Münchner Wirt contra Studentenverbindungen "Rechtes Pack will ich nicht haben"

Friedrich Steinberg ist Chef des Münchner Hofbräukellers - und will Studentenverbindungen nicht mehr bewirten. Was ist da passiert?

Friedrich Steinberg: Ein Wirt hat genug
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Friedrich Steinberg: Ein Wirt hat genug

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Seit 20 Jahren führt die Familie Steinberg den Hofbräukeller in München. Jetzt traf Juniorchef Friedrich Steinberg, 44, eine Entscheidung, die ihm überregional Aufmerksamkeit brachte. Steinberg verkündete, er wolle Studentenverbindungen nicht mehr bewirten.

Man habe "bedauerlicherweise" mit "einzelnen, unterschiedlichen Studentenvereinigungen" Probleme gehabt, schrieb Steinberg auf Facebook. Und erntete im Netz harsche Proteste. Im Interview erzählt der Gastronom, warum es ihm reicht.

SPIEGEL ONLINE: Was ist da los bei Ihnen?

Steinberg: Seit einigen Jahren schon merken wir, dass Feiern von Studentenverbindungen in unserem Haus ausarten können. Manche Leute randalieren zu später Stunde, bepöbeln das Personal. Drei Vereinigungen haben bereits Hausverbot. Mitte Juni berichteten mir meine Mitarbeiter, dass während einer Verbindungsfeier die erste Strophe des Deutschlandlieds gesungen wurde. Da hat es mir gereicht.

SPIEGEL ONLINE: Sie trafen eine Entscheidung im Zorn.

Steinberg: Ja. Ich habe unser Veranstaltungsbüro angewiesen, Anfragen von Studentenverbindungen zunächst generell abzulehnen, bis eine Möglichkeit gefunden wäre, sie vorab richtig einzuschätzen. Rechtes Pack will ich nicht haben. Anfang dieser Woche traf es als erste Studentenverbindung die Alemannia. Sie bekam eine pauschale Absage - und im Internet erhob sich ein Shitstorm.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie die Protestwelle erlebt?

Steinberg: Es ging bereits am Montagabend los. Bei Facebook etwa erhielt der Hofbräukeller plötzlich massenhaft schlechte Bewertungen mit nur einem Stern, inzwischen sind es etwa 4000. Das ist eine regelrechte Hetzkampagne. Damit hätte ich nicht gerechnet. Es ist schon klar, dass das nicht plötzlich Gäste sind, die mit dem Service unzufrieden sind. Anhänger der Studentenverbindungen wollen uns schlechtmachen. Aber vielleicht habe ich auch einen Fehler gemacht.

SPIEGEL ONLINE: Wollen Sie sich dem Druck etwa beugen?

Steinberg: Ich hätte nicht eine solche pauschale Anweisung geben sollen. Die Alemannia etwa kommt seit zehn Jahren zu uns, die Leute sind eigentlich gemäßigt. Am Sonntag will ich mich mit einem Sprecher der Verbindung treffen, um zu überlegen, wie wir einen Kompromiss finden. Es wäre schön, wenn der Shitstorm aufhört. Und wir werden wohl künftig Anfragen nicht mehr pauschal ablehnen, sondern uns die Verbindung genau angucken.

SPIEGEL ONLINE: Dass manche Studentenverbindungen rechtslastig sind, ist nicht neu. Hat Sie das früher nicht gestört?

Steinberg: Wir haben pro Jahr fünf bis zehn größere Veranstaltungen mit Studentenverbindungen, da kommen manchmal mehr als 400 Gäste. Bislang aber habe ich nie mitbekommen, dass da rechte Reden geschwungen wurden. Die meisten Verbindungen sind in Ordnung. Der Vorfall im Juni war der erste.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie selbst politisch aktiv?

Steinberg: Den Fehler habe ich als Wirt nie gemacht. Ich nehme alle Gäste gern - bis auf die extremen. Studentenverbindungen bringen hohen Umsatz. Die können schon Gas geben. Und wenn sich jemand nur ein bisschen daneben benimmt, ist das auch kein Problem.



insgesamt 63 Beiträge
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Actionscript 24.07.2015
1. Ich wuerde ein Lokal nicht besuchen,
in dem rechte Studentenverbaende ihre Parolen loslassen. Und so denke ich mal, abgesehen von Herrn Steinberg's persoenlicher Meinung, urteilen auch andere Gaeste. Von daher schadet es Herrn Steinberg, wenn er solche Verbaende bei sich feiern laesst. Es ist traurig und zeigt, was solche Herrschaften von Demokratie verstehen, dass Herr Steinberg tausende von Protesten auf FB bekommen hat.
hugohabicht 24.07.2015
2. Was ist da passiert?
kann ich Ihnen sagen was da passiert ist. Der Wirt ist wie so viele unserer Mitmenschen der Gehirnwäsche erlegen, wie sie von SPON und allen anderen Mainstreammedien tagtäglich verabreicht wird. Jetzt reicht es also schon "rechtslastig" zu sein um Hausverbot in einem Lokal zu bekommen. Dass das eine genauso legitime politische Orientierung ist wie "linkslastig", das ist heute in Deutschland unvorstellbar. Nein, wer sich nicht der links-grünen Mehrheitsmeinung anschließt, der muss hier draußenbleiben! Ich hoffe, dass der Shitstorm noch eine Weile anhält...
krunx 24.07.2015
3. Überschrift passt nicht zum Interview
Der Grundton des Interviews entspricht in keinem Fall der Überschrift. Ein bisschen sachlicher und weniger reißerisch wäre angebrachter.
mue3333 24.07.2015
4. Eine Schande
Schlechtes Benehmen von angehenden Akademikern, deren Studium von der Allgemeinheit finanziert wird, ist eine Schande. Eigentlich fehlt ein Gesetz, das solches Verhalten sanktioniert, beispielsweise durch Streichung von BAföG, Erhebung von Studiengebühren etc. Dabei ist die politische Ausrichtung solcher Zeitgenossen eher zweitrangig.
lullylover 24.07.2015
5. Alemannia!
Es gibt sehr viele Studentenverbindungen, die den Namen "Alemannia" tragen, Corps, Burschenschaften, Kath. Verbindungen et al. Hätte er lieber geschwiegen, er scheint es selbst zu merken.
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