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20. Juni 2017, 13:42 Uhr

Argentinien

Dutzende NS-Relikte in Geheimzimmer gefunden

In der Nähe von Buenos Aires hat die argentinische Polizei mehr als 70 Relikte aus der NS-Zeit sichergestellt. Sie gehörten womöglich einem hochrangigen Funktionär.

Die Polizei in Argentinien hat Dutzende Relikte aus der Zeit des Nationalsozialismus gefunden. Bei dem Fund in einem verborgenen Raum in Beccar bei Buenos Aires handele es sich um die bislang größte Sammlung dieser Art, teilten die Ermittler mit.

Unter anderem sicherten sie eine Adolf-Hitler-Büste, Vergrößerungsgläser in einer mit Hakenkreuzen besetzen Kiste und medizinisches Equipment zur Vermessung von Köpfen. Insgesamt soll es sich um etwa 75 Objekte handeln. Den Behörden zufolge gehörte die Sammlung während des Zweiten Weltkriegs vermutlich einem hochrangigen NS-Funktionär.

"Unsere ersten Ermittlungen deuten darauf hin, dass es sich um Originalstücke handelt", sagte die argentinische Sicherheitsministerin Patricia Bullrich. Bei einigen Exemplaren seien auch Fotografien gefunden worden, die die Relikte zusammen mit Hitler zeigen. Die Fotos sollten den besonderen Wert der Gegenstände belegen, sagte Bullrich.

Demnach gehört zu der Sammlung auch Spielzeug, mit dem Kinder indoktriniert werden sollten: eine Statue mit Hakenkreuz und Reichsadler, eine Nazi-Sanduhr, eine Box voller Mundharmonikas.

Eines der historisch womöglich bedeutendsten Fundstücke soll laut Polizei ein Vergrößerungsglas sein. Historiker hätten bestätigt, dass es sich dabei um jenes Modell handele, das Hitler genutzt habe, sagte der Chef der Bundespolizei, Nestor Roncaglia. "Wir wenden uns nun an internationale Experten, um die Ermittlungen zu vertiefen."

Die Ermittler hatten das Versteck entdeckt, nachdem ein Exponat illegaler Herkunft in einer Galerie im Norden von Buenos Aires aufgetaucht war. Die Polizei folgte daraufhin in Zusammenarbeit mit Interpol dem Sammler, dessen Haus sie schließlich am 8. Juni durchsuchte und dabei auf die Sammlung stieß.

Der Sammler sitzt laut Polizei nicht in Haft, muss sich aber vor einem Bundesgericht verantworten. Unklar ist bislang, wie und wann die Relikte nach Argentinien kamen. Die Ermittler gehen davon aus, dass hochrangige Ex-Nazis sie nach 1945 in das Land brachten, in dem viele frühere NS-Funktionäre untertauchten.

Im Video: Angebliches Nazi-Versteck in Argentinien (2015)

In Argentinien tauchen immer wieder Nachlässe aus dieser Zeit auf, nicht immer handelt es sich jedoch um Originalfunde. Vor gut zwei Jahren meldeten Archäologen, sie hätten einen Zufluchtsort für ranghohe Nationalsozialisten gefunden - doch dann stellte sich heraus, dass sie vermutlich falsch lagen.

mxw/AP

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