Partei offenbart rassistisches Weltbild AfD hetzt gegen Benigna Munsi wegen Wahl zum Nürnberger Christkind

Die AfD kommentierte die Wahl von Benigna Munsi zum Nürnberger Christkind mit einem dummdreisten Facebook-Post. Nutzer verteidigten die 17-Jährige - die Partei reagierte kleinlaut.

Nürnberger Christkind Benigna Munsi
Daniel Karmann/ DPA

Nürnberger Christkind Benigna Munsi


Benigna Munsi freute sich über ihre Wahl zum traditionsreichen Nürnberger Christkind, das ist ihr anzusehen. Auf Fotos, die kurz nach der Bekanntgabe des Wahlentscheids gemacht wurden, springt die 17-Jährige lachend in die Luft. Die Schülerin des Nürnberger Labenwolf-Gymnasiums hatte eine 15-köpfige Jury von sich überzeugt, zwei Jahre lang darf sie nun die Stadt Nürnberg repräsentieren und unter anderem den Nürnberger Weihnachtsmarkt eröffnen.

"Es ist unbeschreiblich. Ich bin megaglücklich. Alle Kandidatinnen waren gut. Es hätte jede werden können." Die gebürtige Nürnbergerin spricht laut ihrer Mutter neben Deutsch und Englisch auch Portugiesisch und Spanisch. Ihr Vater ist indischer Herkunft und besitzt seit vielen Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft, die Mutter ist Deutsche.

Doch nur kurze Zeit später dürfte es mit der Freude vorerst vorbei gewesen sein. Am Donnerstag schlugen der Schülerin rassistische Ressentiments entgegen - in Form eines Facebook-Posts der AfD.

Ursprünglich hatte der AfD-Kreisverband München-Land auf seiner Facebook-Seite geschrieben, dass das "Christkind auf den Bildern eigentlich immer nur goldenes Haar besitzt", den Post aber noch einmal verändert.

"Nürnberg hat ein neues Christkind. Eines Tages wird es uns wie den Indianern gehen", hieß es dann. Dazu veröffentlichte die Partei ein Bild von Munsi. Die AfD spielt damit offenbar auf die Verdrängung der indigenen Bevölkerung Amerikas durch weiße Siedler aus Europa an.

Nutzer reagierten prompt - und verteidigten Munsi. "Man kann den Nürnbergern zu so einem Christkind nur gratulieren", schrieb etwa Nutzerin Nicole Hamann. "So ein schönes offenes Lächeln! Deswegen habe ich sie u. A. auch gewählt", schrieb eine andere. Auf Twitter bemerkte ein Nutzer: "Dank der #NoAfD hat das Nürnberger Christkind wahrscheinlich heuer so viele Fans wie noch nie."

In wenigen Stunden sammelten sich unter dem Facebook-Post 1600 Kommentare - der Großteil davon positiv. Einige Nutzer sprachen deshalb auch von einem "Lovestorm", im Gegensatz zu einem Shitstorm.

Inzwischen hat die AfD den Post kommentarlos gelöscht. Die AfD-Kreisvorsitzende München-Land, Christina Specht, sagte, der Beitrag entspreche nicht den Werten der AfD und sei von einem Redakteur des Kreisverbands eigenmächtig gepostet worden. Dieser sei inzwischen zurückgetreten.

"Solche Inhalte teile ich definitiv nicht. Ich möchte mich im Namen des Kreisverbands bei Frau Munsi entschuldigen. Wir finden, dass sie ein sehr gutes Christkind für Nürnberg sein wird", so Specht.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, Munsis Vater sei Inder. Unter Berufung auf die Nachrichtenagentur dpa haben wir korrigiert, dass er deutscher Staatsbürger indischer Herkunft ist.

lmd/dpa



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