Rechte Empörung in Österreich Parsa Djawadiraad ist "Mr Kärnten" - und die FPÖ tobt

In Österreich hat ein 20-Jähriger, der als Kind aus Iran geflohen ist, einen Schönheitswettbewerb gewonnen. Die Jugendorganisation der rechten FPÖ ist empört. Und wie reagiert jetzt "Mr Kärnten"?
Parsa Djawadiraad

Parsa Djawadiraad

Foto: Modelmanagement Nextmodel/ nextmodel.at

Parsa Djawadiraad ist "Mr Kärnten". Am Wochenende hat er am Wörthersee den Wettbewerb gewonnen. Der 20-jährige Österreicher ist gelernter Stahlbautechniker und arbeitet in einer Firma, die Getränke vertreibt. Er wohnt "in der schönen Stadt Wolfsberg im wunderschönen Lavanttal", wie er sagt.

Das Bundesland Kärnten hat schöne Berge und Seen, aber es ist auch das Bundesland, in dem die rechtspopulistische FPÖ stark ist. Jörg Haider hatte hier seine politische Heimat. Da Djawadiraad ursprünglich aus Iran kommt, regt sich nun die FPÖ-Jugend auf. "Ich frage mich, inwiefern er mit seinem Aussehen und seiner iranischen Herkunft unser Heimatland Kärnten beziehungsweise Österreich repräsentiert", schreibt eine Vorstandsfrau der Freiheitlichen Jugend Kärnten in einer Pressemitteilung.

Die Wahl Djawadiraads sorgt nun für Diskussionen in Österreich - und vor allem für Häme gegen die rechten Jugendlichen. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE erzählt Djawadiraad, wie ihn die Kritik trifft.

SPIEGEL ONLINE: Herr Djawadiraad, wie sieht ein richtiger Kärntner aus?

Djawadiraad: Er ist groß, hat nicht unbedingt ein Sixpack, aber dafür wahrscheinlich blaue Augen. Er ist blond oder hat vielleicht braune Haare. So stellen sich jedenfalls viele einen Kärntner vor.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind also nicht der typische Kärntner?

Djawadiraad: (lacht) Nein, das nicht.

SPIEGEL ONLINE: Wenn Sie das so sagen, klingt es, als könnten Sie die Kritik der Freiheitlichen Jugend Kärnten nachvollziehen.

Djawadiraad: Ich verstehe, was sie meinen. Wenn man mich sieht, denkt man nicht an einen Kärntner oder an einen Österreicher. Aber wir sind heute so weit, dass nicht nur das Aussehen eines Menschen zählt, sondern auch sein Charakter, sein Denken, seine inneren Eigenschaften. Wir können einen Menschen doch nicht nur nach seinem Äußeren beurteilen.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben gerade einen Schönheitswettbewerb gewonnen. Und da sagen Sie, man solle einen Menschen nicht nach seinem Aussehen beurteilen?

Djawadiraad: Das ist ein Missverständnis. Bei der "Mister Challenge" geht es auch um charakterliche Eigenschaften. Wie präsentiert man sich in der Öffentlichkeit, in den sozialen Medien, wie redet man? Sport und Wohltätigkeitsaktivitäten sind sehr wichtig. "Mr Kärnten" ist nicht automatisch der schönste Mann Kärntens. Es gibt schönere als mich, aber es geht eben um viel mehr als nur Äußeres.

SPIEGEL ONLINE: Hat Sie die Kritik der FPÖ-Jugend verletzt?

Djawadiraad: Am Anfang schon. Es ist nicht fair, von einer politischen Gruppierung angegriffen zu werden. Aber man gewöhnt sich daran. Vor allem, weil ich weiß, dass es so viele Menschen da draußen gibt, die zu mir halten. Sogar Menschen, die mich nicht kennen.

SPIEGEL ONLINE: Die FPÖ-Jugend behauptet auch, in der Jury habe Ihre Freundin gesessen.

Djawadiraad: Meine Freundin ist die amtierende Vize-"Miss Kärnten". Deshalb saß sie in der Jury. Aber sie durfte nicht für mich stimmen. Insofern war ich im Nachteil, weil eine Stimme fehlte. Trotzdem habe ich gewonnen, weil alle anderen Juroren für mich gestimmt haben. Aber das verschweigt die Freiheitliche Jugend.

SPIEGEL ONLINE: Sie waren neun Jahre alt, als Sie mit Ihrer Familie aus Iran nach Österreich kamen. Was war der Grund dafür?

Djawadiraad: Ich rede sehr ungern über die Zeit damals. Wir mussten das Land verlassen, es war die richtige Entscheidung für uns alle.

SPIEGEL ONLINE: Was verbindet Sie mit Österreich?

Djawadiraad: Es ist meine Heimat, ich bin ausschließlich österreichischer Staatsbürger. Das Land hat mich aufgenommen, als wir in Not waren. Alles, was ich heute bin, habe ich Österreich zu verdanken. Zu meinem Herkunftsland habe ich keine Beziehung mehr.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie Erfahrung mit Rassismus gemacht?

Djawadiraad: Ja. Es war und ist oft verletzend, und es bleiben Narben. Leider spielen im 21. Jahrhundert Aussehen und Hautfarbe immer noch eine Rolle. Ich habe erst als Kind Deutsch gelernt, da war ich auf der Hauptschule. Ich kann verstehen, dass es damals Beleidigungen gab. Wir waren ja Kinder. Aber heute bin ich 20 Jahre alt und muss mich von Leuten wegen meiner Hautfarbe kritisieren lassen, die doppelt so alt sind wie ich. Ich lebe hier, arbeite hier, zahle hier meine Steuern, komme allen Pflichten nach. Trotzdem werde ich kritisiert. Dagegen kann man wohl nichts machen.

SPIEGEL ONLINE: In den sozialen Medien fragen Leute: "Darf ein 'Mr Kärnten' Parsa Djawadiraad heißen?" Die FPÖ-Jugend muss aber auch einstecken. "Macht euch nicht lächerlich", schreibt jemand oder, "Habt ihr nix anderes zu tun als gegen Migranten zu hetzen?" Lesen Sie all das?

Djawadiraad: Ich meide Facebook in den letzten Tagen. Ich lese das nicht. Es gibt viel Gutes im Netz, aber auch viel Mist.

SPIEGEL ONLINE: Steht nun die große Model-Karriere an?

Djawadiraad: Meine Arbeit im Getränkevertrieb macht mir Spaß, das werde ich nicht aufgeben. Aber in nächster Zeit kommen natürlich Fotoshootings und Auftritte auf mich zu, mal sehen. Im Oktober steht die Wahl zu "Mr Austria" an. Da werde ich mitmachen.

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