Pablo Escobars tierisches Erbe Hippo-Alarm im Garten des Drogenbarons

Pablo Escobar ist seit Jahrzehnten tot, sein Privatzoo allerdings noch sehr lebendig. Die importierten Nilpferde des Drogenbarons breiten sich in Kolumbien immer weiter aus. Naturschützer sind alarmiert.

AFP

Der berüchtigte Drogenbaron Pablo Escobar ist seit 1993 tot - aber sein tierisches Erbe lebt weiter.

Im Jahr 1979 erwarb der Kokaindealer für 63 Millionen US-Dollar eine 3000 Hektar große Ranch nahe Puerto Triunfo am Rio Magdalena, knapp 190 Kilometer südöstlich von Medellín. Mit viel Aufwand verwandelte er die "Hacienda Nápoles" in ein Mafia-Refugium der Luxusklasse - mit Flugplatz, Hubschrauberlandeplatz, Unterkünften für mehr als hundert Gäste, sechs Pools, künstlichen Seen und Bars.

Hier, in dem Dorf Doradal, ließ Escobar nicht nur Schönheitsköniginnen tanzen, sondern auch Menschen hinrichten, die auf irgendeine Art seinen Unwillen erregt hatten.

Escobars Liebe zum Tier tat dies keinen Abbruch. Für den hauseigenen Zoo kaufte der Drogenbaron Elefanten und Löwen, er ließ Nashörner, Zebras und Gazellen einfliegen. Anfang der Achtzigerjahre besorgte er aus Kalifornien vier Flusspferde. Die fühlten sich in ihrem neuen Zuhause offenbar sehr wohl. Und blieben auch dort, als "El Patrón" Ende 1993 von Polizeikugeln durchsiebt im Leichenschauhaus lag.

Mit den Jahren ist ihre Zahl auf 35 angestiegen, längst haben sich die Dorfbewohner an den Anblick der massigen Mitbewohner gewöhnt. Dem Biologen David Echeverri Lopez zufolge soll es sich sogar um die größte wild lebende Nilpferdherde außerhalb Afrikas handeln. So berichtet es die Nachrichtenagentur AFP.

Kein Wunder - in Ermangelung natürlicher Feinde können sich die Hippopotami in den Regenwäldern der Region entspannt vermehren. Die Tiere seien aber nicht nur nett anzusehen, sondern stellten auch eine Gefahr für die Umwelt dar, sagt Echeverri, der für die kolumbianische Naturschutzorganisation Cornare arbeitet.

Immer wieder würden sie Zäune einreißen und mit ihren Fäkalien den Fluss verunreinigen. "Wenn sie aggressiv werden, können sie die Artenvielfalt bedrohen", so Encheverri. Dann bestehe die Gefahr, dass Otter oder bedrohte Arten wie Manatis, Seekühe, verdrängt würden. Nilpferde seien eine invasive Art, die sich als sehr resistent erwiesen habe. "Sie tragen Krankheitserreger, die andere Tierbestände vernichten können."

Weil Nilpferde eine Lebenserwartung von etwa 60 Jahren haben, wird das Problem die örtlichen Behörden wohl noch eine Weile beschäftigen. Versuche, die Tiere zu kastrieren, waren bisher wenig erfolgreich. Echeverri und seine Kollegen versuchen derweil, mit natürlichen Barrieren wie Baumstämmen oder Felsen dafür zu sorgen, dass sich die Hippopotami nicht noch weiter ausbreiten. Es ist schon vorgekommen, dass Flusspferde 150 Kilometer von Puerto Triunfo entfernt gesichtet wurden. "Bisher gab es aber keine Probleme", sagt Encheverris Mitstreiter Leon. "Sie haben niemanden angegriffen."

Damit unterschieden sich die Nilpferde ganz wesentlich von dem Mann, der sie einst ins Land holte, um sich selbst und seinem Sohn die Zeit zu vertreiben.

Die Geschichte Pablo Escobars ist eine von hemmungsloser Gewalt und entfesselter Machtgier. Der Drogenbaron kontrollierte zeitweilig 80 Prozent des kolumbianischen Kokainmarkts und schmuggelte die Droge gleich tonnenweise in Flugzeugen und oder ferngesteuerten Mini-U-Booten über die Grenzen. Er schaltete Widersacher und Konkurrenten gnadenlos aus und gebärdete sich im Übrigen wie ein Alleinherrscher: Er sagte dem Staat den Kampf an, setzte Kopfgelder auf Polizisten aus und ließ seine Auftragskiller Richter, Staatsanwälte und Journalisten töten.

ala



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