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16. Juni 2017, 10:41 Uhr

Männlich, weiblich - oder X

Oregon erlaubt drittes Geschlecht in Amtspapieren

Zu "männlich" und "weiblich" kommt "X": In Oregon gibt es künftig die Möglichkeit, auf Führerscheinen und Ausweisen bei der Geschlechtsangabe "nicht spezifiziert" einzutragen.

Oregon erweitert als erster US-Bundesstaat die Optionen für Geschlechtsangaben auf offiziellen Dokumenten: Auf Führerscheinen oder Personalausweisen soll es künftig statt M (male, männlich) oder F (female, weiblich) auch ein X geben können - bei Personen, die ihr Geschlecht als "nicht spezifiziert" vermerkt haben wollen. Die Regel gilt ab 3. Juli.

Laut der Zulassungs- und Führerscheinbehörde DMV wurde die Regel einstimmig verabschiedet, nachdem ein Gericht Jamie Shupe erlaubt hatte, das Geschlecht auf "nicht binär" zu ändern. "Ich bin nicht männlich. Ich bin nicht weiblich", sagte Shupe damals.

Auf Basis einer biologische Bestimmung sei bei Geburt als männlich eingeordnet worden. "Meine Gender-Identität ist auf jeden Fall weiblich. Sie war niemals männlich, aber ich fühle mich, als müsste ich meiner männlichen Biologie gerecht werden. Nicht-binär zu sein erlaubt es mir, das zu tun. Ich bin eine Mischung von beidem. Ich sehe mich als drittes Geschlecht."

DMV-Chef Tom McClellan sagte, er habe Tränen in den Augen gehabt, als er Briefe von Unterstützern der neuen Regel gelesen habe. Eine Person habe geschrieben, es sei peinlich gewesen, als eine Sicherheitskraft am Flughafen nicht gewusst habe, ob sie beim Körperscanner den Knopf für einen männlichen oder weiblichen Fluggast drücken sollte.

LGBT-Gruppen freuen sich über die Änderung. "Heute gibt es ein wenig mehr Wahrheit und Gerechtigkeit in der Welt", sagte Hayley Gorenberg von der Organisation Lambda Legal, die sich für die Rechte Homosexueller, Bisexueller und Transgender einsetzt. Wenn das Aussehen nicht mit den Geschlechtsangaben auf offiziellen Dokumenten übereinstimme, könnten Personen "Beleidigungen und psychologischem Trauma ausgesetzt sein". Das lasse sich durch eine weitere Gender-Option vermeiden. Landesweit seien Leute von Polizisten, Krankenhausangestellten, Arbeitgebern, Flughafenmitarbeitern und Bankangestellten diskriminiert worden.

In Kalifornien ist eine ähnliche Initiative auf dem Weg. Der Senat des Bundesstaates hat ein Gesetz eingebracht, wonach eine dritte Option für Geschlechtsangaben auf offiziellen Ausweispapieren möglich sein soll. Nun muss das Abgeordnetenhaus darüber befinden. Widerstand kommt von der konservativ-christlichen Organisation California Family Council. Sie argumentiert, vom Staat ausgestellte Dokumente sollten biologische Fakten wiedergeben, um Personen einfacher identifizieren zu können.

ulz/AP

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