Messe in Havanna Papst Franziskus warnt vor Ideologien

Mehr Freiheit für die Kirche, weniger Ideologie: Papst Franziskus hat in Kuba eine Freiluftmesse mit Hunderttausenden Menschen gefeiert - und Fidel Castro getroffen.

AP/dpa

Papst Franziskus hat bei seinem Besuch im kommunistischen Kuba Ideologien als falschen Weg bezeichnet und mehr religiöse Freiheiten gefordert. Der Dienst am Menschen dürfe niemals ideologisch sein, sagte er bei einer Messe vor Hunderttausenden Menschen auf dem Revolutionsplatz in Havanna. "Denn man dient nicht Ideen, sondern man dient den Menschen."

Die Annäherung zwischen den einstigen Erzfeinden USA und Kuba nannte der 78-Jährige vorbildhaft für die ganze Welt. Zuvor hatte er Kuba aufgerufen, wieder zum "Treffpunkt" der Völker zu werden.

Angesichts der vielen Krisen weltweit warnte der Papst erneut vor einer "Atmosphäre des Dritten Weltkriegs". Franziskus selbst hatte die Annäherung der einstigen Erzfeinde USA und Kuba vermittelt, seit Juli haben beide Staaten wieder Botschaften im anderen Land. Am Dienstag reist der Argentinier in die USA weiter. Er ist der erste Papst, der beide Länder während einer Reise besucht.

Raúl Castro und Cristina Kirchner unter den Gästen

Die verantwortlichen Politiker mahnte er, weiter auf dem Weg der Versöhnung voranzuschreiten. "Als Beweis für den erhabenen Dienst, den zu leisten sie berufen sind für den Frieden und das Wohlergehen ihrer Völker." Nach der Landung hatte er Staatschef Raúl Castro aufgefordert, aber auch den Öffnungsprozess im Verhältnis zur katholischen Kirche zu verstärken. Die Kirche wolle das kubanische Volk auf seinem Weg begleiten, "in Freiheit und mit allen notwendigen Mitteln und Freiräumen."

Schon Stunden vor der Ankunft des Papstes war der Platz der Revolution, der von einem riesigen Konterfei des Revolutionshelden Che Guevara überragt wird, voller Menschen. An der Messe nahmen auch 3500 offizielle Gäste teil, darunter Kubas Präsident Raúl Castro und die argentinische Präsidentin Cristina Kirchner. Nach der Messe traf sich Franziskus mit dem langjährigen kubanischen Präsidenten Fidel Castro.

Die 30- bis 40-minütige Begegnung habe "in sehr familiärer und informeller Atmosphäre" stattgefunden, berichtete Vatikansprecher Federico Lombardi. Neben einer kleinen Vatikan-Delegation nahmen demnach auch Castros Ehefrau, seine Kinder und Enkel teil.

Der Papst brachte als Gastgeschenk vier Bücher mit, darunter zwei über Theologie. Fidel Castro revanchierte sich mit einer Sammlung von Interviews des brasilianischen Befreiungspriesters Frei Betto mit dem Titel "Fidel und Religion", versehen mit einer persönlichen Widmung. Bei ihrer Unterredung ging es laut Lombardi um eine Reihe von Themen, darunter auch den Umweltschutz.

Rund 20 Aktivistinnen der Frauengruppen "Damas in Blanco" wurden vor der Messe in Havanna kurzfristig festgenommen, wie die Anführerin Berta Soler sagte. Mehrere Dissidenten hatten von dem Papst im Vorfeld der Reise klare Worte gegen Menschenrechtsverletzungen gefordert und sich enttäuscht gezeigt, dass kein Treffen mit ihnen geplant sei.

Franziskus ist nach Johannes Paul II. (1998) und Benedikt XVI. (2012) als dritter Papst auf Kuba. Über Jahrzehnte war eine offene Ausübung des Glaubens nicht möglich, viele Priester verließen das Land. Heute gilt Religionsfreiheit - aber die Kirchen sind oft spärlich besucht.

wit/dpa/AFP

insgesamt 18 Beiträge
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Loddarithmus 20.09.2015
1. Der Papst kritisiert die Katholische Religion!
Ich erlaube mir, Wikipedia zu zitieren: Eine Ideologie (griechisch ἰδεολογία – Lehre von der Idee bzw. Vorstellung: von griechisch ἰδέα (idea, "Erscheinung") und λόγος (logos, "Lehre")) ist im philosophischen Sinn eine Weltanschauung, die einen hohen Anspruch auf Wahrheit erhebt und die für abweichende Lehrmeinungen kaum noch offen ist. Im gesellschaftlichen Sinn werden aus solchen "erstarrten Lehrmeinungen" ideologische Normen, von denen die Mehrzahl der Beteiligten zutiefst überzeugt sind. Die Grundannahmen oder Auswirkungen werden nicht hinterfragt. Zitat Ende. Diese Definition war ihm wohl nicht bewusst, passt sie doch auf seinen Verein wie die Faust auf's Auge.
widower+2 20.09.2015
2. Ideologien?
Ist der Katholizismus etwa keine Ideologie, vor der Franziskus konsequenterweise ebenfalls warnen müsste?
Journalist 20.09.2015
3. Prima
Warnung vor dem Kapitalismus und vor Religionen
Rina Maria 20.09.2015
4. Was ist das....
ein Dogmatiker warnt vor Ideologien ? Ist das Realsatire ?
Mr Bounz 20.09.2015
5.
Wird eine kurze Diskussion, nach dem ersten Beitag war alles gesagt.
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