Olympische Spiele Rios Bürgermeister will keine Bürger auf den Straßen

Ob sich die 6,5 Millionen Einwohner an diese Aufforderung halten werden? Das Oberhaupt von Rio, Eduardo Paes, hat dazu aufgerufen, während der Olympischen Spiele daheim zu bleiben - angeblich wegen der Verkehrslage.

Rios Bürgermeister Eduardo Paes
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Rios Bürgermeister Eduardo Paes


Kurz vor Beginn der Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro hat Bürgermeister Eduardo Paes alle Einwohner der Millionenmetropole aufgerufen, zu Hause zu bleiben. Auf diese Weise würden unnötige Staus vermieden, sagte Paes auf einer Pressekonferenz.

"Morgen werden alle Athleten und Journalisten zur Eröffnungsfeier kommen", sagte Paes am Donnerstag. Die Carioca, wie die Einwohner der Metropole auch genannt werden, "sollten daheim bleiben oder in der Nähe ihrer Wohnung". Brasilianischen Medien zufolge empfahl er seinen Bürgern, sich während der gesamten Sommerspiele so zu verhalten.

Die kommenden Tage würden "verwirrend und fröhlich", so Paes, für die Stadt seien sie sehr wichtig. Rios Einwohner sollten deshalb stets dafür sorgen, dass die Athleten "die jeweiligen Austragungsorte ungehindert erreichen".

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Mit keinem Wort ging der Bürgermeister auf die für den heutigen Freitag geplanten Proteste vor dem Maracanã-Stadion ein, dem Ort der Eröffnungsfeier. An der Kundgebung gegen den konservativen Übergangspräsident Michel Temer wollen Tausende Anhänger seiner Vorgängerin Dilma Rousseff teilnehmen.

Temer selbst hatte bereits halb scherzhaft gesagt, er sei auf Pfiffe und Buhrufe während seiner kurzen Eröffnungsansprache vorbereitet. Nach Informationen brasilianischer Medien wollen die Olympia-Organisatoren deshalb sofort nach Temers Auftritt die Musik im Stadion aufdrehen, um Protestäußerungen zu übertönen. Eine Bestätigung der Berichte gab es allerdings nicht.

Rousseff wurde Anfang Mai vom Parlament in einem umstrittenen Verfahren vorläufig ihres Amtes enthoben. Ihr wird vorgeworfen, Haushaltszahlen geschönt zu haben, um vor der Präsidentschaftswahl 2014 ihre Chancen zu verbessern. Sie selbst spricht von einem Putsch. Obwohl Rousseff und vor allem ihr Vorgänger Lula da Silva eine Schlüsselrolle bei der Vergabe der Olympischen Spiele nach Rio spielten, wollten sie die Eröffnungsfeier boykottieren.

Brasilien steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise, zudem ist praktisch die gesamte Elite des Landes in einen Korruptionsskandal um den staatlichen Ölkonzern Petrobras verwickelt. Massive Einschnitte der Regierung bei einigen Sozialprogrammen verschärften den sozialen Unfrieden. In einer Umfrage vertraten in der vergangenen Woche 60 Prozent der Brasilianer die Auffassung, dass die Olympischen Spiele dem Land "mehr schaden als nutzen".

mxw/AFP



insgesamt 3 Beiträge
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Hallo2020 05.08.2016
1. Ist doch glasklar
dieser Mann hat Angst vor Unruhen in der Stadt angesichts der versammelten Weltöffentlichkeit.
gratiola 05.08.2016
2. Ich bin gerade in Abraoo
und Morgen mit meinem Boot zurück im Rio. Ich schau mich mit Brasilianern um. Die Olympiade ist Bedarf oder wie viele Brasilianer meinen ein Kollateralschaden.
ro-li 05.08.2016
3.
Ich schau das nicht. Kenn auch keinen der das vor hat. Ich bin knapp 50. Vielleicht gibt's noch ein paar demente Idioten die auf ?Olympia? stehen und das als eine Art sportlichen Weltkrieg sehen. Viel Spass dabei. Das war es immerschon.
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