sagte ein Bewohner von Beira der Nachrichtenagentur AFP. "Den Leuten hier geht es sehr schlecht", so Rajino Paulino. Viele seien verletzt, es mangele an Wasser und Nahrungsmitteln, die meisten Menschen seien obdachlos.

Drohnenaufnahmen des Internationalen Roten Kreuzes zeigen riesige überschwemmte Gebiete in der Nähe von Beira.

"Wir arbeiten mit der Nasa und der Esa zusammen, um per Satellit ein möglichst vollständiges Bild der Zerstörungen zu bekommen", sagte Caroline Haga vom Internationalen Roten Kreuz. "Angesichts der Größe der betroffenen Gebiete erwarten wir, dass die Zahl der Toten noch deutlich steigen wird."

Das Rote Kreuz hatte zuvor gewarnt, dass rund 90 Prozent des Stadtgebiets von Beira schwer beschädigt oder zerstört seien. Die Stadt ist wegen der Überschwemmungen nur noch aus der Luft zu erreichen. Ein Nothilfeteam von Ärzte ohne Grenzen sollte am Dienstag eintreffen, um medizinische Hilfe zu leisten und bei der Trinkwasserversorgung zu helfen. Die EU stellte bereits 3,5 Millionen Euro an Soforthilfe bereit.

Zerstörungen nach dem Durchzug von Zyklon "Idai"
REUTERS

Zerstörungen nach dem Durchzug von Zyklon "Idai"

Mosambiks Präsident Filipe Nyusi geht davon aus, dass mindestens 1000 Menschen durch den Zyklon starben. Offiziell gehen die Behörden vorerst weiter von 84 Toten aus.

Der Sturm der zweithöchsten Stärke war in der Nacht zum Freitag mit Windböen von bis zu 160 Kilometern pro Stunde vom Indischen Ozean kommend in der Nähe von Beira auf Land getroffen. Es folgten Sturmfluten und massive Überschwemmungen. "Idai" schwächte sich über Land ab und zog weiter ins nahe Simbabwe. Dort kamen mindestens 98 Menschen ums Leben.

Die ehemalige portugiesische Kolonie Mosambik wurde 1975 unabhängig und litt unter einem 16 Jahre anhaltenden Bürgerkrieg, der 1992 endete. Trotz Wirtschaftswachstums lebt die Hälfte der Einwohner noch immer unterhalb der Armutsgrenze.

ala/dpa/Reuters



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