Trotz Protesten Norwegen verschärft Abtreibungsrecht

In Norwegen gibt es für Schwangere seit Jahrzehnten straffreie Wege für eine Abtreibung. Das mitte-rechts dominierte Parlament schränkt die Möglichkeiten nun ein.

In der Kritik: Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg
Laurent Gillieron/Keystone via AP

In der Kritik: Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg


In Deutschland wird seit Monaten über eine Lockerung des Abtreibungsrechts diskutiert. Das Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche wurde zuletzt abgeschwächt, Information soll erlaubt sein.

Norwegen debattiert derweil in eine andere Richtung: Das Parlament in dem skandinavischen Land hat am Donnerstag nach langer Diskussion erstmals seit mehr als 40 Jahren für eine Verschärfung des in dem Land 1976 eingeführten Abtreibungsrechts gestimmt.

Bei Mehrlingsschwangerschaften müsse künftig ein spezieller Ausschuss erst über den Wunsch der Frau beraten, einen der Föten abtreiben zu wollen, berichtet die Zeitung "Dagbladet". Ärzte sollen sich mit dem Antrag befassen und Stellung dazu beziehen.

Getrieben von der Christlichen Volkspartei?

Für diese Änderung des Abtreibungsrechts hätten 105 der 169 Abgeordneten gestimmt, meldete auch Norwegens öffentlich-rechtlicher Sender NRK. 64 Parlamentarier votierten demnach dagegen. NRK berichtete von einer "historischen Verschärfung". Vor dem Parlament, dem Storting, protestierten Feministinnen gegen das neue Gesetz.

Getragen wurde die Änderung vor allem von den Stimmen der Mitte-Rechts-Regierung. Ihr gehören neben der konservativen Høyre von Ministerpräsidentin Erna Solberg auch die rechtspopulistische Fortschrittspartei (FrP), die sozialliberale Venstre und die Christliche Volkspartei an.

Der Entscheidung ging eine hitzige Debatte voraus, in der Jonas Gahr Støre von den oppositionellen Sozialdemokraten laut NRK einen Vergleich zu den jüngsten Verschärfungen des Abtreibungsrechts im US-Bundesstaat Alabama zog. Regierungschefin Solberg gebe Frauenrechte auf.

Die Verschärfung geht auf eine Initiative der erst seit Kurzem an der Regierung beteiligten Christlichen Volkspartei zurück. Nicht durchsetzen konnte sich die Partei dagegen mit ihrer Forderung, die Möglichkeit der Abtreibung schwer kranker Föten einzuschränken.

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