Papst besucht Flüchtlinge "Ich will euch sagen, dass ihr nicht allein seid"

Der Pontifex hat sich auf der Insel Lesbos mit Flüchtlingen getroffen. Hunderten von ihnen sprach er bei einem Treffen Mut zu. Drei Familien - darunter sechs Kinder - nahm er auf der Rückreise in den Vatikan mit.


An Gründonnerstag wusch Papst Franziskus Migranten in einem Asylbewerberheim vor den Toren Roms die Füße, nun setzte er erneut ein Zeichen: Das Kirchenoberhaupt hat am Samstag Hunderte Hilfesuchende auf der Ägäisinsel Lesbos besucht. Drei Familien nahm der Pontifex von dort aus mit in den Vatikan, heißt es in einer Stellungnahme.

Demnach handelt es sich um Familien aus Syrien, sechs von ihnen sind Kinder. Sie seien bereits in Griechenland angekommen, bevor der EU-Flüchtlingspakt mit der Türkei in Kraft trat, wie das griechische Staatsfernsehen berichtete. Demnach würden die Schutzsuchenden nicht in die Türkei zurückgeführt.

Kommentatoren werten die Geste als Zeichen der Unterstützung von Griechenland und als Kritik an einer Politik der Abgrenzung und geschlossenen Grenzen in Europa.

Der Papst sprach den weiteren Hunderten Hilfesuchenden bei dem Treffen Mut zu: "Ich will euch sagen, dass ihr nicht allein seid", sagte der 79-Jährige am Samstag. "Das ist die Botschaft, die ich euch heute vermitteln will: Verliert nicht die Hoffnung!", appellierte das Kirchenoberhaupt an die Flüchtlinge.

"Wir wollen Freiheit"

Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras hatte Franziskus am Samstag zum Auftakt seines fünfstündigen Besuchs am Flughafen empfangen und begleitete ihn. Unmittelbar nach seiner Ankunft traf der Papst im Aufnahmelager von Moria ein. Er begrüßte Dutzende Minderjährige, die meist auf eigene Faust die gefährliche Überfahrt aus der Türkei zu den griechischen Inseln gewagt hatten, wie das griechische Fernsehen (ERT) berichtete.

Papst Franziskus, Tsipras, Erzbischof Hieronymus II.
REUTERS

Papst Franziskus, Tsipras, Erzbischof Hieronymus II.

Im Lager warteten Hunderte Menschen. Viele trugen Plakate mit dem Spruch "Wir wollen Freiheit" und "Du bist unsere Hoffnung". Unter ihnen waren Jesiden, Pakistaner und Kurden. Danach ging es weiter in ein Zelt, wo der Papst mit Migrantenfamilien sprach. Etwa 3000 Menschen sind derzeit in dem Lager in Moria untergebracht.

Papst-Sprecher Federico Lombardi erklärte, die kurzfristig anberaumte Reise sei "aus der Sorge des Papstes über die Situation der Flüchtlinge" entstanden. Im Hafen sind eine Schweigeminute und ein Gebet für Hunderte Flüchtlinge geplant, die die Überfahrt von der Türkei nicht überlebt haben und in der Ägäis ertrunken sind.

Begleitet wurde das Kirchenoberhaupt vom griechisch-orthodoxen Patriarchen Bartholomaeos I. und dem orthodoxen Erzbischof Hieronymus II.. "Wir hoffen, dass unsere Initiative politisch genutzt wird, um einen Zweck zu erreichen: Das Problem, das wir zur Zeit haben, zu internationalisieren", hatte Erzbischof Hieronymus II. bei seiner Ankunft auf Lesbos am Freitag gesagt. "Denn es ist nicht ein Problem der Griechen, sondern Europas und der ganzen Welt."

"Einfache, aber starke Geste"

Die Ägäisinsel ist in den vergangenen Monaten besonders stark von der Flüchtlingskrise betroffen gewesen, zwischenzeitlich landeten täglich mehr als 7000 Menschen an den Stränden und felsigen Ufern. Inzwischen leben dort noch etwa 4100 Flüchtlinge, die meisten von ihnen sollen laut EU-Türkei-Pakt in die Türkei zurückgebracht werden.

Seit seinem Amtsantritt im März 2013 hat sich Papst Franziskus immer wieder für die Flüchtlinge eingesetzt und Europa zu mehr Engagement und Solidarität aufgerufen. Nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt besuchte der 79-Jährige die italienische Insel Lampedusa.

Italiens Regierungschef Matteo Renzi lobte die 13. Auslandsreise des Papstes als "einfache, aber starke Geste". Wie Griechenland fühlt sich auch Italien in der Flüchtlingskrise von den anderen EU-Staaten häufig allein gelassen.

Auch die deutschen Bischöfe lobten die Papst-Reise: Sie sei "starkes Zeichen der Solidarität" mit den Flüchtlingen. "Mit dem Besuch erinnert der Papst die internationale Staatengemeinschaft an das Schicksal der Flüchtlinge, das uns nicht gleichgültig sein darf", sagte Erzbischof Stefan Heße, der "Flüchtlingsbischof" der Deutschen Bischofskonferenz, der "Passauer Neuen Presse".

vks/dpa

insgesamt 62 Beiträge
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Seite 1
Ezechiel 16.04.2016
1. Ich hoffe, dass es ...........
nicht nur beim Füßewaschen bleibt. Die Kirche hat doch Milliarden gehortet und kann bestimmt einen angemessenen finanziellen Beitrag zur Unterstützung der Flüchtlinge leisten.
malamujer 16.04.2016
2. Ein Zeichen ?
Mit Gottes Hilfe ! Leider vermisse ich die Oberhäupter der anderen Weltreligionen. Nicht dass man illussionieren sollte,dass sich dadurch etwas ändert ,aber ein deutlicheres Zeichen ,dass die Flüchtlingskrise uns alle angehen sollte,hätte es sein können.
fleischzerleger 16.04.2016
3.
Zitat von malamujerMit Gottes Hilfe ! Leider vermisse ich die Oberhäupter der anderen Weltreligionen. Nicht dass man illussionieren sollte,dass sich dadurch etwas ändert ,aber ein deutlicheres Zeichen ,dass die Flüchtlingskrise uns alle angehen sollte,hätte es sein können.
Ein Zeichen wäre, wenn die EU nicht merkwürdige Abkommen mit der Türkei schließt, sondern ähnlich geplante Ideen mit Libyen nicht weiter verfolgt. Der schon in die Wissenschaft eingegangene Böhmermannsche-Seiteneffekt (rigorose Verdrängung anderer Themen) sorgt auch dafür, daß kaum einer mitkriegt, daß die EU dort ähnliche Deals plant ( kleines Hindernis: Da muß man nur noch eine Regierung in einem de-facto failed state installieren.) Das wäre hilfreicher als Beteuerungen, von wem auch immer sie kommen mögen.
tinohsk 16.04.2016
4. Der Papst
Ein katholisches Kirchenoberhaupt,begleitet von Oberhäuptern anderer christlicher Glaubensrichtungen,setzt sich für vorwiegend muslimische Flüchtlinge ein. Ein ser deutliches Zeichen der Solidarität ! Aber wo stecken die islamischen Religionsführer ? Denen scheint das Schicksal ihrer Glaubensbrüder recht egal zu sein. Als Atheist sind mir Religionen so ziemlich egal. Doch diese Diskrepanz fällt wohl jedem auf. Außerdem ist dies er erste Papst, den ich ehrlich mag. Freundlich,ehrlich, offen und absolut bescheiden-und das predigt er im Gegensatz zu den meisten seiner Vorgänger nicht nur, er lebt es vor ! Sollte es entgegen meiner Überzeugung doch einen Gott geben, so möge er diesen Papst sehr, sehr lange bei bester Gesundheit leben lassen.
guayaquil 16.04.2016
5. Spenden
Die Katholische Kirche im Besonderen ist Weltmweister im Spendeneinsammeln. Ausserdem ist sie wohl mit Abstand die reichste Institution auf Erden. Fragen: ?Was kostet diese Reise nach Lesbos mit der ganzen Truppe, die den Papst immer umschwänzelt? ?Wieviel Millionen spendet nun die katholische Kirche den Flüchtlingen? Daran erkennt man dann den wirklichen Charakter dieser Truppe! Wasser predigen und Wein trinken!
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