Winterplage Eiszapfen-Alarm in New York

Flanieren in New York ist derzeit ein riskantes Unterfangen: An den Fassaden und Dächern der Wolkenkratzer haben sich Eiszapfen gebildet, die bei einsetzendem Tauwetter zu gefährlichen Geschossen werden. Ein Verletzter musste mit 80 Stichen genäht werden.

AP/ Barry Negron

New York - Die Gefahr droht von oben: Fußgänger in New York haben im heftigsten Winter seit langem mit mehr als Schnee und Kälte zu kämpfen. Immer häufiger werden Passanten von herabfallenden Eiszapfen getroffen und verletzt. Wenn diese sich von Wolkenkratzern lösen, entwickeln sie sich im Fall zu potentiell tödlichen Geschossen, die Geschwindigkeiten bis 160 Kilometer pro Stunde erreichen.

Der New Yorker Barry Negron lief an einem vierstöckigen Haus in der Nähe des Rockefeller Centers vorbei und versuchte noch, Passanten vor herabfallenden Eiszapfen zu warnen, als er selbst getroffen wurde. Ein scharfkantiger, etwa fußballgroßer Schneebrocken krachte ihm direkt ins Gesicht. "Ich bekam Panik, weil ich Blut auf meinen Händen sah", erzählte der 27-jährige Verkäufer. Während er noch auf dem Boden lag, habe er zwei Frauen schreien hören: "Oh, mein Gott, Hilfe! Da ist so viel Blut!" Die Schnitte an Nase und Wange mussten mit 80 Stichen genäht werden.

Die Behörden sperrten bereits mehrere Straßen rund um das One World Trade Center, dem mit einer Höhe von 541,3 Metern höchsten Gebäude in den Vereinigten Staaten. Zahlreiche Bürgersteige in der Nähe von hohen Gebäuden wurden mit gelben Absperrbändern versehen, um zu vermeiden, dass Menschen durch Eiszapfen oder steinharte Schneebrocken zu Schaden kommen.

Wetterexperten zufolge wird sich die Situation in den kommenden Tagen noch verschärfen, da Tauwetter angesagt ist. "Der Schnee schmilzt, und es entstehen immer größere Eiszapfen", sagt der Meteorologe Joey Picca vom Nationalen Wetterdienst in New York.

Wie viele Bewohner des Big Apple bereits von Eiszapfen getroffen wurden, ist nicht bekannt. Im russischen Sankt Petersburg kämpft man seit vielen Jahren mit dem Problem. Hier werden jedes Jahr Dutzende Menschen verletzt. Manchmal enden die Unfälle tödlich.

Die New Yorker Behörden haben eine Warnung an alle Immobilienbesitzer ausgegeben. Sie sollen zeitnah Schnee und Eis räumen. Andernfalls droht ein Bußgeld von 1000 Dollar.

ala/AP



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