Chefarchitekt über Brandschäden Notre-Dame könnte jederzeit einstürzen

In nur fünf Jahren will die französische Regierung Notre-Dame wieder aufbauen. Doch der Chefarchitekt für historische Bauwerke sagt: "Das Gewölbe könnte nächste Woche genauso gut einstürzen."

Durch den Brand schwer beschädigt: Kathedrale Notre-Dame
Stephane de Sakutin/ AFP

Durch den Brand schwer beschädigt: Kathedrale Notre-Dame


Der französische Senat will die bei einem Großbrand schwer beschädigte Kathedrale Notre-Dame in Paris zügig restaurieren. Experten zufolge ist die Rettung, für die Deutschland Eichenholz liefern könnte, jedoch keineswegs gesichert.

"Heute kann man nicht absolut garantieren, dass das Baudenkmal stehenbleibt", sagte der Chefarchitekt für historische Bauwerke in Frankreich, Philippe Villeneuve, der Zeitung "Le Figaro". Bisher habe man Glück gehabt, weil das Gebäude stabil sei. "Aber das Gewölbe könnte nächste Woche genauso gut einstürzen."

In der Kathedrale war Mitte April ein Feuer ausgebrochen - das Dach wurde fast vollständig zerstört, der Vierungsturm stürzte ein. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron versprach, Notre-Dame innerhalb der kommenden fünf Jahre wiederaufzubauen. Villeneuve hält das durchaus für möglich.

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Allerdings, so der Architekt, habe man bereits vor dem Brand an der Restaurierung der Kathedrale gearbeitet, denn an vielen Stellen bröckelte die Bausubstanz. Eine komplette Restaurierung des Touristenmagnets werde daher viel länger dauern. Eine Gerüstbaufirma hatte eingeräumt, Arbeiter hätten auf dem Dach das Rauchverbot missachtet. Die Brandursache ist jedoch nicht abschließend geklärt.

Derzeit würden rund 150 Menschen an der Restauration des weltberühmten Pariser Wahrzeichens arbeiten, sagte Villeneuve "Le Figaro". An Spekulationen darüber, was das Feuer ausgelöst haben könnte, wollte sich der Experte nicht beteiligen. "Es hätte viel schlimmer kommen können und in gewisser Weise sind die Schäden begrenzt worden", sagte Villeneuve der Zeitung. In den vergangenen Wochen habe man bereits viel geschafft.

Nachdem das Holzdach der Kathedrale fast vollständig zerstört worden war, hatte es für die restlichen Teile des Gebäudes zunächst Entwarnung gegeben: Alle sensiblen Bereiche seien gesichert und stabilisiert worden, hieß es Ende April. Bis zum Beginn des Wiederaufbaus soll eine große Plane die Kirche vor der Witterung schützen.

Video: So sieht es im Inneren von Notre-Dame aus

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Seit unlängst bei einem auf der Île de la Cité lebenden Kind erhöhte Bleiwerte im Blut gemessen wurden, sind Anwohner des berühmten Bauwerks besorgt. Die regionale Gesundheitsbehörde ARS forderte schwangere Frauen und Familien mit Kindern auf, sich vorsorglich untersuchen zu lassen. Dem "Figaro" zufolge sollen 300 bis 400 Tonnen Blei in Dach und Turm des Sakralbaus schlummern.

apr/ala/dpa

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Seite 1
PolitBarometer 04.06.2019
1.
Bei den jetzt festgestellten Unsicherheiten und Unwägbarkeiten sollte im Sinne des Bevölkerungsschutzes ein Abriss in Betracht gezogen werden. Auch wenn das weh tut, könnte man die neue Kathedrale dann auch gleich etwas kleiner planen. Und das ist immer noch besser, als dem Publikum ein unsicheres Bauobjekt zugänglich zu machen, wo es dann womöglich noch Tote geben könnte. So etwas wäre unverantwortlich. Mal sehen, wie Macron sich am Ende entscheidet.
MatthiasPetersbach 04.06.2019
2.
Zitat von PolitBarometerBei den jetzt festgestellten Unsicherheiten und Unwägbarkeiten sollte im Sinne des Bevölkerungsschutzes ein Abriss in Betracht gezogen werden. Auch wenn das weh tut, könnte man die neue Kathedrale dann auch gleich etwas kleiner planen. Und das ist immer noch besser, als dem Publikum ein unsicheres Bauobjekt zugänglich zu machen, wo es dann womöglich noch Tote geben könnte. So etwas wäre unverantwortlich. Mal sehen, wie Macron sich am Ende entscheidet.
Wo lesen Sie raus, daß da irgendwelches Publikum ein unsicheres Bauobjekt betreten werden? Sind die in F völlig banane oder was? Die werden das schon recht machen. Untersuchung, Maßnahmenfindung, Durchführung. Und Macron wird das entscheiden, was ihm seine Auskenner raten. Nicht mehr oder nihct weniger. Maximal kann da ein wenig an der Geld- und Leuteschraube drehen. PS: im übrigen fehlen in Paris dringend Parkplätze....
Papazaca 04.06.2019
3. Sind SPON-Leser völlig Banane? Ganz ohne Substanzen?
Lieber Politbarometer, hat bei Ihnen der Blitz eingeschlagen? Wie wäre es, wenn Sie den Deutschen vorschlagen, würden, das Brandenburger Tor wegen eines Brandes der Nebengebäude abzureißen und kleiner wieder aufzubauen? Nach diesem Vorschlag könnten sie gleich auswandern, manche würden Ihnen das echt übel nehmen. Auf der anderen Seite bewundere ich Beklopptheit in ihrer wahnwitzigsten Ausprägung. Wie schaffen Sie das, so was zu schreiben. Welche Substanzen? Meine Buttermilch führt mich nie zu solchen preiswürdigen Ausrastern .... Ja, ich bin neidisch!!!
wdiwdi 04.06.2019
4. Das ist das erste Mal...
dass ich in der Presse für Normalbürger über das Bleiproblem lese. Gut gemacht! CE&N (die Mitgliederzeitschrift der Amerikanischen Chemischen Gesellschaft) schrieb dagegen schon im April: "Trapped close to the blaze, which burned at over 800 °C, some of the lead would have begun to vaporize and oxidize, feeding more heat into the reaction and accelerating the vaporization and oxidation, Anderson says. He is concerned that the focus on cathedral restoration is clouding people's attention. "At exactly the same time as a cathedral burnt in Paris, there was a chemical disaster in the center," he says.. Contaminated areas around the cathedral such as the cathedral gardens are closed. Police suggest local residents use wet wipes to remove dust from surfaces and furniture and that anyone concerned should consult their doctor. The police did not suggest how to dispose of used wipes". Mit anderen Worten, die nähere Umgebung der Kathedrale ist flächendeckend schwer verseucht, vergleichbar wie nach einem wirklich schwerwiegenden Chemieunfall. Nur die allgemeine öffentliche Empörung bezüglich mangelhafter Sicherheitsvorkehrungen und fehlendem proaktivem Austausch des Bleis fehlt irgendwie...
bartsuisse 04.06.2019
5. politbarometer - Experten
natürlich können nur Deutsche die Situation einschätzen und das Problem lösen. Franzosen sind Idioten nicht wahr? Es ist doch ein einzigartiger Segen, dass es Deutsche gibt die immer zu Stelle sind mit ihrer allumfassenden Expertise. Die Welt sollte dankbar sein damit alle Fussgängerzonen aussehen wie im perfekten Deutschland. Eiine kleine Replika der Notre Dame ist doch DIE perfekte Lösung...
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