Busunglück auf der A9 "Diese Bilder werden lange im Kopf bleiben"

Das Busunglück mit 18 Toten auf der A9 war für die Freiwillige Feuerwehr Münchberg ein schwerer Einsatz. Im Interview erzählt ihr Chef Andreas Hentschel, wie seine Leute das Geschehen verarbeiten.

Unfallstelle auf der Autobahn A9 bei Münchberg (Bayern)
DPA

Unfallstelle auf der Autobahn A9 bei Münchberg (Bayern)


Zwischen 150 und 160 Einsätze fährt die Freiwillige Feuerwehr Münchberg jedes Jahr, etwa 40 davon liegen auf der Autobahn, so schätzt der Vorsitzende Andreas Hentschel. Auch am Montagmorgen mussten die Einsatzkräfte auf die A9 ausrücken - ein Einsatz, der die freiwilligen Retter wohl noch lange beschäftigen wird.

Bei einem schweren Busunglück starben 18 Menschen, die Leichen sind bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Als die Freiwillige Feuerwehr die Unfallstelle erreichte, stand der Bus bereits vollständig in Flammen. Innerhalb von etwa 30 Minuten wurde der Brand gelöscht, nun suchen Ermittler nach den genauen Hintergründen des Unfalls.

Als wahrscheinlich gilt, dass allein der Fahrer den Unfall verursachte. Die Ermittler sehen momentan keine Anzeichen dafür, dass der Bus schon vor dem Unfall brannte. Der Sitz des Reiseunternehmens im sächsischen Löbau wurde durchsucht.

Für die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Münchberg ist der Einsatz beendet, abgeschlossen haben sie damit allerdings noch nicht.

Feuerwehr-Chef Hentschel, 54, war an der Unfallstelle im Einsatz. Einen Tag nach dem schweren Unglück sitzt er schon wieder in der Zentrale.

SPIEGEL ONLINE: Wie geht es Ihnen nach dem gestrigen Einsatz?

Hentschel: Ich bin bisher nicht zur Ruhe gekommen und hatte noch keine Zeit mich mit dem Einsatz auseinanderzusetzen. Aber die Bilder sind natürlich permanent im Kopf und werden es auch noch lange bleiben. Während des Einsatzes denkt man darüber nicht nach. Man funktioniert einfach. Aber in den kommenden Tagen wird die Aufarbeitung beginnen.

SPIEGEL ONLINE: Etwa 100 Feuerwehrleute waren an der Unfallstelle im Einsatz. Welche Unterstützung bekommen Sie und Ihre Kameraden, um die Geschehnisse zu bewältigen?

Hentschel: Wir haben uns gestern Abend zu einer Gesprächsrunde zusammengefunden. Mit dabei war auch jemand aus unserem SEB-Team (Stressbewältigung nach belastenden Ereignissen, die Redaktion) und ein Notfallseelsorger. Heute werden wir uns nochmal in dieser Runde zusammenfinden. Wir werden wohl noch einige Zeit mit dem Einsatz beschäftigt sein.

SPIEGEL ONLINE: Der Einsatz war größer als ihre üblichen Fälle. Wie gewährleisten Sie, dass genug Freiwillige vor Ort sind?

Hentschel: Wenn bei uns ein Notruf eingeht, erreicht der alle Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr. Das sind bei uns etwa 125 Menschen. Je nachdem, wo sich unsere Leute zum Zeitpunkt des Notrufs befinden, verlassen sie ihre Wohnung oder auch die Arbeit und eilen zum Einsatz. In dem Moment, in dem wir auf die Autobahn gefahren sind, war klar, dass es ein größerer Einsatz wird. Die Rauchschwaden der Unfallstelle waren schon aus weiter Entfernung zu sehen. Wenn wir feststellen, dass nicht genug Leute da sind, alarmieren wir nach - und holen uns Hilfe aus benachbarten Gemeinden. Das haben wir auch gestern getan.

SPIEGEL ONLINE: Durch den Einsatz steht plötzlich auch Ihre Feuerwehr in der Öffentlichkeit. Haben Sie viele Reaktionen bekommen?

Hentschel: Wir haben aus ganz Deutschland Nachrichten erhalten, auf unserer Facebook-Seite und auch auf der Homepage. Die Reaktionen waren durchweg positiv. Wir sind sehr dankbar für die zahlreichen Kameraden aus dem gesamten Bundesgebiet, die uns Mut zusprechen. Das hilft sehr dabei, die Geschehnisse zu bewältigen.

asc



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criticalsitizen 05.07.2017
1. Warum keine Frage nach den Vorschriften?
Weshalb sind in Busen überhaupt brennbare Materialien erlaubt? Als Laie sieht man Unterschiede zu Bussen in den USA.
Hans58 06.07.2017
2.
Zitat von criticalsitizenWeshalb sind in Busen überhaupt brennbare Materialien erlaubt? Als Laie sieht man Unterschiede zu Bussen in den USA.
OT: Auch in den USA brennen derartige Fahrzeuge wie Zunder: http://www.nfpa.org/news-and-research/fire-statistics-and-reports/fire-statistics/vehicle-fires/vehicle-fires-involving-buses http://abcnews.go.com/US/megabus-catches-fire-illinois-highway/story?id=37107317 http://www.tennessean.com/story/news/2016/09/05/marine-bus-catches-fire-en-route-nashville-no-injuries/89886520/
Berg 06.07.2017
3.
In den Fernsehreportagen von der nahegelegenen Brücke sah man deutlich folgendes: Die Unfall-Autobahnspur macht eine scharfe Rechtskurve, wo die Feuerwehren blinkten. Im Kurveninneren stehen hohe Nadelbäume auf einem Hang. Dadurch ist die Einsicht in die Kurve verkürzt. Da dort offenbar das Stauende war, konnte der Busfahrer dieses nicht rechtzeuitig zum Bremsen erkennen. *Sofort das Wädchen roden und den Hang so begradigen, dass die Kurve einsehbar ist.*
Hans58 09.07.2017
4.
Zitat von BergIn den Fernsehreportagen von der nahegelegenen Brücke sah man deutlich folgendes: Die Unfall-Autobahnspur macht eine scharfe Rechtskurve, wo die Feuerwehren blinkten. Im Kurveninneren stehen hohe Nadelbäume auf einem Hang. Dadurch ist die Einsicht in die Kurve verkürzt. Da dort offenbar das Stauende war, konnte der Busfahrer dieses nicht rechtzeuitig zum Bremsen erkennen. *Sofort das Wädchen roden und den Hang so begradigen, dass die Kurve einsehbar ist.*
Klar, alle Autobahnen begradigen, alle Hänge abtragen und alle Bäume entlang Autobahnen fällen. Freie Sicht von den Alpen bis zur Nordsee. Sorry, Ihre Forderung kann ich nur mit Ironie begegnen. Haben Sie schon einmal gehört, dass man auf Autobahnen auf Sichtweite fahren soll? Wäre das im vorliegenden Fall passiert, wäre ein Schaden ggf. deutlich geringer ausgefallen und möglicherweise keine Menschenleben zu beklagen gewesen.
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