Obdachlos in Deutschland Ein Tag auf der Straße

Immer mehr Menschen sind in Deutschland obdachlos. Welche Schicksale verbergen sich hinter den Zahlen? SPIEGEL-ONLINE-Reporter haben einen Tag lang Menschen auf der Straße begleitet.

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Aufwachen auf der Platte: "Ohne Zusammenhalt verreckst du"

Jackies Schlafstätte: der Eingang eines Kaufhauses in der Hamburger Innenstadt. Seine Nächte verbringt der Obdachlose auch im Winter draußen. Wie hart das Leben auf der Platte ist und wie viel die Gemeinschaft zählt, erzählt er im Video.

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Obdachlose Familien: "Wir möchten eine einfache Wohnung, ein normales Leben"

Sie schlafen in Parks, Abbruchhäusern oder Autos: In Deutschland leben Tausende Familien mit Kindern ohne Wohnung. In Berlin bietet die Unterkunft Nostel Hilfe. Ein Besuch.

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Arztmobil für Obdachlose: "Ich habe seit 16 Jahren Schmerzen"

Julian Musial traut sich nicht ins Wartezimmer dabei bräuchte der Obdachlose die Hilfe besonders dringend. Mitarbeiter der Caritas behandeln den Polen deswegen kostenlos auf der Straße. Unterwegs mit dem Arztmobil in Berlin-Kreuzberg.

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Hilfe für Obdachlose im Winter: Ein warmes Bett für Rolf

Nachdem seine Frau starb, verlor Rolf seine Wohnung. Für den 67-Jährigen ist es der zweite Winter auf der Straße. Ein aus Spenden finanzierter Wohncontainer könnte das nun ändern.

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Wohnung für drogenabhängige Obdachlose: "Jeden Tag ein Kampf um Leben und Tod"

Wenn es dunkel wird, öffnet die "Krisenwohnung" für schwerstabhängige Obdachlose. Drogen sind dort strikt verboten. Um die Nacht zu überstehen, hat sich Christopher den letzten Schuss vor der Tür gesetzt.

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Obdachlosigkeit in Deutschland: "Wir haben ein Riesenproblem"

Hunderttausende Menschen haben in Deutschland keine Wohnung, viele leben auf der Straße - Tendenz steigend. Woran liegt das?

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Japhyryder, 22.12.2017
1.
Mitte der 60er Jahre hatte ich um Heiligabend Im Radio von dem NDR Reporter Herman Rockmann eine Reportage über Obdachlose in Hamburg gehört. Hermann Rockmann berichtete live aus der Innenstadt. Diese Reportage hatte mich bis ins Mark erschüttert. Der Kontrast zwischen dem, was die Obdachlosen mitteilten und meiner Situation vor dem Radio in einem wohltemeperierten Haus und intakter Familie, mit Blick in einen romantisch verschneiten Garten hätte nicht größer sein können. Ich war damals etwa 10 Jahre alt. Diese Reportage hat mich zum heulen gebracht. Sie hat mein ganzes weiteres Verhältnis zu Obdachlosen geprägt. Ich gebe immer etwas. Ein weiteres Erlebnis ist mir unvergesslich. Viele Jahre später war ich im Winter in Hamburgs Innenstadt auf einer Kneipentour, um mir am Großneumarkt Musikreinzuziehen. Da fragte mich ein alter Obdachloser, der beobachtet hatte, dass ich mir eine Zigarette drehte, ober er sich auch eine drehen dürfe. Ich schenkte ihm das ganze Päckchen. Und plötzlich fing der an zu weinen als ich ihm den Tabak in die Hand drückte. Ich habe in Paris jahrelang einen Obdachlosen besucht, der dort mit Zeitungen und hunderten Büchern unter einer Brücke lebte. Ein Mann über siebzig. Er sprach mindestens fünf Sprachen. Ein Intellektueller. Unglaublich freundlich. Was ich sagen will, es kann jeden erwischen, auf der Strasse zu landen. Es sind ganz unterschiedliche Schicksale. Nicht unbedingt der Alkohol, Drogen, gescheiterzte Ehen. Manchmal ist es eine Fehlentscheidung, eine Ungerechtigkeit, eine unglückliche Lebensgeschichte, die alles über den Haufren wirft. Es kann jeden erwischen. Ich bin mir völlig klar, dass Obdachlosigkeit auch mich treffen kann.
kratzdistel 22.12.2017
2. ein teufelskreis verschiedener ursachen
In der krimInologie waren sie früher als gemeinlästige bezeichnet worden. bis zur großen reform des strafrechtes um 1970 war die obdachlosigkeit, Landstreicherei, Verwahrlosung, bettelei als Übertretung nach § 361 ff. StGB strafbar. auch die Unterbringung in einem Arbeitshaus war möglich.nur die mittel des strafrechtes waren nicht geeignet, den menschen zu helfen. so wie hier unten im spiegel geschilderten fall, sind oft abnorme erlebnisreaktion nach Trennungen, Kündigungen der Arbeitsstelle, schulversager usw. Ursache für den sozialen abstieg.deshalb ist es gut, wenn es heute betreuungsstgellen für diese menschen gibt. denn alleine schaffen sie es meist nicht. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/obdachlosigkeit-der-mann-aus-dem-wald-a-938735.html
vitalik 22.12.2017
3.
Zitat von JaphyryderMitte der 60er Jahre hatte ich um Heiligabend Im Radio von dem NDR Reporter Herman Rockmann eine Reportage über Obdachlose in Hamburg gehört. Hermann Rockmann berichtete live aus der Innenstadt. Diese Reportage hatte mich bis ins Mark erschüttert. Der Kontrast zwischen dem, was die Obdachlosen mitteilten und meiner Situation vor dem Radio in einem wohltemeperierten Haus und intakter Familie, mit Blick in einen romantisch verschneiten Garten hätte nicht größer sein können. Ich war damals etwa 10 Jahre alt. Diese Reportage hat mich zum heulen gebracht. Sie hat mein ganzes weiteres Verhältnis zu Obdachlosen geprägt. Ich gebe immer etwas. Ein weiteres Erlebnis ist mir unvergesslich. Viele Jahre später war ich im Winter in Hamburgs Innenstadt auf einer Kneipentour, um mir am Großneumarkt Musikreinzuziehen. Da fragte mich ein alter Obdachloser, der beobachtet hatte, dass ich mir eine Zigarette drehte, ober er sich auch eine drehen dürfe. Ich schenkte ihm das ganze Päckchen. Und plötzlich fing der an zu weinen als ich ihm den Tabak in die Hand drückte. Ich habe in Paris jahrelang einen Obdachlosen besucht, der dort mit Zeitungen und hunderten Büchern unter einer Brücke lebte. Ein Mann über siebzig. Er sprach mindestens fünf Sprachen. Ein Intellektueller. Unglaublich freundlich. Was ich sagen will, es kann jeden erwischen, auf der Strasse zu landen. Es sind ganz unterschiedliche Schicksale. Nicht unbedingt der Alkohol, Drogen, gescheiterzte Ehen. Manchmal ist es eine Fehlentscheidung, eine Ungerechtigkeit, eine unglückliche Lebensgeschichte, die alles über den Haufren wirft. Es kann jeden erwischen. Ich bin mir völlig klar, dass Obdachlosigkeit auch mich treffen kann.
Na, ob das so einfach ist? Ich habe bisher zwei Menschen kennen gelernt, die auf der Strasse lebten oder gelebt haben. Die Gründe ware sehr unterschiedlich. Eine hatte einen schweren Schicksalsschlag in jungen Jahren und hat es nicht geschafft da rauszukommen. Bei dem anderen Bekannten konnte ich den Grund nicht nachvollziehen, da es eben keine Besonderheiten gab und die restlichen Familienmitglieder (unter anderem ein Bruder und Schwester, die ich auch kenne) ein "normales" Leben führten und sich auch nicht erklären konnten, warum der Brunder auf der Strasse lebt. Was ich damit sagen will ist, dass die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenbruchs bis zur Obdachlosigkeit doch sehr gering ist. Es gibt sehr viele Menschen, die auch sehr viel in ihrem Leben erlebt haben, aber eben nicht soweit gingen Obdachlos zu werden.
haarer.15 22.12.2017
4. Immer mehr Menschen ...
... in Deutschland sind obdachlos. Wer die Augen öffnet, sieht das auch - mit zunehmender Tendenz. Dabei kann es jeden treffen. Wir haben aber keine Lebensverhältnisse wie in Rumänien, Bulgarien oder Moldawien. D ist ein wirtschaftlich florierendes Land. Deswegen finde ich es immer beschämender, welche Kluft sich hier immer noch mehr auftut. Unsere Politnasen machen ständig nur eigene Nabelschau und sehen nicht, wie die Lunte brennt. Einfach nur beschämend !
MiniDragon 23.12.2017
5. Es geht auch anders
Noch vor zwei Jahren lebten 800 registrierte Obdachlose in Lissabon. Ihre Zahl hat sich halbiert. Diesen Erfolg hat die Stadt Lissabon mit einem umfassendes Programm erreicht, das bisher übliche Grundsätze auf den Kopf stellt. http://www.deutschlandfunk.de/obdachlose-in-lissabon-zuerst-in-die-wohnung-dann-in-die.795.de.html?dram:article_id=406699
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