Wunschlisten von Kindern Lieber Nikolaus, bitte ein Smartphone!

Wo der Nikolaus wohnt? Offenbar in einem saarländischen Dorf. Dort sind bereits Tausende Briefe von Kindern eingegangen - mit erstaunlich konkreten Wünschen. Es kommt aber auch äußerst traurige Post an.
Nikolauspostamt in St. Nikolaus (Archivbild)

Nikolauspostamt in St. Nikolaus (Archivbild)

Foto: Oliver Dietze/ dpa

Früher mag viele Kinder am Nikolaustag Schokolade und ein paar neue Socken glücklich gemacht haben. Das ist offenbar Vergangenheit, auch diese Tradition bleibt nicht von der Digitalisierung verschont: Sehr viele Kinder wünschen sich vom Nikolaus in diesem Jahr Smartphones, Tablet-Computer oder Laptops.

Das gehe aus den Briefen an das Nikolauspostamt im saarländischen St. Nikolaus hervor, sagt Sabine Gerecke, die Leiterin der dortigen Kinderbriefaktion. Kinder ab etwa zehn Jahren schrieben oft auch das exakte Modell auf, das sie gerne hätten. Jüngere dagegen formulierten sinngemäß oft: "Egal welches, Hauptsache ich habe mal eines."

Um die 7000 Briefe aus aller Welt seien bereits eingegangen, sagt Gerecke. Jeder Brief wird demzufolge persönlich von einem der 35 Helfer beantwortet. Beim Antworten arbeite der Nikolaus aber nicht digital: Er verzichte auf E-Mails. "Der Nikolaus ist noch sehr altmodisch", sagt Gerecke. Er freue sich selbst über jeden Brief. "Das hat ein anderes Flair, als wenn ein E-Mail-Fach aufblinkt."

Das Postamt öffnet am Mittwoch, dem 5. Dezember: Dann werden die Antworten verschickt. Um die 21.000 Briefe werden bis Heiligabend in St. Nikolaus erwartet. Im vergangenen Jahr hatte es einen Rekord gegeben: Der Nikolaus antwortete auf 22.583 Schreiben aus 44 Ländern.

Hunderte Kummerbriefe

Auch traurige Briefe erreichten den Nikolaus, sagt Gerecke. Manche Kinder schrieben, dass Familienmitglieder erkrankt oder gestorben seien oder berichten über Mobbing in der Schule. "Da wünschen sie sich, dass es aufhört."

Aber auch von Erwachsenen bekomme der Nikolaus sorgenvolle Post: etwa von Eltern in Geldnot, die ihren Kindern die Weihnachtswünsche nicht erfüllen könnten. Von diesen sogenannten Kummerbriefen kämen jedes Jahr etwa 250 Stück. Sie würden immer handschriftlich und nach guter Überlegung beantwortet.

Die meisten Kinder, die dem Nikolaus schreiben, kommen aus Deutschland. Die meiste Post aus dem Ausland stamme in diesem Jahr erneut aus Asien, vor allem aus Taiwan und China.

In dem 840-Einwohner-Ort St. Nikolaus werden seit mehr als 50 Jahren Wünsche, Bilder und Gedichte beantwortet. Nach Angaben der Deutschen Post ist es das älteste Nikolauspostamt in Deutschland . Der nahe der französischen Grenze gelegene Ortsteil der Gemeinde Großrosseln ist den Organisatoren zufolge in der Bundesrepublik der einzige Ort mit diesem Namen.

mxw/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.