Impfskandal in Friesland Niedersachsen entschädigt Betroffene nach möglichen Kochsalz-Injektionen

Im April wurden im Landkreis Friesland möglicherweise Tausende Menschen mit Kochsalzlösung statt mit einer Vakzine gegen das Coronavirus geimpft. Jetzt sollen sie eine Entschädigung erhalten. Die Summe: 35 bis 50 Euro.
Impfzentrum Schortens: Mehr als 10.000 Betroffene

Impfzentrum Schortens: Mehr als 10.000 Betroffene

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Mohssen Assanimoghaddam / dpa

Nachdem eine Krankenschwester im Kreisimpfzentrum Schortens zugegeben hatte, Spritzen für Corona-Schutzimpfungen überwiegend mit Kochsalzlösung gefühlt zu haben, will das Land Niedersachsen und der Landkreis Friesland die mehr als 10.000 Betroffenen nun entschädigen.

Eine Aufwandsentschädigung von 35 Euro erhielten diejenigen, die eine Impfung wiederholen müssen, 50 Euro erhalte, wer zweimal nachgeimpft werden müsse, gab der Landkreis Friesland online bekannt.  Dafür müsse ein Antrag gestellt und die Nachholimpfung nachgewiesen werden. Die Kosten übernehme das Land. Zuvor hatte der NDR berichtet. 

Die examinierte Krankenschwester hatte eingeräumt, im April sechs Spritzen überwiegend mit Kochsalzlösungen gefüllt zu haben, nachdem ihr eine Biontech-Impfstoffampulle versehentlich heruntergefallen war. Nachträglich hatten die Behörden präzisiert, dass die Frau – anders als zunächst berichtet – ausgesagt habe, auch Impfstoffreste aus anderen Biontech-Ampullen aufgezogen zu haben.

Kochsalzlösung wird regulär zur Verdünnung der Impfflüssigkeit eingesetzt und ist für den Körper unschädlich. Die meisten potenziell betroffenen Bürger erhielten im fraglichen Zeitraum eine von zwei Impfungen, in wenigen Fällen auch beide.

Ein mögliches politisches Motiv der Frau steht im Raum. Sie soll nach Informationen des SPIEGEL in sozialen Medien die Pandemie mit einer Grippe verglichen und über WhatsApp eine verleumderische Karikatur geteilt haben, die unter Verschwörungsideologen kursiert. Der Verteidiger der Frau weist diesen Verdacht zurück.

Das tatsächliche Ausmaß der mutmaßlichen Manipulationen durch die Verdächtige ist weiterhin unklar. Der Landkreis Friesland, in dessen Impfzentrum in Schortens die Frau bis zu ihrer Entdeckung und Entlassung im April arbeitete, rief vorsorglich rund 10.200 Menschen zu Ergänzungsimpfungen auf.

kha/dpa
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