Mutmaßlicher Terrorhelfer Wohlleben Der Agitator

Von und Georg Heil

2. Teil: Wohlleben fühlt sich als Deutscher "beleidigt"


Als Politiker verbreitet Wohlleben Anfang der Nullerjahre Erklärungen wie diese: "Die NPD strebt zukünftig machtvolle Demonstrationen zusammen mit dem gesamten nationalen Widerstand Deutschlands an. Auf diese Weise soll deutlich gemacht werden, daß wir immer und ständig Gesicht zeigen werden, wenn wir Deutsche beleidigt, angegriffen oder ausgenommen werden sollen."

Sein Kompagnon André K. schreibt in einer Erklärung, das Deutsche Reich befinde sich seit 1914 im Krieg. "Seine Feinde sind entschlossen, das Reich zu vernichten und das Deutsche Volk auszulöschen. Wir Deutsche als Angegriffene, die zum Reich stehen, haben nur das eine Kriegsziel: die Bewahrung des Deutschen Reiches und des Deutschen Volkes als selbstbeherrschter Staat." Der Nationale Widerstand sei sich einig, "daß die ethnische Durchmischung des Deutschen Volkes erzwungen ist, daß unser Volk in der Gefahr ist, das Opfer eines Völkermordes zu werden...".

In den folgenden Jahren finden unter Wohllebens Ägide Veranstaltungen in Jena statt, die etwa "Fest der Völker - Für ein Europa der Vaterländer" heißen und bei denen Rechtsextreme aus ganz Europa auftreten wie der Holocaust-Leugner Gottfried Küssel aus Österreich, der rumänische Neofaschist Claudiu Mihutiu, der bekannte Neonazi Constant Kusters aus den Niederlanden und Stephen "Swiny" Swinfen aus Großbritannien. In Weimar organisiert Wohlleben 2005 den "4. Thüringentag der nationalen Jugend", bei dem auch Patrick Wieschke von der "Kameradschaft Eisenach" auftritt. Wieschke wurde verurteilt, weil er andere dazu anstiftete, am 10. August 2000 in Eisenach einen türkischen Imbiss in die Luft zu jagen. Kurz nach der Detonation wurde er nahe dem Tatort festgenommen. Heute ist er stellvertretender Kreisvorsitzender der NPD im Wartburgkreis.

Wohlleben umgibt sich mit den bekannten Rechtsextremen Deutschlands: Mit Gerd Ittner, ehemals führender Aktivist des ausländerfeindlichen Vereins "Bürgerinitiative Ausländerstopp" in Nürnberg, dem militanten Neonazi Christian Worch aus Hamburg und Peter Borchert, Mitglied der "Autonomen Nationalisten", aus Norddeutschland.

Die Hochzeit - eine Feier in mittelalterlichen Kostümen

Mit der Bezeichnung Neonazi hat Wohlleben offenbar kein Problem. 2005 antwortet der damalige NPD-Bundestagskandidat auf eine Bürgeranfrage im Internet: "Der Begriff -Neonazi- ist heutzutage durch die systematische Verleumdungskampagne derart negativ besetzt, dass man hier zuerst klar stellen muss, dass -Neonazis- eben keine kriegsliebenden Militaristen sind! Auch keine schlägernden Skinheads, sondern so werden heute alle nationalen und sozialistischen Aktivisten bezeichnet, die sich außerhalb der NPD (und zumeist auch Mitglieder der NPD) in politischen Zusammenhängen oder als Einzelpersonen einsetzen, um einen Wandel in unserem Land zu erreichen."

Ehemalige Weggefährten erinnern sich an Ralf Wohllebens Hochzeit, eine Feier in mittelalterlichen Kostümen, er selbst trug eine Fellweste über einem weißen Trachthemd und ein Blumengebinde an der roten Samtmütze. Einer gemeinsamen Tochter gab das Paar den Vornamen einer Vorzeigekünstlerin des "Dritten Reichs".

Wohlleben gilt in der Szene als "absoluter Rassist mit hohem Gewaltpotential", sagt ein ehemaliger Kamerad. Sein Ton habe sich in den letzten Jahren verschärft, er hebe sich zwar intellektuell von André K. ab, habe sich aber zunehmend an dessen Umgangston orientiert.

André K. soll seinen Kameraden im Dezember 2008 beispielsweise in einer Mail geschrieben haben: "Nun wollt Ihr dem Mongo sogar einen Listenplatz anbieten???? (…) Hat Voigt gratis Dope für alle LV-Mitglieder gesponsert???? Seid Ihr vom wilden Affen gebissen? Wollen wir jetzt, nur um in den verschissenen Landtag zu kommen und mit diesem Dreckspack abzuhotten, alle Ideale (sofern jemals vorhanden) über Bord werfen?" Weiter heißt es in dem Pamphlet, man sei "kein Kaninchenzüchterverein", vielmehr wolle man "eine Weltanschauungsbewegung" sein.

Wohlleben arbeitet als selbständiger Gestalter von Internetseiten. Er betreut die Server des "Nordthüringer Boten", der sich selbst als patriotisches Mitteilungsblatt bezeichnet, eine Verlautbarungsplattform der Nationalisten. Er half beim Internetauftritt des "Aktionsbüros Rhein-Neckar", einem Zusammenschluss von Neonazis, und betreut noch immer den Server des Internetauftritts "Nationaler Widerstand Jena". Sie ist die Nachfolgeorganisation der "Kameradschaft Jena", die Wohlleben, André K. und Holger G. einst gründeten - gemeinsam mit den mutmaßlich rechtsextremen Terroristen.

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