"Ein Christ kann ertrinken lassen" Nürnberger Pfarrer sorgt mit Beitrag zur Seenotrettung für Empörung

Verpflichtet die christliche Ethik zur Seenotrettung von Migranten? Der Pfarrer einer Nürnberger Gemeinde stellte dies infrage. Kritik kommt unter anderem vom Landesbischof.
Flüchtlinge und Seenotretter einer spanischen Hilfsorganisation im Mittelmeer (Archivbild)

Flüchtlinge und Seenotretter einer spanischen Hilfsorganisation im Mittelmeer (Archivbild)

Foto: Javier Fergo/ dpa

Nach einem Beitrag im kirchlichen "Korrespondenzblatt " erhält ein bayerischer Geistlicher heftigen Widerspruch von Kollegen und Kolleginnen. In dem Kommentar argumentiert Pfarrer Matthias Dreher von der evangelischen Melanchthonkirche Nürnberg, dass Flüchtlinge bewusst ihr Leben riskierten, um sich den Wunsch nach einem besseren Leben zu erfüllen. Zuvor hatten die "Nürnberger Nachrichten " über den Text in der Publikation des bayerischen Pfarrer- und Pfarrerinnenvereins berichtet.

Eine Rettung sei nach christlich-ethischen Maßstäben und "in Erinnerung an den barmherzigen Samariter" nur dann geboten, wenn die Schiffbrüchigen "alsbald untergehen und ertrinken" müssten, schreibt Dreher als Reaktion auf einen vorherigen Artikel, in dem die Seenotrettung von Migranten befürwortet worden war. "Im Zuge der Zwei-Reiche-Lehre, die operative Strukturpolitik dem Staat überlässt, kann ein Christenmensch, soweit er nicht wie der Samariter einen Sterbenden vor sich sieht, Verantwortung vernachlässigende Migranten ertrinken lassen."

Dekane reagieren mit Statement

Die Kirchenleitung wolle Dreher nun zu einem Gespräch treffen, teilte ein Sprecher der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern mit. Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm widersprach den Aussagen Drehers derweil öffentlich.

"Sein Argument fußt auf der Behauptung, die Seenotretter seien der Grund dafür, dass Menschen die Überfahrt über das Mittelmeer riskierten. Diese Behauptung ist widerlegt", sagte Bedford-Strohm. Menschen im Mittelmeer ertrinken zu lassen, sei unverantwortlich.

"Unter gar keinen Umständen darf man Menschen ertrinken lassen. Aus christlicher Sicht ist diese Forderung bedingungslos", teilten laut dem Portal Evangelisch.de  indes die evangelischen Dekaninnen und Dekane in Nürnberg in einem gemeinsamen Statement mit.

Ein Schiff wie die von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mitfinanzierte "Sea-Watch 4"  sei demnach "keine politische Lösung". Es sei jedoch "ein Beitrag zu einer menschlichen Lösung aus einer diakonischen Haltung der Liebe heraus".

Der Redaktionsleiter des Korrespondenzblattes, Ruhestandspfarrer Martin Ost, sagte dem Portal zufolge, er wisse, dass die Mehrheit der Pfarrer Drehers Meinung ablehne. Er habe jedoch seit Langem "das dumpfe Gefühl", dass es unter den Kollegen welche gebe, die dem bürgerlichen Teil der AfD nahestünden. In der kommenden Ausgabe des "Korrespondenzblatts" sollen Drehers Aussagen demnach diskutiert werden.

fek/dpa