Angeblicher russischer Spion Rätsel um Beluga-Wal mit Kamera-Gurt

In Norwegen hat ein offenbar zahmer weißer Wal mit Kamera-Geschirr am Leib die Nähe von Fischern gesucht. Jetzt wird gerätselt: Wurde das Tier von Russland für Spionagezwecke genutzt?

Jorgen Ree Wiig/ Norwegian Directorate of Fisheries/ EPA-EFE/ REX

Wie die norwegische Zeitung "Verdens Gang" berichtet, waren drei Fischer am Donnerstag vor der Küste von Finnmark im Norden des Landes unterwegs, als sie einen weißen Wal bemerkten, der auf sie zuschwamm und anfing, sich an ihrem Boot zu reiben.

Das Tier sei zahm und offensichtlich an Menschen gewöhnt gewesen, berichteten die Seeleute. Bei näherem Hinsehen hätten sie entdeckt, dass das Tier einen Riemen trug, an dem man eine GoPro-Kamera befestigen könne. Nach mehreren Versuchen sei es ihnen gelungen, den Wal davon zu befreien.

Die Fischer filmten das Tier und brachten die Aufnahmen zu einem Meeresbiologen in Tromsø. Der hielt es für wahrscheinlich, dass der Wal aus Russland stammt, weil auf dem Geschirr der Schriftzug "Ausrüstung aus St. Petersburg" zu lesen gewesen sei.

Fotostrecke

4  Bilder
Norwegen: Fischer finden weißen Beluga - Spionageverdacht

Ein Professor der Arktischen Universität in Tromsø, Audun Rikardsen, nahm daraufhin Kontakt mit russischen Forschern auf, die erklärten, dass der Wal möglicherweise von der russischen Marine in Murmansk mit dem Gurt ausgestattet wurde. Sofort schossen Mutmaßungen ins Kraut, der Wal könne für Spionagezwecke genutzt worden sein.

Professor Rikardsen gab sich bedeckt. Vielleicht habe jemand versucht, den Wal zu dressieren, sagte er. "Dies ist ein zahmes Tier, das daran gewöhnt ist, Nahrung zu bekommen, deshalb hat es wahrscheinlich die Fischer aufgesucht." Die Frage sei nun, ob der Wal allein im Meer klarkomme.

Die russische Nachrichtenagentur "Interfax" zitierte den Leiter eines Instituts für Ökologiefragen und Evolution, der erklärte, das russische Militär arbeite tatsächlich mit Beluga-Walen. Demnach sollen weiße Wale während der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi eingesetzt worden sein.

"Interfax" zufolge gibt es im russischen St. Petersburg ein Institut, das mit dem Militär bei der Erforschung von Tieren "für Anwendungszwecke" zusammenarbeitet - sowohl im Schwarzen Meer als auch in Murmansk. Es gebe aber keine Bestätigung dafür, dass sie für die Aufklärung genutzt würden.

Vielleicht, so die Hypothese der Nachrichtenagentur, sei der Wal einfach nur ausgebüxt.

ala

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.