Grenzüberschreitendes Verhalten gemeldet Bischof Genn beurlaubt Münsteraner Offizial Schulte

Dem Leiter des Münsteraner Kirchengerichts, Kurt Schulte, wird grenzüberschreitendes und unangemessenes Verhalten vorgeworfen. Das Bistum hat den Dompropst nun beurlaubt, die Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet.
Dom zu Münster: Als Dompropst steht Schulte an der Spitze des Domkapitels

Dom zu Münster: Als Dompropst steht Schulte an der Spitze des Domkapitels

Foto: IMAGO/Jürgen Ritter

Keine zwei Wochen ist es her, dass die katholische Kirche in Münster einen Befreiungsschlag versuchte – mit einer unabhängigen Studie über sexuellen Missbrauch wollte das Bistum endlich die Oberhand bei der Aufarbeitung bekommen. Nun erschüttert ein neuer Verdacht die katholische Stadt und betroffen ist ausgerechnet die Führungsebene der Diözese.

Konkret: Offizial und Dompropst Kurt Schulte. Als höchster Kirchenrichter im Bistum ist der 57-Jährige dabei eigentlich auch für die Aufklärung von Missbrauchsvorwürfen verantwortlich. Nun steht er selbst unter Verdacht: Ein Betroffener oder eine Betroffene hat sich diese Woche bei einer Ansprechperson für Fälle sexuellen Missbrauchs über Schulte beschwert, wie ein Sprecher des Bistums am Freitag mitteilte . Als Dompropst steht Schulte zudem an der Spitze des Münsteraner Domkapitels.

Schulte soll selbst um Beurlaubung gebeten haben

Die Person habe einen Vorfall angezeigt, der sie selbst und den Offizial und Dompropst betreffe, heißt es. Nach dem bisherigen Kenntnisstand des Bistums gehe es um den Vorwurf des grenzüberschreitenden, unangemessenen Verhaltens Schultes. Vergangene Woche sei zudem noch eine weitere Anzeige gegen Schulte über ein anonymes Meldeportal eingegangen. Diese habe der Interventionsbeauftragte des Bistums Münster, Peter Frings, der Staatsanwaltschaft Münster zugeleitet.

Der Münsteraner Bischof Felix Genn hat Schulte nach Bekanntwerden der Vorwürfe mit sofortiger Wirkung und bis auf Weiteres beurlaubt. Der Leiter des Offizialats habe selbst zuvor diesen Wunsch geäußert, heißt es seitens des Bistums. Weitere Sanktionen wurden bislang nicht ausgesprochen. »Schulte wird aber darauf verzichten, öffentliche Gottesdienste zu feiern, an Rechtsprechungen teilzunehmen oder anderen priesterlichen Tätigkeiten in der Öffentlichkeit nachzugehen«, teilte das Bistum mit.

Das Bistum kündigte an, nun zunächst die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abzuwarten. Im Anschluss solle unmittelbar eine kirchenrechtliche Voruntersuchung durchgeführt werden. Schulte bleibe beurlaubt, bis diese abgeschlossen ist.

apr
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