Job für einen Obdachlosen Der barmherzige Tischler

Herbert Hartl will abends nur kurz tanken, als ihn ein Obdachloser nach Arbeit fragt. Der Unternehmer aus Österreich reagiert ungewöhnlich - und wird nun im Netz gefeiert.

Tischlerei-Chef Hartl, Mitarbeiter Sova: Jobzusage an der Tankstelle
Tischlerei Hartl

Tischlerei-Chef Hartl, Mitarbeiter Sova: Jobzusage an der Tankstelle


Herbert Hartl wunderte sich. Der 31-Jährige ist Chef einer Tischlerei im oberösterreichischen Dorf Unterweitersdorf. Am vorvergangenen Mittwoch stand er gegen halb acht am Abend mit seinem Wagen an der Tankstelle des Ortes. Da beobachtete er aus den Augenwinkeln einen Mann, der von Kunde zu Kunde marschierte und stets nur ein Kopfschütteln erntete.

Der Mann kam schließlich auch auf Hartl zu und sagte mit zittriger Stimme und in gebrochenem Deutsch, er suche einen Job. Ob Hartl vielleicht helfen könne. Der Fremde erzählte, er stamme aus Tschechien und finde seit Monaten keine Arbeit. Er habe kein Geld für Essen und Trinken und werde wohl in der Bushaltestelle des Ortes übernachten.

"Du kannst bei mir anfangen"

Hartl tat etwas, das ihm im Netz nun den Ruf des barmherzigen Samariters brachte. Er sagte: "Du kannst bei mir anfangen - morgen um 7.30 Uhr." Hartl spendierte dem Mann, der sich als Miroslav vorstellte, ein Zimmer im Hotel, für 55 Euro pro Nacht. Und er gab ihm Geld für Lebensmittel. Am nächsten Morgen stand Miroslav Sova vor der Tür - um 6 Uhr. Er heuerte als Hilfsarbeiter an, sägt jetzt Platten, verlegt Böden. "Ein toller Kollege", schwärmt Hartl.

Kurz nachdem der Unternehmer die Geschichte Mitte der Woche bei Facebook veröffentlicht hatte, entfaltete sich eine enorme Resonanz. Mehr als 140.000 Leser haben den Eintrag inzwischen mit "Gefällt mir" markiert, fast 8000 haben ihn kommentiert. Kamerateams machten sich auf den Weg, um Sova und Hartl bei der Arbeit zu befragen.

Es sei eine spontane Entscheidung gewesen, den Job zu vergeben, erklärt Hartl im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Er habe in dem Moment einfach beschlossen, Vertrauen zu schenken. Ohnehin habe er einen Hilfsarbeiter gesucht. Mit seinem Facebook-Eintrag will Hartl eine Botschaft senden: Mitmenschlichkeit. "Stellt euch vor, wir helfen alle zusammen, da könnte man richtig was bewegen", schrieb er.

Am 18. Juni sandte die Tischlerei Hartl - 17 Mitarbeiter, nach eigenen Angaben 3,5 Millionen Euro Umsatz pro Jahr - ein Formblatt an den österreichischen Sozialversicherungsträger. Man melde Miroslav Sova an, geboren am 7. April 1966, einen neuen Hilfsarbeiter. Pro Monat verdient der Tscheche jetzt 1250 Euro. Netto. Und er sucht ein Zimmer im Ort. Denn er will bleiben.

sms

Mehr zum Thema


insgesamt 131 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
southofhighway 19.06.2015
1. Ohne Frage...
die BESTE story des Monats !!!!! Hut ab vor Herrn Hartl .....
DerDenker28 19.06.2015
2. Das Beste, was Herrn Sova passieren konnte
Ich bin froh, dass es noch so gute Menschen wie Herrn Hartl gibt und vor allem, dass es so engagierte Menschen wie Herrn Sova gibt. Beide hat das Glück zusammengeführt.
michlauslöneberga 19.06.2015
3. Diese Geschichte
gefällt mir ausnehmend gut und macht mir den Tag schöner. Natürlich profitiert der Unternehmer auch von seinem neuen Mitarbeiter, aber das steht hier wirklich nicht im Vordergrund.
rbwntr 19.06.2015
4. Tu Gutes
und rede darüber! Prima Sache! :-)
D_v_T 19.06.2015
5.
"Nachdem der Unternehmer die Geschichte Mitte der Woche bei Facebook veröffentlicht hatte..." Ich kann mich an einen Artikel zur Einführung in die Moral erinnern. Darin stand sinngemäß, dass, wenn man etwas Gutes tut um der Sache wegen, dies moralisch sei, tut man es um sich profilieren, dann ist es das nicht. Auch das Wasserzeichen im Foto mit der Webadresse hat einen gewissen Beigeschmack.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.