Dorf in Schleswig-Holstein Junge Grünenpolitiker wollen Negernbötel umbenennen

Der Name des Ortes Negernbötel soll auf das Jahr 1306 zurückgehen. Die Grüne Jugend fordert nun eine Umbenennung, weil er rassistische Assoziationen hervorrufe. Im Dorf selbst hält man davon offenbar wenig.
Ortsschild von Negernbötel – bald Näherbötel?

Ortsschild von Negernbötel – bald Näherbötel?

Foto: Daniel Reinhardt / picture alliance/dpa

Schleswig-Holstein hat zahlreiche bemerkenswerte Ortsnamen. Wussten Sie, dass Kalifornien und Brasilien (beide im Kreis Plön) hier liegen, genauso wie Grönland und Sibirien (letzteres übrigens ein Ortsteil von Elmshorn)? Wohl keiner dieser Namen weckt negative und rassistische Assoziationen – anders ist das bei Negernbötel im Kreis Segeberg. Junge Grünenpolitiker und -politikerinnen haben deshalb eine Umbenennung des rund 1000 Einwohner großen Ortes gefordert.

»Der Ortsname N***rnbötel enthält das sehr verletzende und rassistische N-Wort«, schreibt die Jugendorganisation des Kreises auf Instagram. »Natürlich bedeutet das nicht, dass die Einwohner*innen des Dorfes rassistisch sind, aber es bedeutet, dass wir ein Wort, welches für Rassismus, Unterdrückung und Mord an Black, Indigenous, People of Color steht, ehren und uns keine Gedanken darüber machen.«

Dabei schreibt die Jugendorganisation selbst, dass der Name Negernbötel keinen rassistischen Ursprung habe. Er stamme aus dem Plattdeutschen und bedeute so viel wie »Näher zu der Siedlung«. Da Plattdeutsch keine weit verbreitete Sprache mehr sei und der Ortsname bei den allermeisten Menschen eine andere Assoziation auslöse, müsse er geändert werden.

»Wen das stört, der kann ja woanders wohnen«

In Negernbötel selbst steht man einer möglichen Umbenennung den »Kieler Nachrichten«  zufolge kritisch gegenüber. Der Bürgermeister des Ortes, Marco Timme, hatte laut den »Lübecker Nachrichten«  zu der immer wieder aufkommenden Debatte im Januar gesagt: »Bei uns lebt nicht ein Rassist. Wir haben so großen Zuspruch. Wen das stört, der kann ja woanders wohnen.«

Die »Bild« -Zeitung zitiert ihn heute mit den Worten: »Das Thema lenkt von den eigentlichen Aufgaben im Ort ab, die angepackt werden müssen.« Eine Diskussion über eine Namensgebung von 1306  sei »nachrangig«. Das Thema sei in der Gemeinde längst diskutiert und es bestehe kein Wunsch nach Namensänderung.

Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftler sehen das mitunter anders. Zuletzt hatte es deshalb an verschiedenen Orten Umbenennungen gegeben: In München etwa, genauso wie in Kiel – um in Schleswig-Holstein zu bleiben –, legten 2020 zwei Mohren-Apotheken ihren Namen ab, in Berlin soll die Mohrenstraße zur Anton-Wilhelm-Amo-Straße werden. Und auch für Negernbötel gibt es laut »Kieler Nachrichten« bereits einen Vorschlag der Grünen Jugend: Näherbötel.

Landespartei bremst die Jugend

Wie es in dem Bericht unter Berufung auf den Landkreis heißt, wäre solch eine Umbenennung des Ortes auch möglich. Darüber müssten aber die Gemeindevertreter entscheiden.

Der Landesverband der Grünen in Schleswig-Holstein erteilte dem Vorstoß der jungen Politiker jedoch eine Absage. Der Kampf gegen Rassismus sei dringend notwendig, schreibt die Landespartei. Eine Umbenennung stehe »für uns aber nicht zur Debatte«.

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Es gebe keinen Anlass, dem Ort oder gar seinen Einwohnerinnen und Einwohnern Rassismus zu unterstellen

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