Missbrauchsdebatte in Münster Eklat um Predigt - Pfarreirat stellt sich gegen Pfarrer

In Münster hatte ein Pfarrer im Gottesdienst um Vergebung für Priester geworben, die Kinder sexuell missbraucht haben. Nun fordert die Gemeindespitze, den Mann von seinen Aufgaben zu entbinden.

"Das ist doch pervers": Gemeinde-Gesprächsrunde in der Heilig-Geist-Kirche in Münster (Archivbild)
Caroline Seidel/DPA

"Das ist doch pervers": Gemeinde-Gesprächsrunde in der Heilig-Geist-Kirche in Münster (Archivbild)


Nach dem Eklat um eine Predigt über das Thema Kindesmissbrauch und Vergebung lehnt die Gemeindespitze in Münster jede weitere Zusammenarbeit mit dem kritisierten Geistlichen ab.

"Für uns kann es keine Gottesdienstgemeinschaft mit Pfarrer Zurkuhlen mehr geben", schrieb der Pfarreirat der katholischen Kirchengemeinde St. Joseph Münster-Süd auf Facebook. Der Bischof von Münster solle Ulrich Zurkuhlen von allen priesterlichen Funktionen entbinden.

In seiner Predigt in der katholischen Kirche hatte der emeritierte Pfarrer Zurkuhlen um Vergebung geworben für Priester, die sexuellen Missbrauch begangen haben. Auch Opfer nahmen nach Angaben der Gemeinde an dem Gottesdienst teil. Viele Besucher verließen die Kirche vorzeitig. Der Bischof von Münster, Felix Genn, hatte Zurkuhlen bereits aufgefordert, "bis auf Weiteres" nicht mehr zu predigen.

Trotz großer Empörung legte Zurkuhlen später auf seiner Homepage nach: Er habe in der Predigt gesagt, dass er es "an der Zeit fände, dass unsere kirchlichen Hierarchen doch auch den Missbrauchs-Tätern irgendwann vergeben würden."

Der Pfarreirat, ein gewähltes Leitungsgremium der Gemeinde, zeigte sich entsetzt. Zurkuhles Aussagen stünden in absolutem Widerspruch zu den Leitlinien des Schutzkonzepts der Pfarrei. Zurkuhlen habe die Opfer wiederholt schwer verletzt und ihre Rechte missachtet.

"Das ist doch pervers"

Bei einem öffentlichen Gespräch in der Heilig-Geist-Kirche am Montagabend hatte sich die Gemeinde bereits gegen Zurkuhlen positioniert. Ein Redner sagte, er habe gedacht: "Das ist doch pervers." Dann sei er aus der Kirche gelaufen. Eine Frau beschrieb das Verhalten des Pfarrers als "null sensibel". Der 79-Jährige habe sich "arrogant" verhalten und die Opfer völlig außer Acht gelassen.

Laut der bischöflichen Missbrauchsstudie wurden in den vergangenen Jahrzehnten 3677 Kinder und Jugendliche von 1670 katholischen Klerikern missbraucht. Wissenschaftler gehen von einer Dunkelziffer von mehr als 100.000 Opfern aus. Die evangelische Kirche hat ebenfalls eine Studie beauftragt, erste Ergebnisse werden für das Jahr 2021 erwartet. Derzeit sind etwa 600 Missbrauchsfälle in der evangelischen Kirche bekannt.

jpz/dpa



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