Regierung in Nordirland Offizielle Entschuldigung für Missbrauch in Kinderheimen

Eine Untersuchung kam zu dem Schluss, dass Missbrauch in nordirischen Heimen verbreitet war. Nun, Jahre später, bitten Politiker die Betroffenen um Entschuldigung und gestehen ein: »Der Staat hat Sie im Stich gelassen«.
Opfer-Vertreterinnen nach der Bitte um Entschuldigung: »Sie wurden von denen verletzt, die sich um Sie hätten kümmern müssen«

Opfer-Vertreterinnen nach der Bitte um Entschuldigung: »Sie wurden von denen verletzt, die sich um Sie hätten kümmern müssen«

Foto: Charles McQuillan / Getty Images

Auf diese Reden mussten die Geschädigten lange warten: Regierungsvertreter haben öffentlich Opfer und Angehörige um Entschuldigung für jahrzehntelangen Missbrauch in Heimen und anderen Einrichtungen in Nordirland gebeten. Ein solches Eingeständnis war schon seit Jahren gefordert worden.

»Heute bitten wir um Entschuldigung«, sagte die Bildungsministerin Michelle McIlveen von der protestantisch-unionistischen Partei DUP der BBC  zufolge im Regionalparlament in Belfast. »Wir haben Sie vernachlässigt, Sie zurückgewiesen, wir haben Ihnen das Gefühl gegeben, unerwünscht zu sein«, so McIlveen. »Es war nicht Ihre Schuld. Der Staat hat Sie im Stich gelassen.« Der Staat sei in der Verantwortung gewesen, Menschen an diesen Orten vor Hunger, Kälte und Missbrauch zu schützen – dies sei jedoch nicht geschehen.

Michelle McIlveen (l.) bei Ihrer Rede: »Der Staat hat Sie im Stich gelassen«

Michelle McIlveen (l.) bei Ihrer Rede: »Der Staat hat Sie im Stich gelassen«

Foto:

Brian Lawless / dpa

Misshandlungen in Heimen

Ein Untersuchungsbericht war im Jahr 2017 zu dem Schluss gekommen, dass Kindesmissbrauch in nordirischen Heimen wohl noch verbreiteter als zuvor angenommen war – und auch teilweise vertuscht worden war. »Es gibt Beweise für sexuelle, körperliche und emotionale Misshandlung«, hatte der Präsident einer Untersuchungskommission, Anthony Hart, damals gesagt. Die Experten hatten Fälle aus den Jahren 1922 bis 1995 in Einrichtungen der Kirche, des Staates und von Wohlfahrtsverbänden untersucht.

Nach der Aufarbeitung der Geschehnisse hatte es bereits damals die Empfehlung einer öffentlichen Entschuldigung gegeben, die sich jedoch immer wieder verzögerte.

»Sie wurden von denen verletzt, die sich um Sie hätten kümmern müssen«

Auch Vertreter der weiteren Parlamentsparteien baten die Opfer nun um Entschuldigung. Finanzminister Conor Murphy von der Partei Sinn Féin sagte, die Entschuldigung habe zu lange auf sich warten lassen: »Sie wurden von denen verletzt, die sich um Sie hätten kümmern müssen. Es tut uns leid.« Überlebende und Angehörige waren vor Ort dabei, einige von ihnen hatten seit Jahrzehnten eine solche Erklärung gefordert.

Der Streit um Brexit-Regeln in Nordirland hat die Regionalregierung in Nordirland kürzlich kollabieren lassen. Derzeit sind zwar noch die Fachminister im Amt, aber keine Spitze der Regionalregierung. Für Anfang Mai sind in Nordirland Parlamentswahlen angesetzt.

ptz/dpa/Reuters
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