Papst-Entscheidung Kardinal Lehmann begrüßt Absetzung Mixas

Der Papst hat Walter Mixas Rücktrittsgesuch als Bischof von Augsburg angenommen, unüblich schnell für katholische Verhältnisse. Der frühere Vorsitzende der Bischofskonferenz Kardinal Lehmann ist erleichtert - und gesteht, schon früher von Gerüchten über Mixas Lebenswandel gehört zu haben.
Walter Mixa (Archivbild von 2007): Kirchenkarriere beendet

Walter Mixa (Archivbild von 2007): Kirchenkarriere beendet

Foto: Daniel Karmann/ dpa

Freiburg/Augsburg/Würzburg - Der Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann hat die zügige Absetzung des Augsburger Bischofs Walter Mixa durch den Papst begrüßt. "So etwas habe ich in 27 Jahren noch nicht erlebt", sagte Lehmann im "heute journal" des ZDF. Es gebe leider immer wieder Menschen, die ihren Aufgaben in der Kirche nicht genügten. "Es bleibt eine erhebliche Verletzung des Vertrauens", sagte der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

Auf die Frage, ob schon die Berufung Mixas zum Bischof ein Fehler gewesen sei, wies der Kardinal eine Verantwortung der Bischofskonferenz zurück. "Da ist unmittelbar der Papst über den Apostolischen Nuntius zuständig, und da wird es schwer, das bis ins Einzelne zu kontrollieren". Er selbst müsse gestehen, von Gerüchten über Mixas Lebenswandel gehört zu haben, aber "die waren in Teilen so unbestimmt und verunglimpfend, dass ich mir selbst kein Bild machen konnte."

Den im SPIEGEL geäußerten Vorschlag des Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick, den Pflichtzölibat für Weltpriester abzuschaffen, bezeichnete der Kardinal als bedenkenswert. Allerdings sei dies der falsche Zeitpunkt für eine derartige Debatte. Im Moment werde zu vieles in der Diskussion über die Kirche miteinander vermischt.

Zunächst müssten alle Vorwürfe gegen Walter Mixa geklärt werden. Zu einem späteren Zeitpunkt seien diese Fragen zu bedenken. "Dann sollte man vor nichts Angst haben." Auf die Frage, ob Benedikt XVI. willens sei, über das Thema Zölibat nachzudenken, antwortete Lehmann: "Ich glaube, dass er längst nachdenkt."

Der Papst hat den Rücktritt Mixas als Augsburger Bischof und Militärbischof angenommen unter Verweis auf einen Paragrafen des kanonischen Rechts, der den Ruhestand wegen Krankheit oder "anderer schwerwiegender Gründe" vorsieht.

Es ist der vorläufige Endpunkt einer Affäre, die sich über Monate hinzog. Mixa musste in dieser Zeit einräumen, dass er möglicherweise als Stadtpfarrer in Schrobenhausen doch Heimkinder geschlagen hat - obwohl er derartiges zuvor kategorisch ausgeschlossen hatte. Dann geriet sein Finanzgebahren ins Zwielicht, und inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Ingolstadt Vorermittlungen wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs gegen Mixa eingeleitet. Der Bischof hatte am 21. April die Konsequenzen gezogen und im Vatikan um seine Entlassung gebeten.

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Bischof Hofmann: "Schmerzhafte Angelegenheit"

Mixas Rücktritt löste jedoch nicht überall Erleichterung aus. Würzburgs Bischof Friedhelm Hofmann sagte, es sei "eine schmerzhafte Angelegenheit, einen Mitbruder auf diese Weise zu verlieren". Er bedauere es, dass mit Mixa ein Mitglied aus der bayerischen Bischofskonferenz ausscheide, "das viele gute Impulse" eingebracht habe. Für den Bischof erbitte er "in dieser schwierigen Lebenslage Gottes Beistand".

Der Augsburger Generalvikar Karlheinz Knebel sagte, über die Zukunft von Mixa könne "erst nach Prüfung und Klärung der gegen ihn in letzter Zeit erhobenen Anschuldigungen" entschieden werden. Zugleich rief Knebel Gläubige, Priester und alle Mitarbeiter auf, "in dieser schwierigen Zeit" die Einheit der Kirche zu wahren: "Wir sind an einem Neuanfang, den wir gemeinsam versuchen müssen."

Erzbischof Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, hat sich bei Papst Benedikt XVI. für die Annahme von Mixas Rücktrittsgesuch bedankt. "Die zügige Entscheidung des Papstes schafft die notwendige Klarheit", sagte Zollitsch am Samstag in Freiburg. Sie gebe allen Beteiligten die Chance zum Neuanfang.

"Die Vorgänge der letzten Zeit haben das gesamte Bistum Augsburg und auch die katholische Kirche in Deutschland sehr belastet", sagte der Freiburger Erzbischof. Der Verlust der Glaubwürdigkeit wiege schwer. Umso wichtiger sei es, den eingeschlagenen Weg der Erneuerung fortzusetzen. Zollitsch dankte außerdem Mixa "für die Impulse, die er als Priester und Bischof gegeben hat". Er wünsche ihm für die Zukunft "Gottes stärkende Nähe und Hilfe".

"Wir sind Kirche" zeigt sich erleichtert

Die Reformbewegung "Wir sind Kirche" zeigte sich erleichtert über die Entscheidung des Papstes. Um den "durch das lange Taktieren von Bischof Mixa" entstandenen Ansehens- und Glaubwürdigkeitsverlust der katholischen Kirche nicht noch zu vergrößern, müssten alle Vorwürfe umfassend und möglichst schnell aufgeklärt werden. Dabei dürfe es keinen "Bischofsbonus" geben.

"Wir sind Kirche" fordert darüber hinaus "eine wirkliche Mitsprache und Mitentscheidung der Ortskirchen bei Bischofsernennungen". Bischof könne nur werden, wer das Vertrauen des Volkes genieße. "Die Causa Mixa wie auch andere Rücktritte gerade in letzter Zeit in Irland, Norwegen und Belgien sowie die Causa Groer vor 15 Jahren in Wien werfen die immer drängendere Frage nach den römischen Auswahlverfahren für das Bischofsamt auf", erklärte die Organisation.

Mit der Annahme von Mixas Rücktrittsgesuch beginnt eine langwierige Suche nach einem Nachfolger, die sich über viele Monate hinziehen kann. Während dieser sogenannten Sedisvakanz - der Zeit ohne Bischof - führt ein Diözesanadministrator das Bistum. In dieses Amt wählte das Domkapitel der Diözese Augsburg am Samstag den Weihbischof Josef Grünwald. Er machte Knebel zu seinem Stellvertreter.

Grünwald will einen "Weg der inneren Heilung und des Neuanfangs" beginnen. Die Ereignisse hätten die Diözese zutiefst belastet, schrieb Grünwald in einem offenen Brief an die Mitarbeiter der Diözese Augsburg. "Viele Gläubige sehen dadurch ihr Vertrauen in die Kirche von Augsburg erschüttert. Diese Spaltung, die das ganze Bistum auseinanderzureißen droht, schadet unserer Kirche von Augsburg und ihrer Glaubwürdigkeit."

Salami-Taktik diskreditierte Mixa

Entscheidend für den rapiden Ansehensverlust Mixas auch in den Reihen der katholischen Kirche war vor allem, dass er zunächst alles vehement bestritt, um dann mit erheblicher Verzögerung doch etwas zuzugeben. Seit Ende März hatten ehemalige Heimkinder des Waisenhauses Schrobenhausen Mixa vorgeworfen, er habe sie in seiner Zeit als Stadtpfarrer misshandelt. Er habe sie mit Fausthieben sowie Schlägen mit einem Stock oder Teppichklopfer auf das Gesäß traktiert.

Der Bischof wies das als "absurd, unwahr" zurück und sprach von einer Diffamierungskampagne. "Ich habe ein reines Herz", sagte er. Am 16. April räumte Mixa jedoch erstmals ein, er könne "die ein oder andere Watschn" nicht mehr ausschließen. Heftigere Gewalt bestritt er weiter. Zu den Prügelvorwürfen kamen noch finanzielle Unregelmäßigkeiten in Mixas Zeit an der Spitze der Waisenhausstiftung.

Am Wochenende sind weitere belastende Details bekannt geworden. Nach Informationen des SPIEGEL soll der 69-Jährige in seiner Zeit als Bischof von Eichstätt häufig junge Seminaristen des Priesterseminars "Collegium Willibaldinum" mit in seine Privaträume im Bischofshaus eingeladen und mit ihnen gemeinsame Saunabesuche unternommen haben.

Mixa, der für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war und über seinen Augsburger Anwalt die Vorwürfe "mit aller Entschiedenheit" zurückweisen ließ, soll, so heißt es in Kirchenkreisen, homosexuelle Neigungen gehabt haben. In der Szene wurde über seinen Spitznamen "Monsi" - abgeleitet von Monsignore - gespottet.

Immer wieder umstrittene Aussagen

Mixa war immer wieder mit umstrittenen Sätzen in die Schlagzeilen geraten. So entfachte er 2007 heftige Diskussionen, als er kritisiert hatte, Frauen würden mit der Politik von Familienministerin Ursula von der Leyen zu Gebärmaschinen degradiert. Im vergangenen Jahr verglich er die Holocaust-Opfer mit der Zahl der Abtreibungen in Deutschland. Zuvor hatte er die Massenmorde des Nationalsozialismus und Kommunismus als Beweis für die "Unmenschlichkeit des Atheismus" bezeichnet. Im Februar dieses Jahres hatte er die sexuelle Revolution für die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche mitverantwortlich gemacht.

Nun steht er im Verdacht, sich selbst an einem Jungen vergangen zu haben - und die Aufarbeitung dieser Affäre könnte die katholische Kirche über weitere Wochen in Atem halten.

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