Nürnberg Die leidende Gans aus der Söderbucht

Jäger haben in einer Nürnberger Badebucht acht Gänse geschossen. Das Video eines offenbar leidenden Tieres erregt Zorn im Netz. Der Bürgermeister bekommt Morddrohungen, die Staatsanwaltschaft ermittelt.
Verletzte Gans in Nürnberg

Verletzte Gans in Nürnberg

Foto: Tierheim Nürnberg

Die Frau schluchzt in dem Video. "Ich habe keine Ahnung, was ich mit der Gans machen soll", hört man sie sagen, "die verblutet jämmerlich". Die wacklige Aufnahme zeigt den Wöhrder See im Zentrum von Nürnberg. Im Wasser treibt eine Gans, offenbar tot. Eine Stunde, erzählten Augenzeugen den "Nürnberger Nachrichten ", rang das Tier mit dem Tod.

Acht Gänse hat die Stadt Nürnberg erschießen lassen. Es ist das letzte Mittel im Kampf gegen Kanada- und Graugänse, die den Wöhrder See seit Jahren belagern. Das Areal ist ein Prestigeprojekt von Markus Söder (CSU), heute Ministerpräsident Bayerns. Söderbucht wird sie auch genannt. Allerdings eher von Journalisten.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Facebook, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Schon als Umweltminister im Jahr 2011 widmete er sich dem See, ließ Strände anlegen und einen Boulevardsteg; 2016 eröffnete er die Bucht als bayerischer Finanzminister. Das Areal soll eigentlich der Erholung dienen. Doch dann kamen die Gänse und mit ihnen die Exkremente und am Ende die Jäger.

Am frühen Samstagmorgen rückten vier Männer mit ihren Flinten an. Gegen viertel nach sechs fielen die ersten Schüsse, eine halbe Stunde später waren fünf Graugänse und drei Kanadagänse tot, wie die Stadt mitteilte . In der Pressemitteilung betont man, dass Gänsekot bei Kontakt Infektionen auslösen könne und das Wasser verschmutze.

Markus Söder (CSU), bayerischer Ministerpräsident

Markus Söder (CSU), bayerischer Ministerpräsident

Foto: LUKAS BARTH-TUTTAS/ EPA-EFE /REX/ Shutterstock

Der Abschuss gehöre zu einem "Maßnahmenbündel", erarbeitet von der "Gänse Taskforce". Die Stadt hat schon vieles ausprobiert: Fütterungsverbote, Ablenkungsflächen, Sichtbarrieren. Es half alles nichts. Die Stadt entschied, den Abschuss zu genehmigen.

Bürgermeister Christian Vogel ist für den Strandabschnitt zuständig, an dem die Gänse geschossen wurden. Seine Facebook-Seite sieht derzeit nicht gut aus. Kritiker fluten die Kommentarspalten: "Massaker am Wöhrder See" heißt es da, inklusive Link zur Seite von Peta. "Eine GANZE STUNDE dauerte ihr Todeskampf, weil sie angeschossen wurde!", schreibt die Tierschutzorganisation zu Bildern der toten Gans.

"Möglicherweise ein Querschläger"

Die Gans aus dem Video sei für den Jäger nicht zu erkennen gewesen, sagt Vogel. Möglicherweise sei das Tier von einem Querschläger getroffen worden. Er bat auch im Namen des Jägers um Entschuldigung, falls die Gans leiden musste.

Etliche Mails, Anrufe und Briefe habe er bekommen. "Manche der Absender trachten mir nach dem Leben", sagt Vogel. Er habe keine Lebensberechtigung, habe ein Unbekannter geschrieben; man werde ihm in den Kopf schießen, habe es in einer anderen Mail geheißen.

Nürnberger Bürgermeister Christian Vogel

Nürnberger Bürgermeister Christian Vogel

Foto: Stadt Nürnberg

Vor seiner Haustür habe jemand einen Backstein hinterlassen. Darauf ein Zettel: "Heute liegt er vor der Haustür, morgen liegt er im Haus", erzählt Vogel. Er hat bereits Anzeige erstattet.

Das tut auch die Gegenseite: Mehrere Tierschutzorganisationen und eine Nürnberger Rechtsanwältin haben laut "Nürnberger Nachrichten" rechtliche Schritte angekündigt, laut einem Sprecher des Bürgermeisters ist bereits eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz eingegangen.

Vogel sagt, dass man vorerst keine Gänse mehr schießen werde - das sei auch schon vor der Kontroverse geplant gewesen. Wie es weitergehe, werde die "Gänse Taskforce" im September besprechen.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.