Reformappell am Gründonnerstag Papst warnt Kirche vor Erstarrung

Papst Franziskus hat die Kirche zu mehr Mut und Pioniergeist aufgefordert. Gläubige müssten wieder verstärkt dorthin gehen, "wo Leiden und Blutvergießen herrschen". Sonst verliere man den Kontakt zu Gott und sei irgendwann nur noch "ein Verwalter".

AFP

Rom - Papst Franziskus hat während der Messe am Gründonnerstag klare Worte an seine Kirche gerichtet: Er forderte die Gläubigen auf, in Randgebiete zu gehen, wo Leiden und Blutvergießen herrschten. Dort gebe es "Gefangene zu vieler schlechter Herren", sagte Franziskus im Petersdom.

"Wer nicht aus sich herausgeht, wird, statt Mittler zu sein, allmählich ein Zwischenhändler, ein Verwalter", wiederholte er den Aufruf an Kirche und Priester, sich zu öffnen. "Es ist eben gerade nicht in den Selbsterfahrungen oder den wiederholten Introspektionen, dass wir dem Herrn begegnen", sagte er. Vielmehr müssten die Priester dorthin gehen, wo andere auf das Evangelium warteten.

Franziskus selbst wird noch am Donnerstag im römischen Jugendgefängnis Casal del Marmo erwartet. In einem Abendmahlsgottesdienst will er - nach dem Vorbild Jesu - zwölf jungen Insassen mehrerer Nationalitäten und Religionen die Füße waschen, darunter muslimischen. Er selbst hatte den Ort für die Messe gewählt.

Schonungslose Analyse zum Zustand der Kirche

Zuvor war die harsche Kritik von Jorge Mario Bergoglio bekanntgeworden, die er schon im Vorkonklave vor Kardinälen aus aller Welt geäußert hatte: Die Selbstbezogenheit der Kirche sei der Grund für das Übel in ihren Institutionen, prangerte er in einer Rede an. Er forderte sie auf, aus sich herauszugehen, um den Glauben in die Welt zu tragen.

Die Rede und der Gottesdienst untermauern die Haltung Bergoglios, die sich auch bei seiner Amtseinführung und in den ersten Tagen seines Pontifikats offenbarte: Er verzichtet auf Prunk, er versucht, die Kirche auf ihr Wesentliches zu reduzieren, so dass sie die Menschen wieder erreichen kann.

aar/dpa

insgesamt 55 Beiträge
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_muskote 28.03.2013
1.
ja wo ist denn nun die rede?
rolmol 28.03.2013
2. Der
scheint sehr mutig zu sein - Respekt !!! Wenn es Papst Franziskus wirklich schaffen sollte die katholische Kirche zu Erneuern, überlege ich, dieser nach über 40 Jahren wieder beizutreten. So macht Kirche Spass - hoffentlich können die Deutschen Bischöfe mit dem erneuerungstempo mithalten!
asbaez 28.03.2013
3. ?????
Wer glaubt noch an den Armen alten Mann ?
wolfgangjagen 28.03.2013
4. Hubi
Ja ja aber erst mal mit dem Hubschrauber durch die Gegend fliegen und Kohle raushauen
Edgard 28.03.2013
5. Schlechte Herren?
"Er forderte die Gläubigen auf, in Randgebiete zu gehen, wo Leiden und Blutvergießen herrschten. Dort gebe es "Gefangene zu vieler schlechter Herren", sagte Franziskus im Petersdom....Vielmehr müssten die Priester dorthin gehen, wo andere auf das Evangelium warteten. ..." Welche "schlechte Herren" er wohl meint? Weltliche (also die, die das leid und das elend verursachen) wohl kaum. Was also meint er anderes als eine weitere Missionierungswelle? Ob die dadurch Beglückten auf die Erlösung warten - das hat noch nie interessiert. Bleibt zu hoffen daß es dort, wo die Missionare - oft genug "auf Linie getrimmte", in ihrem Idealismus ausgenutzen jungen Menschen dies nicht mit ihrem Leben bezahlen müssen. Aber selbst dann hätte Rom davon einen Vorteil - man kann einmal mehr die (in diesem Fall selbstgebackene) Christenverfolgung hochhalten und neue Märtyrer kreieren. TOLL...
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