Paris Erhöhte Bleiwerte an Schulen und Krippen rund um Notre-Dame

Beim Brand von Notre-Dame schmolzen Hunderte Tonnen Blei, Verbände und Gewerkschaften fordern eine Schutzglocke rund um die Kathedrale. Mehr als 160 Kinder müssen sich regelmäßigen Checks unterziehen.

Zur Zeit herrscht Baustopp an der Notre-Dame - die Bleibelastung ist zu hoch
Michel Euler / AP / DPA

Zur Zeit herrscht Baustopp an der Notre-Dame - die Bleibelastung ist zu hoch


Seit dem verheerenden Brand der Kathedrale Notre-Dame vor fast vier Monaten wird in Paris über die entstandene Bleiverschmutzung diskutiert. Die Behörden schließen die Gefahr einer Bleivergiftung für die Anwohner zwar aus. "Alle Tests, die wir in einem Umkreis von 500 Metern um Note-Dame vorgenommen haben, sind negativ", sagte Vize-Bürgermeister Emmanuel Grégoire. Es bestehe also "keine Gefahr" - an einigen Schulen und Krippen würden jedoch Grenzwerte überschritten.

Bei dem Brand am 15. April waren das Dach und der Spitzturm der gotischen Kathedrale zerstört worden. Hunderte Tonnen hochgiftiges Blei, die dort verbaut worden waren, waren in der Hitze geschmolzen. Umweltschützer warnten schon damals, dass die freigesetzten Bleipartikel ein Risiko für die Gesundheit der Anwohner darstellten. Blei im Körper kann zu neurologischen Schäden und Nierenproblemen führen, insbesondere bei Kindern. Verbände und Gewerkschaften forderten Anfang der Woche eine Schutzglocke rund um die Kathedrale, die vor weiterer Verschmutzung schützen soll.

Bereits Mitte Juli hatte das französische Enthüllungsportal "Mediapart" berichtet, dass in Schulen und Krippen in der Umgebung von Notre-Dame gefährlich hohe Bleistaubkonzentrationen gemessen worden seien. Bei einer Grundschule wurde der Grenzwert demnach um das Zehnfache überschritten. Die Behörden hatten dem Bericht zufolge bis Mai damit gewartet, Proben in den zehn Schulen und Krippen im Umkreis von 500 Metern um die Kathedrale zu nehmen. Die Behörden wiesen die Vorwürfe zurück.

Zu hohe Bleiwerte auch außerhalb des 500-Meter-Radius

Am Montagabend veröffentlichten die Pariser Behörden nun die Ergebnisse neuer Messungen in den Schulen und Krippen rund um Notre-Dame. Im Durchschnitt wurden demnach weniger als 70 Mikrogramm Blei pro Quadratmeter gemessen. Wenn dieser Grenzwert überschritten wird, empfehlen die französischen Gesundheitsbehörden, die Bleikonzentration im Blut kontrollieren zu lassen. Nach dem Brand waren die Bleiwerte in der Pariser Innenstadt teilweise deutlich höher gewesen.

Wie die Pariser Behörden einräumten, wurden an einigen Schulen und Krippen außerhalb des 500-Meter-Umkreises vereinzelt auch zuletzt noch mehr als 1000 Mikrogramm Blei pro Quadratmeter gemessen, etwa auf Schulhöfen. Sie sollen nun bis zum Ende der Sommerferien "gründlich" gereinigt werden, sagte Vize-Bürgermeister Grégoire.

Die Gesundheitsbehörde der Region Ile-de-France, die quasi dem Großraum Paris entspricht, teilte zudem mit, dass die Zahl der Kinder, deren Blut regelmäßig auf Blei untersucht wird, im Juli auf mehr als 160 gestiegen sei - sie hat sich damit verdoppelt. Sechs der Kinder stehen demnach unter besonderer Überwachung, weil in ihrem Blut ein Bleigehalt von 25 bis 50 Mikrogramm pro Liter gemessen wurde.

Wiederaufbau wegen zu hoher Bleibelastung vorerst gestoppt

Bei einem Kind liegt die Bleibelastung den Angaben zufolge sogar über 50 Mikrogramm pro Liter. Es geht in eine Grundschule, die Ende Juli wegen hoher Bleiwerte auf dem Schulhof geschlossen worden war. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde ist aber noch nicht zweifelsfrei geklärt, ob das Blei im Blut des Kindes bei dem Brand freigesetzt wurde. Bei seiner Schwester, die in einen Kindergarten im selben Gebäude geht, wurden demnach weniger als 25 Mikrogramm pro Liter gemessen.

Im Video: So sieht es jetzt im Inneren von Notre Dame aus

KameraOne

Vor knapp zwei Wochen waren die Wiederaufbauarbeiten an der Kathedrale gestoppt worden, weil die Bleibelastung zu hoch war. Sie sollen erst ab der kommenden Woche schrittweise wieder aufgenommen werden, wenn es neue Schutzvorkehrungen für die Arbeiter gibt. Am Montag hatten Gewerkschaften und Verbände die Behörden aufgefordert, den Schutz noch zu verbessern. Die Idee, eine Schutzglocke um die Kirche zu errichten, wies Grégoire allerdings zurück. Eine solche Konstruktion sei "aus technischer und finanzieller Sicht" zu komplex.

kko/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.