Speaker mit Baby im neuseeländischen Parlament "Manchmal kann ich ein wenig nützlich sein"

In Neuseelands Parlament gibt es einen Babyboom. Für einen Abgeordneten ist nun der Speaker of the House eingesprungen - und der freut sich über Nachwuchs im Saal.

New Zealand Parliament and Speakers Office/ Handout via REUTERS

Um Mütter, die ihre Kinder in der Öffentlichkeit stillen oder gar mit ins Parlament nehmen, gab es in vielen Teilen der Welt bereits Streit. In Neuseeland nimmt man das Thema deutlich lockerer. Dort hat nun der Labour-Abgeordnete Tamati Coffey seinen sechs Wochen alten Sohn mit in den Plenarsaal gebracht - und erhielt tatkräftige Hilfe vom Speaker of the House.

Während Coffey eine Rede hielt, nahm sich Speaker Trevor Mallard des Babys an und fütterte Tutanekai mit der Flasche. Selbst mit Kind auf dem Arm konnte er das Plenum, das intensiv über Treibstoffpreise diskutierte, leiten. Der Abgeordnete Coffey und sein Ehemann Tim Smith waren vergangenen Monat mithilfe einer Leihmutter Eltern geworden.

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Der Speaker of the House mit dem Baby: In oooooooorder

"Manchmal kann ich ein wenig nützlich sein", sagte Mallard. Er habe immer versucht, sich um Babys von Abgeordneten zu kümmern, wenn dies möglich und nötig sei. An die frischgebackenen Eltern richtete Mallard, selbst Vater von drei erwachsenen Kindern und Großvater von sechs Enkelkindern, seine Glückwünsche. Er habe festgestellt, dass Kinder die Atmosphäre am Arbeitsplatz verbessern könnten. Ihre Anwesenheit diene etwa der Arbeitsmoral der Parlamentsdiener, sagte der 65-Jährige. Wenn ein Baby hereingebracht werden müsse, rissen sich alle um die Aufgabe.

Schlechtere Möglichkeiten für Babys außerhalb des Parlaments

2017 hatte Mallard die Regeln des Parlaments in Wellington gelockert, um es kinderfreundlicher zu machen. Seither sind immer wieder Säuglinge im Plenarsaal zu sehen. Auch die seit 2017 amtierende Ministerpräsidentin Jacinda Ardern hat ein kleines Kind, das sie in ihrer Amtszeit zur Welt brachte. Die Sozialdemokratin nahm Töchterchen Neve, die im Juni 2018 auf die Welt kam, bereits im Alter von drei Monaten mit zur Uno-Vollversammlung in New York. Etwa ein Dutzend der 120 Parlamentarier des Landes bekam zu einer ähnlichen Zeit wie Ardern Kinder. Von einem regelrechten Babyboom war die Rede.

Die Begeisterung für die Babys in den Bänken nahmen Arbeitnehmervertreter zum Anlass, um auf Probleme bei der Kinderbetreuung hinzuweisen. Nur wenige Neuseeländer hätten ähnlich gute Möglichkeiten, um die Fürsorge für ihre Familien mit der Arbeit in Einklang zu bringen. Aber vielleicht könnten die Parlamentsbabys daran ja etwas ändern. Gewerkschafterin Tania Te Whenua zufolge sollte man sich dabei auf die in Neuseeland beheimatete Kultur besinnen: "Die Fähigkeit, Kinder zu haben, zu pflegen und zu erziehen, ist ein gefeierter Aspekt der Maori-Kultur."

apr/Reuters

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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
tinohsk 22.08.2019
1. Babys im Parlament
Einfach nur herrlich, wie locker das in Neuseeland gesehen und gehandhabt wird. Unvorstellbar im spießigen Deutschland. Schäuble mit Säugling im Arm - das arme Kind.
birdie 22.08.2019
2. Dies ist ein sehr erfreuliches Bild ....
zeigt es doch, dass das Wichtigste in unserem Leben - nämlich Nachwuchs -, der mit gebührender Ernsthaftigkeit, Führsorge, Repekt, Verantwortung und vor allem mit Liebe auf- und angenommen wird. Wer jemals in seinem Leben ein so kleines Baby im Arm gehalten hat, wird sich beim Betrachten dieses Bildes an diesen Glücks-moment erinnern. Und er wird sich mit Abscheu von Babyfeinden abwenden, die die kleinen Wesen am liebsten im Kleiderschrank verstecken würden.
fatherted98 22.08.2019
3. Warum..
....stillt der Herr denn nicht mit der Brust? Sowas kann man sich doch durch Hormone schon vor der Geburt machen lassen....das wäre dann auch diesen Bericht wert.
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