Papst-Ansprache Du sollst nicht tratschen

Kann Geschwätzigkeit Sünde sein? Papst Franziskus kritisiert bei seiner Weihnachtsansprache an Kurienmitarbeiter den Tratsch als große Gefahr. Dabei argumentiert der Pontifex weniger moralisch als vielmehr betriebswirtschaftlich.
Papst Franziskus: Weniger Tratsch, mehr Leistung

Papst Franziskus: Weniger Tratsch, mehr Leistung

Foto: VINCENZO PINTO/ AFP

Hamburg/Rom - Weihnachten ist das Fest der Liebe und der Stille. Wenn es nach Papst Franziskus geht, kann es gar nicht still genug sein. Besonders der Tratsch ist ihm ein Dorn im Auge. In der traditionellen päpstlichen Weihnachtsansprache an die Mitarbeiter der Kurie kritisierte er die bösartige Verbreitung von Falschinformationen über andere Menschen als besonders verdammenswert.

Das Interessante: Der Papst argumentierte in seiner Rede weniger moralisch als vielmehr betriebswirtschaftlich. "Der Tratsch", so Franziskus am Samstag im Vatikan, "verdirbt die Menschen, beeinträchtigt die Arbeitsqualität und schadet dem Betriebsklima."

Die Wortwahl ließ Franziskus wie Gottes effizientesten Manager auf Erden wirken. In seiner Brandrede gegen die gemeine Geschwätzigkeit erklärte er auch: "Wenn die Professionalität fehlt, rutscht man langsam in den Bereich der Mittelmäßigkeit ab." Mit Blick auf das nahende Weihnachtsfest empfahl Franziskus seinen Mitarbeitern Josef als Vorbild. Dieser habe sich fürsorglich "um seine Braut und das Kind" gekümmert und dabei "still" an der Seite Marias gestanden.

Auch wenn der Kirchenmann, der gerade vom "Time Magazine" zum Mann des Jahres gewählt wurde, in seiner Rede empfahl, Tratsch "aus Gewissensgründen zu verweigern", verwies er vor allem auf die ökonomischen Folgen, die zersetzendes Gerede haben kann, und schwor die Bediensteten der Kurie auf Fleiß und Effizienz ein. Wenn man sich nicht dem Dienst für den Papst und die Bischöfe, für die Weltkirche und die Teilkirchen verpflichtet fühle, werde aus der römischen Kurie ein "schwerfälliges Zollamt, eine bürokratische Untersuchungs- und Kontrolleinrichtung".

Eine Mahnung, die zum Erneuerungskurs passt, den Papst Franziskus dem Vatikan verordnet hat - und die zeigt, wie konsequent es der geistliche CEO mit den Veränderungen und Verbesserungen beim Weltkonzern Katholische Kirche meint.

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cbu/dpa/AFP