Nach tödlichem Unfall Ausbildung auf "Gorch Fock" wird ausgesetzt

Auf der "Gorch Fock" werden vorerst keine Marine-Soldaten mehr ausgebildet. Damit reagiert das Flottenkommando auf den tödlichen Unfall einer 25-Jährigen an Bord. Das Schiff liegt derzeit in Brasilien, rund 70 Auszubildende werden mit dem Flugzeug nach Deutschland reisen.

DPA

Glücksburg/Kiel - Sie ist das Aushängeschild der Marine, doch vorerst werden auf der "Gorch Fock" keine Soldaten mehr geschult. Die Offiziersausbildung auf dem traditionsreichen Segelschulschiff wird bis zum September 2011 ausgesetzt. Das bestätigte der Sprecher des Flottenkommandos in Glücksburg, Jan Ströhmer, am Donnerstagabend dem NDR Fernsehen.

Die gut 70 Lehrgangsteilnehmer, die in diesen Tagen von Brasilien zu ihrer Ausbildungsfahrt hätten starten sollen, werden Anfang kommender Woche in ein Flugzeug nach Deutschland steigen, so Ströhmer weiter. Sie sollen in Flensburg weiter geschult werden. In Buenos Aires war ein weiterer Wechsel vorgesehen, auch dieser wurde abgesagt.

Laut "Kieler Nachrichten" setzt die "Gorch Fock" ihre Südamerikareise dennoch fort. Dabei wird sich aber nur die Stammbesatzung an Bord befinden. Die repräsentativen Aufgaben sollen erfüllt werden. Die Rückkehr in den Heimathafen ist zum Ende der Kieler Woche 2011 geplant. Zum ersten Mal wird damit die Offiziersausbildung auf der "Gorch Fock" während einer Fahrt abgebrochen.

Mit dieser Entscheidung nehme die Marine auch Rücksicht auf die seelische Verfassung einiger Soldaten nach dem tödlichen Sturz einer Offiziersanwärterin Anfang November. Der Unfall passierte während eines Hafenaufenthalts der "Gorch Fock" im brasilianischen Salvador da Bahia - die 25-Jährige stürzte bei Kletterübungen aus der Takelage der Dreimastbark.

Schon 2008 ein tödlicher Unfall

Es handelte sich um den sechsten tödlichen Zwischenfall an Bord in der Geschichte des Schiffs. Zuletzt war in der Nacht zum 4. September 2008 eine 18 Jahre alte Offiziersanwärterin vor Norderney während ihrer Wache von Bord des Schiffs in die Nordsee gestürzt. Erst elf Tage später entdeckte die Besatzung eines Fischereiforschungsschiffs ihre Leiche 120 Kilometer nordwestlich von Helgoland.

Das gesamte Ausbildungskonzept komme auf den Prüfstand, kündigte Ströhmer an. Erst im September 2011 werde der nächste Jahrgang von Offiziersanwärtern das Schiff übernehmen. Nach Angaben des Marinesprechers wird an der Ausbildung auf dem berühmten Dreimaster aber grundsätzlich festgehalten.

Am 23. August 1958 war die "Gorch Fock" in der Werft von Blohm & Voss in Hamburg vom Stapel gelaufen. Seitdem legte sie knapp 700.000 Seemeilen zurück, etwa 14.000 Offiziere und Unteroffiziere wurden auf ihr ausgebildet.

jok/dpa-AFX



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Blackb3ard 18.11.2010
1. Bei allem Respekt...
Bei allem Respekt der Toten gegenüber, aber deswegen diese Ausbildungstradition aufgeben.... Auf der Werft gabs mindestens 1 Toten pro Jahr, niemand wäre auf die Idee gekommen, deswegen die Ausbildung auf der Werft einzustellen. Davon mal ganz abgesehen gehört der Tod zum Geschäft eines Soldaten, insbesondere seit unsere Freiheit ja am Hindukusch und sonstwo verteidigt wird...
kaitou1412 18.11.2010
2. cdckgfvljh
Wer maritim ausgebildet werden will, muss mit solchen Gefahren rechnen. Wir hören doch auch nicht auf, Auto zu fahren, nur weil es irgendwo auf deer Autobahn gekracht hat. In den Seilen rumklettern gehört nunmal zum Segeln dazu und wer sich das nicht zutraut …
Methusalixchen 18.11.2010
3. Das ist die für unsere heutige Zeit typische ...
... Vollkasko-Mentalität. Wenn man das von anfang an konsequent gehandhabt hätte, hätte man so etwas gefährliches wie den Automobilverkehr von vorneherein unterbinden müssen. Wer Wanten herumklettert, riskiert den Absturz. Wie schon Erich Kästner wußte: "Das Leben ist lebensgefährlich." Diese jungen Leute jetzt heimzupampern, ist ja wohl das Dümmste, was man machen kann. Paßt aber zum Verteidigungs-Barönchen. Der wäre sicher auch gerne nach Hause geflogen worden.
jboese2, 19.11.2010
4. Sicherheitsheuchelei
Zitat von sysopAuf der "Gorch Fock" werden vorerst keine Marine-Soldaten mehr ausgebildet.*Damit reagiert das Flottenkommando auf den tödlichen Unfall einer 25-Jährigen an Bord. Das Schiff liegt derzeit in Brasilien, rund 70 Auszubildende werden mit dem Flugzeug nach Deutschland reisen. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,729961,00.html
[QUOTE=sysop;6642690]Auf der "Gorch Fock" werden vorerst keine Marine-Soldaten mehr ausgebildet.*Damit reagiert das Flottenkommando auf den tödlichen Unfall einer 25-Jährigen an Bord. Das Schiff liegt derzeit in Brasilien, rund 70 Auszubildende werden mit dem Flugzeug nach Deutschland reisen. Ja, ja, die Sicherheit, der allbestimmende Götze unserer Zeit. Man hat beim Bund allerdings keine Skrupel deutsche Soldaten mit veraltetem Gerät in Afghanistan Dienst tun zu lassen.
marypastor 19.11.2010
5. Dieser Unfall
Zitat von sysopAuf der "Gorch Fock" werden vorerst keine Marine-Soldaten mehr ausgebildet.*Damit reagiert das Flottenkommando auf den tödlichen Unfall einer 25-Jährigen an Bord. Das Schiff liegt derzeit in Brasilien, rund 70 Auszubildende werden mit dem Flugzeug nach Deutschland reisen. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,729961,00.html
ist natuerlich bedauerlich, aber man kann hier nicht sagen " das darf nicht passieren". Auf Seglern dieser Art kann sowas passieren. Das weiss jeder, der sich mit der Geschichte der Segelschiffe, besonders der Frachtsegler, in den vergangenen Jahrhunderten beschaeftig hat, obwohl diese Schiffe damals von Spezialisten gesegelt wurden und ohne Auszubildende. Beispiel: die "Rickmer Rickmers" ( heute Museumsschiff im Hamburger Hafen und der Gorch Fock aehnlich ). Dieses Schiff wurde mit nur 26 Mann Bestatzung, davon 12 Matrosen, vor 100 Jahren um die Welt gesegelt. Eine Superleistung. Die Marine muss sich ueberlegen, was sie mit der Gorch Fock machen will. Wenn weiter als Schulschiff, muss man mit Unfaellen rechnen. Sonst eben einmotten.
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