Streit über Zölibat Papst Benedikt XVI. will nicht päpstlicher sein als der Papst

Der Streit über Äußerungen von Benedikt XVI. zum Zölibat nimmt eine spektakuläre Wende. Der frühere Papst hat die Mitautorenschaft bei einem entsprechenden Buch mit Kardinal Sarah zurückgezogen - der protestiert.
Benedikt XVI. bei der Ernennung von Kardinal Sarah 2010 im Petersdom

Benedikt XVI. bei der Ernennung von Kardinal Sarah 2010 im Petersdom

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Giuseppe Giglia/ picture alliance/ DPA

Benedikt XVI. möchte, dass sein Name als Mitautor eines Buches mit umstrittenen Aussagen zum Zölibat für katholische Priester gestrichen wird. Der emeritierte Papst distanziere sich von dem von Kurienkardinal Robert Sarah herausgegebenen Werk, teilte sein persönlicher Sekretär, Georg Gänswein, mit. Gänswein sagte der Nachrichtenagentur Reuters zufolge, er habe in Benedikts Auftrag Sarah gebeten, Kontakt mit dem Verlag aufzunehmen und die Änderungen an dem Buch "Aus den Tiefen unserer Herzen" vorzunehmen. Auch Bild und Unterschrift des Pontifex Maximus a.D. sollten entfernt werden, berichtete das Portal der Katholischen Kirche  in Deutschland.

Das Buch erscheint am Mittwoch in Frankreich. Bereits am Wochenende waren Auszüge veröffentlicht worden, nach denen sich Benedikt XVI. für den ausnahmslosen Zölibat ausgesprochen hatte. Er soll darin an seinen Nachfolger Franziskus appelliert haben, das Eheverbot für Priester nicht zu lockern. "Ich kann nicht still bleiben!", soll der 92-Jährige geschrieben haben.

Die Passagen hatten für Aufregung gesorgt. Denn Benedikts Nachfolger Franziskus prüft derzeit, ob in entlegenen Weltgegenden wie etwa bestimmten Gebieten des Amazonas, in denen es einen Mangel an Geistlichen gibt, Priestern die Ehe erlaubt werden soll. Bei einer Amazonas-Synode im Oktober in Rom hatten Bischöfe den Papst aufgerufen, in der Amazonasregion das Priesteramt für verheiratete Männer zu öffnen . Benedikt XVI. hatte zudem bei seinem Rücktritt versprochen, "für die Welt verborgen" zu bleiben - also nicht die Autorität seines Nachfolgers anzugreifen. Entsprechend überrascht waren Vatikan-Experten darüber, dass Benedikt öffentlich Stellung zu Angelegenheiten seines Nachfolgers bezieht.

Sarah: "Außerordentlich schwere Verleumdungen"

Gänswein sprach von einem Missverständnis, das dem Buch zugrunde liege. Benedikt habe zwar gewusst, dass Sarah ein Buch plane - und auch den Beitrag über "das katholische Priestertum unter besonderer Berücksichtigung des Zölibats" im Inneren des Werks verfasst. Aber "er stimmte nie einer Mitautorenschaft zu und hat das Cover weder gesehen noch autorisiert", heißt es der italienischen Nachrichtenagentur Ansa zufolge in einem schriftlichen Statement Gänsweins.

Kardinal Sarah verteidigte das Vorgehen und präsentierte ausführlich seine Sicht der Dinge. Der aus Guinea stammende Geistliche habe das Buchkapitel von Benedikt erhalten und dem Papst eine gemeinsame Publikation vorgeschlagen. Er wehrte sich gegen "außerordentlich schwere Verleumdungen", dass er Benedikt manipuliert habe - und veröffentlichte eine Chronologie zum Zustandekommen des Buchs mit dem deutschen Ex-Pontifex.

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Im Zuge des Buchprojekts soll Benedikt auch ein vollständiges Manuskript des Buches zugesandt worden sein. Sarah widerspricht damit deutlich und öffentlich den Schilderungen des Privatsekretärs Benedikts. Benedikt hatte Sarah 2010 zum Kardinal ernannt. Sarah zufolge wurden Texte für Korrekturen ausgetauscht.

Benedikt XVI. hatte 2013 bei seinem Rücktritt versprochen, dem neuen Papst gehorsam zu sein. Dieses Versprechen hielt er weitgehend ein. 2019 allerdings verfasste er einen streitbaren Aufsatz, in dem er die Achtundsechziger für Übergriffe katholischer Priester auf Kinder mitverantwortlich machte. Benedikt war der erste Papst seit dem Mittelalter, der zurücktrat. Der Experte Iacopo Scaramuzzi schrieb bei Twitter, das Miteinander von früherem und derzeitigem Papst sei schwierig, wenn der Amtsvorgänger sein Versprechen nicht halte, "sich zu verbergen und zu gehorchen".

apr/Reuters/AP