Nach der Brandkatastrophe in Paris Hilfe aus aller Welt

Vom sächsischen Ministerpräsidenten bis zu einem König aus Afrika: Nach dem Feuer in Notre-Dame kommen aus zahlreichen Ländern Hilfsangebote für die Pariser Kathedrale. Viele werden mit historischer Verbundenheit begründet.

Auch Russland trauert: Blumen vor der französischen Botschaft in Moskau
Alexander Nemenov / AFP

Auch Russland trauert: Blumen vor der französischen Botschaft in Moskau


Nach dem verheerenden Großbrand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame haben Politiker weltweit Unterstützung zugesagt. So erklärte Russlands Präsident Wladimir Putin, die "Tragödie" von Notre-Dame treffe auch die Russen ins Herz. Er bot an, die "besten Spezialisten" des Landes als Wiederaufbauhelfer zu schicken.

Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif würdigte Notre-Dame als "symbolträchtiges Denkmal des Gebets zu unserem gemeinsamen Gott". Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief die Menschen in Deutschland und ganz Europa auf, "sich am Wiederaufbau von Notre Dame zu beteiligen".

Eine internationale Geberkonferenz soll nach dem Brand Geld für den angestrebten Wiederaufbau sammeln. Einen entsprechenden Vorschlag verkündete die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, über ihren Twitteraccount. Sie wolle die Spenderkonferenz im Rathaus von Paris veranstalten.

Schon kurz nachdem der Brand am Dienstagmorgen gelöscht war, beliefen sich die Spendenzusagen auf Hunderte Millionen Euro. Allein Frankreichs zwei größte Luxusgüterkonzerne, LVHM und Kering, wollen insgesamt 300 Millionen Euro spenden. Auch der Zusammenschluss der französischen Profifußballklubs versprach finanzielle Unterstützung.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) forderte für den Wiederaufbau europaweite Spenden. "Ich wünsche mir die gleiche Solidarität und Unterstützung, die wir für die Frauenkirche hier in Dresden bekommen haben, jetzt auch für Notre-Dame", sagte Kretschmer. Dies sei "ein Moment, wo man es nicht dem Staat überlassen sollte, sondern wo wir alle miteinander unseren Beitrag leisten können, mit einer Spende".

Die ebenfalls weltbekannte Dresdner Frauenkirche war im Zweiten Weltkrieg zerstört und nach dem Ende der DDR von einer Stiftung wieder aufgebaut worden, die aus der Initiative einer privaten Fördergesellschaft hervorging. Zahlreiche Fördervereine und Spender im In- und Ausland unterstützten das elfjährige Restaurierungsprojekt.

Der Berliner Senat bekundete ebenfalls sein Mitgefühl: "Paris ist seit 32 Jahren unsere Partnerstadt, und wir haben sehr intensive und fruchtbare Beziehungen", teilte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Dienstag gemeinsam mit Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) und Kultursenator Klaus Lederer (Linke) mit. Es sei zu wünschen, dass Frankreich die Kathedrale schnell wieder aufbauen könne. "Deshalb rufen wir alle Berlinerinnen und Berliner dazu auf, sich durch eine Spende daran zu beteiligen."

Ungarische Kleinstädte spenden 20.000 Euro

Die ungarischen Kleinstädte Szeged und Székesfehérvár spenden jeweils 10.000 Euro für den Wiederaufbau. Der sozialistische Bürgermeister von Szeged, Laszlo Botka, begründete die Spende seiner Kommune vor allem damit, dass Paris vor 140 Jahren nach dem verheerendsten Hochwasser in der Geschichte der südostungarischen Stadt beim Wiederaufbau geholfen habe.

Im zentralungarischen Székesfehérvár verwies Bürgermeister András Cser-Palkovics von der rechtsnationalen Partei Fidesz darauf, dass auch seine Stadt 1601 einen mittelalterlichen Dom verloren habe: Während der Kämpfe im Krieg mit dem Osmanischen Reich ging die Kathedrale, in der die meisten Könige Ungarns gekrönt worden waren, in Flammen auf.

Der Dachverband der jüdischen Gemeinden Ungarns kündigte ebenfalls eine Spendensammlung für Notre Dame an. Er rief den Jüdischen Weltkongress (WJC) auf, sich dem anzuschließen.

Auch der König von Sanwi im Südosten der Elfenbeinküste versprach Hilfe. "Wir werden für den Wiederaufbau dieses Monuments spenden", sagte Amon N'Douffou V. Er erinnerte daran, dass Notre-Dame eine "starke Verbindung" zwischen seinem Königreich und Frankreich darstelle. In der Kathedrale war um das Jahr 1700 ein Prinz der Sanwi auf den Namen Louis Aniaba getauft worden, später wurde er auch in den Orden des Sterns von Notre-Dame aufgenommen.

Queen zeigt sich "tief betrübt"

Aus zahlreichen Ländern trafen am Dienstag weitere Botschaften der Anteilnahme ein. Der Vatikan twitterte, Papst Franziskus bete "für Frankreichs Katholiken und für die Bevölkerung von Paris". Queen Elizabeth II. erklärte, sie sei "tief betrübt".

Der Wiederaufbau der Kathedrale wird nach Einschätzung von Experten viele Jahre dauern. Eric Fischer, Direktor der Stiftung zum Schutz des Straßburger Münsters, rechnet mit mehreren Jahrzehnten. In der Kathedrale von Straßburg läutete am Morgen die Heiliggeistglocke, die nur bei besonderen Anlässen erklingt. Auch mehrere deutsche Kirchen, darunter der Kölner und der Mainzer Dom, wollten am Mittag als Zeichen der Solidarität ihre Glocken läuten lassen.

Notre-Dame gehört zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Frankreichs. Berühmt wurde die Kathedrale auch durch den Roman "Der Glöckner von Notre-Dame" von Victor Hugo. Am 24. August 1944 hatte das Glockenläuten von Notre-Dame die Befreiung von Paris von der deutschen Besatzung verkündet.

dab/AFP/dpa

insgesamt 10 Beiträge
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remixbeb 16.04.2019
1. gut
Finde ich gut. Als global denkender Mensch finde ich, das geht nicht Frankreich etwas an. Vielmehr handelt es sich um ein Schatz der gesamten Menschheit. Insofern begrüße ich das sehr. Da ich mit Kirche als religiose Stätte nicht viel anfangen kann, habe ich damals nicht für die Besichtigung bezahlt. Für den Wiederaufbau wäre ich aber gerne bereit, eine kleine Spende zu entrichten, da die Architektur mich sehr beeindruckt hat.
leser_gestuetzt 16.04.2019
2. Wo kann ohne Kreditkarte gespendet werden?
Leider kann man auf der Spendenseite www.fondation-patrimoine.org wohl nur per Kreditkarte spenden. Ich wünschte mir eine offizielle Bankverbindung bzw. Spendenmöglichkeit per PayPal.
Watschn 16.04.2019
3. Bei allem Entsetzen....
Die Sache ist ja noch glimpflich abgelaufen. Das Kirchengewölbe hat fast gänzlich standgehalten. Ansonst wäre das gesamte Kirchenschiff verloren gewesen (und die Trümmer u. das Feuer wären bis auf die Kirchenbänke u. den Boden hinuntergegangen). Klar, die gemalten Fenster, Hölzer aus dem 13. Jhrdt. u. das Spitzdach samt den wenigen Einbrüchen durch das Gewölbe sind natürlich Verluste, wie auch die evtl. Löschwasserschäden beim Gewölbe. Aber das Meiste (Inneres, Fassade, Türme u. Relikte) konnten gerettet werden. Insofern ist es kein Totalausbrand. Somit ist es auch richtig, das zuerst die reichen Franzosen als Avantgarde spenden. (Insb. die Bewohner des Quartier Neuilly = das Grunewald o. der Prenzlauer Berg....Paris) Deneuve, Belmondo, Delon, Depardieu, Bardot, Matthieu, Binoche, Marceau & Co. Und warum nicht auch der weltbekannte Ex-Investmentbanker der feinen Banque Priveé Edmond de Rothschild:...Präs. Macron. Oder auch der vorherige Ex-Präsident, der ca. alle 4 Wochen für seinen simplen Herren-Halbglatzenschnitt ca. 8000 Euro vom steuerfinanzierten Staatsgehalt ausgab.
ichliebeeuchdochalle 16.04.2019
4.
Das ist doch prima. Wer freiwillig Geld geben möchte, kann das doch tun. Jeder wie er hat und wie er mag. 5 Euro von dem oder der einen sind so gut wie 5 Millionen Euro von dem oder der anderen. Die 5 Euro von der ausgepreßten Mieterin eines Immobilien-Giganten wie die 5 Millionen Euro vom Aufsichtsratchef dieses Giganten ... Fritze, Grüße von mir ... Es versteht sich, daß man das Geld zusätzlich abzweigt, also jetzt nicht das Spenden für Brunnen-Bohren in Afrika reduziert, um ein totes Gebäude instand zu bringen.
mundi 16.04.2019
5.
Zitat von remixbebFinde ich gut. Als global denkender Mensch finde ich, das geht nicht Frankreich etwas an. Vielmehr handelt es sich um ein Schatz der gesamten Menschheit. Insofern begrüße ich das sehr. Da ich mit Kirche als religiose Stätte nicht viel anfangen kann, habe ich damals nicht für die Besichtigung bezahlt. Für den Wiederaufbau wäre ich aber gerne bereit, eine kleine Spende zu entrichten, da die Architektur mich sehr beeindruckt hat.
Ich war in dieser Kirche, ohne Eintritt gezahlt zu haben. Vielleicht meinten Sie eine organisierte Besichtigung gegen Gebühr.
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