Abschluss der Vollversammlung Bischöfe wollen auf geschiedene Gläubige zugehen

Wiederverheiratete Katholiken sind vom Abendmahl und weiteren Sakramenten ausgeschlossen. Kardinal Marx und führende Geistliche fordern einen anderen Umgang mit den Betroffenen. Eine fertige Lösung hat aber auch der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz nicht parat.

Kardinal Marx in Münster: "Das Thema wird uns weiter beschäftigen"
DPA

Kardinal Marx in Münster: "Das Thema wird uns weiter beschäftigen"


Münster - Der frisch gewählte Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und andere führende Geistliche fordern "mehr Barmherzigkeit" für wiederverheiratete Katholiken. Die betroffenen dürfen keine Sakramente wie die Kommunion empfangen und haben auch Nachteile im kirchlichen Arbeitsrecht. Seit längerem gibt es Forderungen nach einer Reform.

"Das Thema wird uns weiter beschäftigen, aber wir sind auf einem guten Weg. Auch wenn es dazu Kontroversen gibt", sagte Marx zum Abschluss der Frühjahrs-Vollversammlung der Bischöfe in Münster. Zugleich dämpfte er Hoffnungen auf eine schnelle Antwort. "Wir sind nicht in einem Stadium, in dem wir fertige Lösungen haben." Der Erzbischof von München und Freising zeigte sich offen für Forderungen, Wiederverheiratete zur Kommunion zuzulassen.

Die Gläubigen erwarteten zu Recht, dass die Kirche auch jene Menschen begleite, deren Ehe gescheitert sei, sagte er in der ARD. "Da muss deutlich werden, dass wir als Kirche sagen: Ihr seid keine Christen zweiter Klasse. Es gibt auch die Chance für einen Neuanfang, und wir wollen das mitbegleiten. Das müssen wir positiv unterstützen und verstärken."

Lehren aus Fall Tebartz-van Elst

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann sagte: "Wir hungern alle nach Lösungen." In einer Predigt erinnerte er daran, dass das Wort Vergebung in der Bibel eine große Rolle spielt. "Dies ist ein Wort, dass auch heute in unseren Diskussionen um die wiederverheirateten Geschiedenen seinen Platz hat."

Marx, der als Vertrauter des Papstes gilt, war am Mittwoch zum neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz gewählt worden. Der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen beschäftigt viele Gläubige. Die Bischofskonferenz strebt hier zwar schon seit längerem neue Lösungen an, fasste dazu in Münster jedoch keine Beschlüsse.

Vielmehr sollen Papiere, die bislang dazu erarbeitet wurden, in den kommenden Wochen noch einmal überarbeitet und zu einem Antrag für die Bischofssynode zum Thema Familie im Oktober im Vatikan gebündelt werden.

Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch mahnte seine Kollegen, aus dem Skandal um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst zu lernen. Aus manchen Äußerungen spreche ein nochmals gewachsenes Misstrauen "gegenüber uns Bischöfen, vor allem unserem Leitungs- und Lebensstil", erklärte er zum Abschluss der Vollversammlung.

Den Missbrauchsskandal in den eigenen Reihen will die katholische Kirche mit einem neuen Forschungsprojekt wissenschaftlich aufarbeiten. Die Bischöfe beschlossen einen Forschungsplan und die Zusammenarbeit mit neuen Partnern, nachdem der erste Anlauf vor einem Jahr gescheitert war. Details wurden bislang jedoch nicht bekannt.

wit/dpa/AFP

insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
wauz, 13.03.2014
1. Nicht vom Abendmahl ausgeschlossen
Das "Abendmahl" ist die evangelische Version der Feier, die in der katholischen Kirche "Eucharistie" bzw. "Kommunion" heißt. Die Evangelischen Kirchen lassen Katholiken zum Abendmahl zu, während die katholische Kirche ihre eigenen, strengeren Regeln hat. Nach der katholischen Lehre ist die Kommunion etwas anderes als das Abendmahl. Es wäre (rein theoretisch derzeit) denkbar, dass die katholische Kirche die Abendmahlsfeier als Sakramental der Laien übernimmt, aber die Eucharistiefeier setzt als Sakrament die Handlug eines dazu berufenen Beauftragten (Priester) voraus.
franz.v.trotta 14.03.2014
2.
für geschiedene und wiederverheiratete Katholiken kann und darf es nicht geben. Mörder, Kinderschänder, Millionenbetrüger können der kirchlichen Gnade teilhaftig werden, dürfen auch die Sakramente empfangen. Die Ehe-Sünder müssen ausgeschlossen werden und bleiben ... man frage Kardinal Müller, den Vorsitzenden der päpstlichen Glaubenskongregation.
ArnoNym 14.03.2014
3. Schade!
Zitat von sysopDPAWiederverheiratete Katholiken sind vom Abendmahl und weiteren Sakramenten ausgeschlossen. Kardinal Marx und führende Geistliche fordern einen anderen Umgang mit den Betroffenen. Eine fertige Lösung hat aber auch der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz nicht parat. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/muenster-katholische-bischoefe-wollen-auf-geschiedene-glaeubige-zugehen-a-958538.html
Schade! Bisher war es für Geschiedene noch ein Grund mehr, die Mitgliedschaft in diesem Märchenerzählverein zu überdenken und zum eigenen klaren Denken überzugehen anstatt sich Märchen vordenken zu lassen.
ArnoNym 14.03.2014
4. Schade!
Zitat von sysopDPAWiederverheiratete Katholiken sind vom Abendmahl und weiteren Sakramenten ausgeschlossen. Kardinal Marx und führende Geistliche fordern einen anderen Umgang mit den Betroffenen. Eine fertige Lösung hat aber auch der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz nicht parat. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/muenster-katholische-bischoefe-wollen-auf-geschiedene-glaeubige-zugehen-a-958538.html
Schade! Bisher war es für Geschiedene noch ein Grund mehr, die Mitgliedschaft in diesem unnötigen Märchenerzählverein zu überdenken und zum eigenen klaren Denken überzugehen.
Johoffnung 14.03.2014
5. optional
Es wird ein harter Kampf mit Hardliner Müller geben, dem Präfekten der Glaubenkongregation im Vatikan. Er ist auch mit Gänswein ein Unterstützer von Tebartz und war auch im Missbrauchsskandal -damals noch Bischof in Regensburg- mehr als umstritten!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.