Missbrauchsvorwürfe Ministerium prüft Genehmigung für Odenwaldschule

Droht der Odenwaldschule das Aus? Das hessische Sozialministerium hat angekündigt, die Genehmigung für das Internat zu überprüfen. Mit den Missbrauchsvorwürfen sei dort nicht vertrauenswürdig und transparent genug umgegangen worden.

Odenwaldschule bei Heppenheim: Neue Vorwürfe gegen Kinderarzt
DPA

Odenwaldschule bei Heppenheim: Neue Vorwürfe gegen Kinderarzt


Darmstadt/Heppenheim - Der Odenwaldschule drohen nach einer Reihe von Missbrauchs- und Kinderporno-Vorwürfen ernste Konsequenzen. Das hessische Sozialministerium will die Betriebsgenehmigung für das private Reform-Internat bei Heppenheim unter die Lupe nehmen. "Wir prüfen weitere Schritte, da die Schule bisher nicht vertrauenswürdig und transparent agiert hat", hieß es in einer Mitteilung. Die Vorkommnisse machten es erforderlich zu prüfen, ob das Internat "die gesetzlichen Bedingungen für den Bestand der Betriebserlaubnis erfüllt".

Zuvor war wieder ein neuer Fall bekannt geworden: Ein Kinderarzt soll sich Schülern der Odenwaldschule bei Untersuchungen unangemessen genähert haben. "Wir prüfen, ob es ausreichend Anhaltspunkte dafür gibt, ein Ermittlungsverfahren zu eröffnen", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Darmstadt. Der Landkreis Bergstraße stellte dem Internat ein Ultimatum. Die Aufsichtsbehörde will bis Freitag Details zum Fall des Kinderarzts.

Die Schule hatte die Vorwürfe am Wochenende als falsch zurückgewiesen. Offenbar waren sie der Schule schon seit zwei Jahren bekannt - was wiederum Grund für das Sozialministerium war, nun die Genehmigungsprüfung in Betracht zu ziehen. Die Schule hat damit schon zum wiederholten Mal gegen die Meldepflicht verstoßen.

Härtere Auflagen für die Schule

Schon im April hatte der Landkreis Bergstraße Aufklärung zu den Kinderporno-Ermittlungen gegen den Lehrer verlangt. Die Antwort der Schule wurde als ungenügend betrachtet. Ergebnis eines Krisengesprächs waren härtere Auflagen für die Schulleitung.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt derweil weiter gegen einen inzwischen entlassenen Lehrer. Er hat gestanden, Kinderpornos aus dem Internet heruntergeladen zu haben. Den Vorwurf des Verdachts der sexuellen Übergriffe auf Schüler gegen den Lehrer hatte die Anklagebehörde hingegen wieder zurückgenommen. Dafür hatte es nach Ansicht der Staatsanwaltschaft keine Anhaltspunkte gegeben.

An der Odenwaldschule wurden viele Jahre lang Schüler von Lehrern missbraucht. Die Fälle wurden erst viel später bekannt. Ein Bericht kam zu dem Ergebnis, dass mindestens 132 Schüler Opfer der Übergriffe wurden. In dem Internat leben Schüler und Lehrer in einer Art Familienverband. Opfervertreter hatten schon vor Wochen gefordert, die Einrichtung endgültig zu schließen.

vks/dpa

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