Evangelische Kirche EKD-Chef Schneider tritt zurück

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland hat seinen Rücktritt angekündigt: Nikolaus Schneider wird sein Amt im November niederlegen. Hintergrund ist die Krebserkrankung seiner Frau.
EKD-Ratsvorsitzender: Rücktritt im November

EKD-Ratsvorsitzender: Rücktritt im November

Foto: Matthias Balk/ picture alliance / dpa

Hamburg - Nikolaus Schneider legt überraschend sein Amt nieder: Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wird am 10. November zurücktreten und auch aus dem Rat ausscheiden. Das bestätigte ein EKD-Sprecher SPIEGEL ONLINE. Grund für diese Entscheidung sei die Krebserkrankung von Schneiders Frau.

"Die Begleitung meiner an Krebs erkrankten Frau macht diesen Schritt unerlässlich", sagte Schneider laut einer Mitteilung der EKD. "Unserem gemeinsamen Weg will ich alle Zeit widmen. Dieser Wunsch ist mit meinen EKD-Ämtern nicht zu vereinbaren." Anne und Nikolaus Schneider sind seit 1970 verheiratet und haben drei Kinder. Ihre jüngste Tochter starb 2005 an Leukämie. Über ihren Kampf gegen den Krebs schrieb der Theologe zusammen mit seiner Frau ein Buch. Am Nachmittag will der 66-Jährige in Berlin eine Erklärung zu seinem Rücktritt abgeben.

Schneider ist seit 2010 oberster Repräsentant von 23,4 Millionen evangelischen Christen in Deutschland. Er hatte das Amt des Ratsvorsitzenden von Margot Käßmann übernommen. Seine Ratsperiode hätte turnusgemäß im November 2015 geendet. Von 2003 bis Anfang 2013 stand Schneider als Präses an der Spitze der Evangelischen Kirche im Rheinland. Seine erste Pfarrstelle trat er Mitte der Siebzigerjahre in seiner Heimatstadt Duisburg an. Dort engagierte er sich für den Erhalt von Arbeitsplätzen in der Kohle- und Stahlindustrie.

"Wir haben großen Respekt vor dieser Entscheidung"

Schneider gilt im Unterschied zu seiner Vorgängerin Käßmann nicht als Charismatiker, er wirkt vor allem im Hintergrund. In einem Interview mit SPIEGEL ONLINE sagte er, das Leben habe ihn gelehrt, dass er eine Menge erreichen könne, wenn er beharrlich und unaufdringlich vorgehe. "Ich merke immer wieder, dass ich über Gespräche mit Entscheidern die öffentliche Meinung beeinflussen kann."

Schneider äußerte sich politisch stets eher links orientiert. Mit der katholischen Kirche pflegte er einen guten Dialog. 2011 traf er Papst Benedikt XVI. in Erfurt. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, reagierte mit Bedauern auf die Rücktrittsankündigung. Schneider sei ein verlässlicher Brückenbauer in der Ökumene. "Es ist gut, das wir noch einige Monate haben, in denen wir weiter ökumenische Fragen erörtern können", sagte Marx.

Landesbischof Jochen Bohl, stellvertretender Ratsvorsitzender der EKD, kündigte an, dass Mitglieder des Rates ab sofort Termine von Nikolaus Schneider zu dessen Entlastung übernehmen werden. "Wir haben großen Respekt vor dieser Entscheidung. Anne und Nikolaus Schneider wünschen wir viel Kraft auf dem vor ihnen liegenden Weg", sagte Bohl. Zudem dankte er Schneider "für seine Bereitschaft, mit uns in den kommenden Monaten einen geordneten Wechsel im Amt des Ratsvorsitzenden vorzubereiten".

"Unsere Gedanken und Gebete begleiten Anne und Nikolaus Schneider in der kommenden Zeit", wird Irmgard Schwaetzer, Präses der EKD-Synode, in der Mitteilung zitiert. Sie kündigte an, dass Synode und Kirchenkonferenz im November über die Nachfolge im Ratsvorsitz entscheiden werden. Die Synode ist das Kirchenparlament der EKD und hat 126 Mitglieder aus den 20 evangelischen Landeskirchen Deutschlands. Sie tagt vom 9. bis 12. November 2014 in Dresden.

wit/wen/bim
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