Neues Gesetz in Kraft Vaterschaftstests sind nun leichter

Männer mit Zweifeln an ihrer Vaterschaft können aufatmen: Legale Gentests sind nun erheblich einfacher möglich. Dafür sorgt ein Regelwerk mit dem schönen Titel "Gesetz zur Klärung der Vaterschaft unabhängig vom Anfechtungsverfahren".


Berlin - Künftig müssen Männer, die Zweifel an ihrer Vaterschaft haben, nicht mehr auf heimliche Gentests zurückgreifen. Nach dem Gesetz, das am Montag im Bundesgesetzblatt veröffentlicht wurde und am Dienstag in Kraft trat, kann ein Vaterschaftstest in Zukunft auch dann von einem Familiengericht veranlasst werden, wenn sich andere Betroffene gegen ein derartiges Gutachten sperren.

Eine heimliche Untersuchung von Haaren oder Speichel des Kindes bleibt aber auch in Zukunft verboten. Mit dem neuen Gesetz könne jeder sein Recht auf Kenntnis der Abstammung durchsetzen, ohne mit einem heimlichen Vaterschaftstest einen Rechtsverstoß zu begehen, sagte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD).

Bislang konnte die Abstammung eines Kindes nur dann im Labor überprüft werden, wenn alle Betroffenen zustimmten. Das neue Gesetz räumt Vater, Mutter und Kind gegenüber den jeweils anderen beiden Familienmitgliedern nun ausdrücklich einen Anspruch auf Klärung der Abstammung ein. "Das ist ein guter Tag für all diejenigen Männer, die es bisher schwer hatten, aus ihrer babylonischen Gefangenschaft einer Zahlvaterschaft herauszukommen", sagte der rechtspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jürgen Gehb (CDU).

Das Bundesverfassungsgericht hatte dem Gesetzgeber im vergangenen Jahr aufgegeben, Vätern einen einfachen Weg zu eröffnen, Zweifel an ihrer biologischen Vaterschaft zu überprüfen. Zum Schutz des Kindes hat der Bundestag allerdings eine Härtefallregelung eingebaut. So kann in Ausnahmefällen die Überprüfung der Abstammung zumindest ausgesetzt werden - etwa bei einem pubertierenden Kind, das unter Magersucht leidet und vor der psychischen Belastung eines solchen Vaterschaftstests geschützt werden soll.

Die Grünen und die Linken bemängelten allerdings, wenn ein Mann nach einem entsprechenden Gentest seine Vaterschaft gerichtlich anfechtet, werde das Kindeswohl in diesem Verfahren nicht mehr ausreichend geschützt. Die frauenpolitische Sprecherin der Grünen- Fraktion, Irmingard Schewe-Gerigk, mahnte zudem Sanktionen gegen Labore an, die heimliche Vaterschaftstests durchführen.

Die FDP-Familienpolitikerin Sibylle Laurischk sieht durch das Gesetz der großen Koalition hingegen die Interessen aller Beteiligten gewahrt. Auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar sprach von einem "vernünftigen Interessenausgleich zwischen den betroffenen Kindern, Müttern und Vätern".

jdl/dpa

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