Katholische Kirche Franziskus beklagt "Verfall des Glaubens" in Deutschland

In einem Brief an das "pilgernde Volk Gottes in Deutschland" beklagt Papst Franziskus eine "Erosion" des Glaubens im Land. Im Alleingang könne die Kirche ihre Probleme aber nicht lösen.

Papst Franziskus warnte in seinem Brief auch vor Alleingängen der Kirche
Evandro Inetti/ZUMA Wire/DPA

Papst Franziskus warnte in seinem Brief auch vor Alleingängen der Kirche


In einem Schreiben hat Papst Franziskus die Katholiken in Deutschland vor voreiligen Antworten auf die Krise der Kirche gewarnt. "Wir sind uns alle bewusst, dass wir nicht nur in einer Zeit der Veränderungen leben, sondern vielmehr in einer Zeitenwende, die neue und alte Fragen aufwirft", schrieb das Kirchenoberhaupt in einem an das "pilgernde Volk Gottes in Deutschland" adressierten Brief.

Franziskus beklagte eine "zunehmende Erosion und den Verfall des Glaubens" in Deutschland. Unter Berufung auf seinen deutschen Vorgänger Benedikt XVI. wies er darauf hin, dass im Osten der Bundesrepublik ein Großteil der Bevölkerung nicht getauft sei und keinerlei Kontakt mehr zur Kirche habe. Aber auch katholische Hochburgen im Westen des Landes verzeichneten einen drastischen Rückgang etwa beim Besuch der Sonntagsmesse.

Der Argentinier betonte, die Evangelisierung müsse immer "unser Leitkriterium schlechthin" sein. Er riet davon ab, die beste Antwort auf die "vielen Probleme und Mängel" in einem "Reorganisieren der Dinge, in Veränderungen und in einem 'Zurechtflicken'" zu sehen. Auch warnte er vor Alleingängen: "Sooft eine kirchliche Gemeinschaft versucht hat, allein aus ihren Problemen herauszukommen und lediglich auf die eigenen Kräfte, die eigenen Methoden und die eigene Intelligenz vertraute, endete das darin, die Übel, die man überwinden wollte, noch zu vermehren und aufrechtzuerhalten."

Marx wertet Brief als "Ermutigung"

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, wertete den Brief des Papstes als "Ermutigung" und "Zeichen der Wertschätzung des kirchlichen Lebens in unserem Land". In einer gemeinsamen Reaktion mit dem Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, schrieb Marx, die Glaubwürdigkeit der Kirche sei in den vergangenen Jahren erschüttert worden.

Nun stelle sich die Aufgabe, diese Glaubwürdigkeit wiederherzustellen. Der Papst weise in seinem Brief darauf hin, dass es dabei auch einer geistlichen Neuausrichtung der Kirche bedürfe, "die sich nicht in Strukturdebatten erschöpfen darf".

sen/dpa



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