Münchner Wirt contra Studentenverbindungen "Rechtes Pack will ich nicht haben"

Friedrich Steinberg ist Chef des Münchner Hofbräukellers - und will Studentenverbindungen nicht mehr bewirten. Was ist da passiert?
Friedrich Steinberg: Ein Wirt hat genug

Friedrich Steinberg: Ein Wirt hat genug

Foto: Alexander Hassenstein/ Getty Images

Seit 20 Jahren führt die Familie Steinberg den Hofbräukeller in München. Jetzt traf Juniorchef Friedrich Steinberg, 44, eine Entscheidung, die ihm überregional Aufmerksamkeit brachte. Steinberg verkündete, er wolle Studentenverbindungen nicht mehr bewirten.

Man habe "bedauerlicherweise" mit "einzelnen, unterschiedlichen Studentenvereinigungen" Probleme gehabt, schrieb Steinberg auf Facebook. Und erntete im Netz harsche Proteste. Im Interview erzählt der Gastronom, warum es ihm reicht.

SPIEGEL ONLINE: Was ist da los bei Ihnen?

Steinberg: Seit einigen Jahren schon merken wir, dass Feiern von Studentenverbindungen in unserem Haus ausarten können. Manche Leute randalieren zu später Stunde, bepöbeln das Personal. Drei Vereinigungen haben bereits Hausverbot. Mitte Juni berichteten mir meine Mitarbeiter, dass während einer Verbindungsfeier die erste Strophe des Deutschlandlieds gesungen wurde. Da hat es mir gereicht.

SPIEGEL ONLINE: Sie trafen eine Entscheidung im Zorn.

Steinberg: Ja. Ich habe unser Veranstaltungsbüro angewiesen, Anfragen von Studentenverbindungen zunächst generell abzulehnen, bis eine Möglichkeit gefunden wäre, sie vorab richtig einzuschätzen. Rechtes Pack will ich nicht haben. Anfang dieser Woche traf es als erste Studentenverbindung die Alemannia. Sie bekam eine pauschale Absage - und im Internet erhob sich ein Shitstorm.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie die Protestwelle erlebt?

Steinberg: Es ging bereits am Montagabend los. Bei Facebook etwa erhielt der Hofbräukeller plötzlich massenhaft schlechte Bewertungen mit nur einem Stern, inzwischen sind es etwa 4000. Das ist eine regelrechte Hetzkampagne. Damit hätte ich nicht gerechnet. Es ist schon klar, dass das nicht plötzlich Gäste sind, die mit dem Service unzufrieden sind. Anhänger der Studentenverbindungen wollen uns schlechtmachen. Aber vielleicht habe ich auch einen Fehler gemacht.

SPIEGEL ONLINE: Wollen Sie sich dem Druck etwa beugen?

Steinberg: Ich hätte nicht eine solche pauschale Anweisung geben sollen. Die Alemannia etwa kommt seit zehn Jahren zu uns, die Leute sind eigentlich gemäßigt. Am Sonntag will ich mich mit einem Sprecher der Verbindung treffen, um zu überlegen, wie wir einen Kompromiss finden. Es wäre schön, wenn der Shitstorm aufhört. Und wir werden wohl künftig Anfragen nicht mehr pauschal ablehnen, sondern uns die Verbindung genau angucken.

SPIEGEL ONLINE: Dass manche Studentenverbindungen rechtslastig sind, ist nicht neu. Hat Sie das früher nicht gestört?

Steinberg: Wir haben pro Jahr fünf bis zehn größere Veranstaltungen mit Studentenverbindungen, da kommen manchmal mehr als 400 Gäste. Bislang aber habe ich nie mitbekommen, dass da rechte Reden geschwungen wurden. Die meisten Verbindungen sind in Ordnung. Der Vorfall im Juni war der erste.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie selbst politisch aktiv?

Steinberg: Den Fehler habe ich als Wirt nie gemacht. Ich nehme alle Gäste gern - bis auf die extremen. Studentenverbindungen bringen hohen Umsatz. Die können schon Gas geben. Und wenn sich jemand nur ein bisschen daneben benimmt, ist das auch kein Problem.

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