Neonazis in den USA Hakenkreuz und Sternenbanner

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Von , New York

2. Teil: Auftritt der "Hollywood-Nazis"


Die NSM stößt in das Vakuum, das der Niedergang der alten Gruppen hinterlassen hat. Gesteuert von Michigan aus, wo Schoep wohnt, ist sie nach Angaben der SPLC und der Anti-Defamation League (ADL) in mindestens 35 US-Bundesstaaten aktiv. Die Mitgliederzahl ist allerdings schwer zu erfassen. Die größte Menge, die die NSM wohl je zu einer Demo zusammentrommeln konnte, waren hundert Leute.

Die NSM hat ihre Wurzeln in der American Nazi Party. Deren Gründer George Lincoln Rockwell wurde 1967 ermordet. Seine Vizes Robert Brannen und Cliff Herrington bildeten das National Socialist American Workers Freedom Movement. Jungstar Schoep - der sich bereits als Viertklässler für Hitler begeistert haben will - übernahm 1994 die Führung - mit 21 Jahren - und verpasste der Gruppe einen neuen kürzeren Namen.

Doch erst ein Jahrzehnt später wurde die NMS groß - nach dem Tod der zwei prominentesten Neonazi-Chefs in den USA, William Pierce (National Alliance) und Richard Butler (Aryan Nations). Ein dritter Wortführer der Bewegung, Matt Hale von der Church of the Creator, landete zur gleichen Zeit für 40 Jahre im Gefängnis.

Schoep setzt auf öffentlichkeitswirksame Auftritte. Er inszeniert theatralisch-provokative Demonstrationen, bei denen seine Leute in NS-Kostümen aufmarschieren - was ihnen den Spitznamen "Hollywood-Nazis" verschaffte. Außerdem öffnete Schoep die NSM für Mitglieder rivalisierender Organisationen. So wurde die Gruppe zur am schnellsten wachsenden Neonazi-Vereinigung der USA. Schoep rekrutiert dazu vor allem jüngere Novizen - am liebsten Teenager, denen er in seinem "Viking Youth Corps" Militärkenntnisse beibringt, um sie zu "Kriegern" zu machen.

Bei seinen Rekrutierungsversuchen nutzt Schoep alle Möglichkeiten. Nach eigenen Angaben hielt er im Januar dieses Jahres ein "Referat" in einer Schule in Ohio. Er habe eine Klasse über die "Ziele und Mission" der NSM unterrichtet, prahlt er auf seiner Website: "Alle waren respektvoll, und viele gute Fragen wurden gestellt und beantwortet."

Ob Schoep dabei auch das NSM-Programm zitiert hat, bleibt dahingestellt. Das Werk ist eine Ansammlung krudester Parolen: "Wir fordern den Zusammenschluss aller Arier aufgrund des Selbstbestimmungsrechts der Völker zu einem Großreich." Auf der Homepage toben anonyme Kommentatoren derweil gegen "Nigger, Homosexuelle, Mexikaner und Juden".

Antisemitismus als Religion

Die anderen amerikanischen Neonazi-Gruppen stehen dem an Radikalität zwar kaum nach. Dennoch erreichen sie nicht das Potential der Schoep-Truppe:

Aryan Nations (AN): Unter diesem Dach fanden in den achtziger und neunziger Jahren viele Rechtsextreme eine Heimat: Neonazis oder Skinheads. Im Jahr 2000 begann diese einst bekannteste Neonazi-Organisation der USA zu bröckeln, nachdem das SPLC sie in einen teuren Gerichtsstreit gezwungen hatte. AN-Führer Richard Butler starb 2004. Die AN zerbrache in konkurrierende Splitterguppen.

National Alliance (NA): 1970 gegründet war dies lange die zweite prominente Neonazi-Gruppe neben der AN. Ihr langjähriger Führer William Pierce verfasste den Hetzroman "Turner Diaries", der Timothy McVeigh inspirierte, den Bombenleger von Oklahoma City 1995. Die NA propagiert Massenmord an den Juden, die sie als "vorübergehende Unannehmlichkeit" bezeichnet. Nach Pierces Tod 2002 zerfiel die NA weitgehend.

Church of the Creator/Creativity Movement: Diese 1973 gegründete Organisation tarnt ihren Antisemitismus als "Religion". Ihr Anführer Matt Hale wurde 2005 jedoch wegen Anstiftung zum Mord zu 40 Jahren Haft verurteilt.

White Revolution: Diese relativ neue Vereinigung aus Arkansas bemüht sich um Geschlossenheit der amerikanischen Neonazi-Szene. Mit ihren Demos versucht sie, Mitglieder aller Gruppen zu mobilisieren.

Nazi Low Riders (NLR): Die NLR entsprang kalifornischen Jugendgefängnissen. Später bildeten sie auch Straßengangs, um Drogenhandel und Organisierte Kriminalität zu betreiben. Ihre Mitglieder sind oft mit Hakenkreuzen tätowiert.

Volksfront: Die Volksfront, 1994 gegründet, ist nach Angaben der SPLC die zurzeit aktivste Neonazi-Gruppe an der amerikanischen Westküste. Sie will unter anderem einen "autonomen Lebensraum" für Weiße schaffen.

Keine Gruppe kommt aber an die NSM heran, zumindest was ihre Sichtbarkeit angeht. Am Tag nach dem Gerangel im April in New Jersey fuhren deren Mitglieder in die Landeshauptstadt Trenton, wo sie vor dem Kapitol im Regen standen, Hakenkreuzflaggen schwangen und den Hitlergruß zeigten. Erneut waren aber viel mehr Gegendemonstranten da, die ihnen geschlossen die Stinkefinger zeigten.

Einer Protestler trug ein Schild: "Gott mag keine Nazis, also lässt er es regnen."

insgesamt 101 Beiträge
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Seite 1
sol invictus 13.05.2011
1. ...
Wenn ich mir die Bilder so anschaue muss ich über den degenerierten Haufen lachen. Von wegen "Herrenmenschen", eher eine Verschwendung menschlichen Lebens.
kurtwied, 13.05.2011
2. Ja klar ...
... die Deutschen - besonders Herr Pitzke - haben sich so gut erholt, dass sie jetzt den Amis vorwerfen, Nationalsozialismus sei "in der Gesellschaft fest verwurzelt". Satire pur.
Polymorph, 13.05.2011
3. ...
Wieviele Mitglieder hatte die Gruppe nochmal? 400? Boah.
raly 13.05.2011
4. ...
Ach 400 Mitglieder ( bei einer bevölkerung von ueber 300 mio) ... mal im ernst, das ist doch nichts!
Lueder, 13.05.2011
5. Jeff Hall
Zitat von sysopDer Mord an dem US-Neonazi Jeff Hall zeigt vor allem eines: Auch in der amerikanischen Gesellschaft sind die Rechtsextremen fest verwurzelt. Die meisten*Hassgruppen sind zwar zersplittert und zerstritten. Bürgerrechtler warnen trotzdem. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,762293,00.html
Was ich nicht verstehe ist, dass der Spiegel den Tod des US-Neonazi Jeff Hall als "Trauriges Ende einer Hassfigur" bezeichnet. Mich hat die Nchricht eher erfreut und das der Mörder ausgerechnet der eigene 10 jährige Sohn ist, zeigt, das sogar Kinder in der Lage sind, Dummheit und Schwachsinn zu erkennen und sich dagegen zu wehren!
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