Olympia ohne Makel Peking will Bettler vertreiben

Olympische Anstrengungen für die öffentliche Ordnung: Um ein "zivilisiertes Umfeld" in der Hauptstadt Peking zu schaffen, will die chinesische Regierung während der Sommerspiele sämtliche Bettler und Straßenhändler aus dem Stadtzentrum vertreiben.


Peking - Im Jahr 1989 wurde hier der Volksaufstand gegen die Diktatur blutig niedergeschlagen: Jetzt soll auf dem Platz des himmlischen Friedens in Peking niemand mehr um Geld betteln oder billigen Tand vertreiben. Der Tiananmen ist ein beliebtes Ziel von Touristen, die dort mitunter auch von Bettlern angesprochen werden. Außerdem bieten Straßenhändler vielfach gefälschte Markenartikel feil. Auch auf der großen Ost-West-Route der Hauptstadt, der Chang'an Avenue, sollen Bettler und Hausierer bestraft und ihre Waren beschlagnahmt werden, teilte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua heute mit.

In der Verbotenen Stadt Peking: Ein Bettler bittet Touristen um Almosen
AFP

In der Verbotenen Stadt Peking: Ein Bettler bittet Touristen um Almosen

Mit Patrouillen rund um die Uhr solle sichergestellt werden, dass während der Olympischen Spiele in der Hauptstadt ein harmonisches und zivilisiertes Umfeld herrsche, sagte Xinhua Yu Hongyuan von der Pekinger Polizei. Zudem soll eine eigene Behörde Xinhua zufolge sicherstellen, dass Standards bei der Lebensmittelsicherheit eingehalten werden. Nahrungsmittel aus China waren im vergangenen Jahr mehrfach in Verruf geraten. Die Sommerspiele finden vom 8. bis 24. August statt.

In Sachen staatlich verordneter Umsiedlung ist die chinesische Regierung erfahrungsgemäß nicht zimperlich: Im Zusammenhang mit dem Dammbau am Jangtse-Fluss mussten eine Million Chinesen bereits ihre Häuser aufgeben - bis zu vier Millionen werden in den kommenden Jahren dasselbe Schicksal ereilen. Auch in vielen Altstadt-Gebieten der großen Metropolen müssen die Menschen ihr Heim verlassen, weil alte Gebäude abgerissen und neue gebaut wurden - häufig ohne einen Yuan Entschädigung dafür zu erhalten.

ala/AP



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