Nachbarschaftsstreit in Schottland Dorfbewohner gewinnen Kampf gegen Riesenhecke - nach 30 Jahren

Drei Jahrzehnte lebten Bewohner eines schottischen Dorfes im Schatten einer gigantischen Hecke. Die Besitzerin betrachtete das zwölf Meter hohe Ungetüm als Windschutz. Erst ein neues "Hohe-Hecken-Gesetz" brachte Abhilfe.

Übeltäter Leyland-Zypresse: Langer Kampf gegen die Schattenhecke
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Übeltäter Leyland-Zypresse: Langer Kampf gegen die Schattenhecke


Die Leyland-Zypresse ist ein mächtiger, immergrüner Baum, der sehr schnell wächst. Sie ist nicht wählerisch, begnügt sich mit nährstoffarmen Böden und wird gern als Hecke angepflanzt. Es gibt Leute, die sind gegen die "Leyland" allergisch. Anderen wirft sie zu viel Schatten. Viel zu viel.

So geschehen in dem kleinen schottischen Dorf Buchlyvie, knapp 30 Kilometer nördlich von Glasgow. Hier pflanzte Catriona MacGregor im Jahr 1983 eine Leyland-Hecke, die erwartungsgemäß kräftig wuchs und die Hausherrin erfreute. Eine Weile soll MacGregor die Pflanze noch getrimmt und auf zivile zweieinhalb Meter begrenzt haben. Doch dann geriet das grüne Ungetüm "außer Kontrolle", wie der britische "Telegraph" berichtet.

Im Laufe von 20 Jahren wuchs die "Leyland" zwölf Meter in die Höhe und sorgte für Unmut bei den Nachbarn. Selbst bei strahlendem Sonnenschein hätten sie im Haus das Licht anmachen müssen, beklagten sie sich. "Wir verlieren drei bis vier Stunden Sonnenlicht pro Tag", sagte ein Anwohner, der namentlich nicht genannt werden wollte. "Die Böden sind ausgetrocknet, nichts wächst mehr." (Sehen Sie hier ein Video der Hecke)

Heckenbesitzerin Catriona MacGregor verstand die Aufregung nicht. Sie argumentierte, die Hecke sei Nistplatz für heimische Singvögel und biete neben Privatsphäre auch hervorragenden Schutz gegen Wind.

Die Hecke in Buchlyvie: Schattendasein der Anwohner beendet
Daily Mail Online

Die Hecke in Buchlyvie: Schattendasein der Anwohner beendet

30 Jahre lang währte der Disput, die genervten Nachbarn fühlten sich machtlos. "Jeder war empört, alle waren vereint dagegen", erinnert sich der Nachbar. "Aber so lange das neue Gesetz nicht in Kraft war, konnten wir nichts machen."

Gemeint ist der 2013 von der schottischen Regierung verabschiedete "High Hedges Act". Demnach müssen zu hohe Hecken drastisch beschnitten werden, wenn sie Nachbarn nachweislich behindern. Und genau das soll jetzt in Buchlyvie geschehen: MacGregor wurde dazu verdonnert, ihre gigantische Hecke auf 1,80 Meter zu stutzen und in bestimmten Bereichen 2,70 Meter nicht zu überschreiten. Bis Oktober hat Catriona MacGregor Zeit, sich der Anordnung zu beugen.

"Der Streit um hohe Hecken ist ein recht seltenes Phänomen", erklärte der Staatssekretär für lokale Verwaltung und Planung, Dereck Mackay, in einem Vorwort zu dem neuen Gesetz. "Aber wenn er aufkommt, kann er eskalieren, außer Kontrolle geraten und den Beteiligten große Sorgen bereiten." Für Menschen, die unfreiwillig ein 30-jähriges Schattendasein im eigenen Haus geführt haben, mag das allzu diplomatisch klingen.

ala

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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
oliverc189 02.06.2015
1. Sehr gesetzestreu...
..die lieben Schotten. Ich hätte lange vor Ablauf von 30 Jahren zur Selbstjustiz gegriffen und die Erde gesalzen ;-)
intex_#0 02.06.2015
2. Oh man
30 Jahre lassen die sich das gefallen? Bevor ich das nur ein halbes Jahr hätte aushalten müssen hätte ich die Hecke mit irgendeinem Alles-Vernichter gegossen, dann wäre die Hecke ein paar Tage später Geschichte gewesen!
Marellon 02.06.2015
3. Gesetzestreue ist gut
Gesetzestreue ist gut. Selbstjustiz ist schlecht. Das gilt als Grundsatz. Wenn sich aber jemand hinter der Gesetzestreue versteckt und seine Nachbarn wider jede Vernunft und ohne wirklichen eigenen Nutzen quält, sollen die Gequälten zu einem Kanister Glyphosat greifen. Sind sie ökologisch interessiert und möchten sie Nachweise verhindern, gibt es auch anderes, das gut wirkt. Meine Zuschau- und Wartezeit hätte jedenfalls einen Sommer nicht überdauert...
detlef.drimmer 02.06.2015
4.
Zitat von intex_#030 Jahre lassen die sich das gefallen? Bevor ich das nur ein halbes Jahr hätte aushalten müssen hätte ich die Hecke mit irgendeinem Alles-Vernichter gegossen, dann wäre die Hecke ein paar Tage später Geschichte gewesen!
Genau so wie Du hat die Heckeneigentümerin gedacht! Dein Recht soll höher bewertet werden?!
boxfrank 02.06.2015
5. Der Grund, warum nix passiert ist:
Die Nachbarn, (alles Schotten :-) waren 30 Jahre schlichtweg zu geizig, um wirksames Unkraut-Ex in der erforderlichen Mege zu kaufen! Hier in Deutschland hätte es schnell eine Nacht-und-Nebel-Aktion rund um das Grundstück gegeben, natürlich ohne Rücksicht auf irgendwelche Kosten...
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