Offener Brief Konservative Theologen beschuldigen Papst Franziskus der Ketzerei

Papst Franziskus eckt mit seinem Stil unter Konservativen oft an. Nun haben ihm 19 Theologen und Kleriker einen offenen Brief geschrieben. Der Papst solle umkehren - oder zurücktreten.

Papst Franziskus am vergangenen Karfreitag in Rom
DPA

Papst Franziskus am vergangenen Karfreitag in Rom


Konservative katholische Theologen und Kleriker haben Papst Franziskus in einem offenen Brief Ketzerei vorgeworfen. Unter dem Schreiben stehen die Namen von 19 internationalen Professoren, Gelehrten und Geistlichen. Sie kritisieren den Papst unter anderem in Fragen der Sexualmoral und fordern ihn zur Umkehr auf.

Zu den Initiatoren des Schreibens gehört laut Nachrichtendienst Reuters Pater Aidan Nicols, ein britischer Dominikaner-Priester und Autor, der im englischen Sprachraum zu theologischen Themen publiziert.

Eine Online-Petition zur Unterstützung ihres Anliegens wurde bis zum Samstagnachmittag von gut 3400 Menschen unterschrieben. Sollte der Papst seinen Standpunkt nicht ändern, müsse er sein Amt aufgeben, fordern die Autoren des Briefs vom 30. April. Kardinäle sind nicht darunter.

"Die Worte und Taten von Papst Franziskus stellen eine weitgehende Ablehnung der katholischen Lehre zu Ehe und Sexualität, zur Sittenlehre sowie zur Gnadenlehre und zur Lehre zu einer Vergebung der Sünden dar", heißt es in einer Zusammenfassung des 20 Seiten langen Briefs.

Bisher ignoriert

Seit seiner Wahl 2013 ist Papst Franziskus nicht nur mit seinem lockeren Stil den Traditionalisten innerhalb der katholischen Kirche ein Dorn im Auge. Neben seiner Abweichung von einem strengen Protokoll im Umgang mit Gläubigen stört Konservative seine Offenheit gegenüber Schwulen und Lesben sowie Geschiedenen und Ungläubigen.

In der Kritik steht unter anderem sein apostolisches Schreiben "Amoris Laetitia" von 2016, in dem er das Kommunionsverbot für wiederverheiratete Geschiedene infrage stellt.

In dem offenen Brief wird dem Papst nun auch vorgeworfen, Schwule und Sexualstraftäter im Klerus zu schützen. Ebenfalls kritisiert wird seine Einstellung zu China, zu Protestanten und Muslimen sowie zu der italienischen früheren Ministerin und EU-Kommissarin Emma Bonino, die als Befürworterin der Abtreibung und der Sterbehilfe gilt. Ähnliche Attacken interner Gegner hat Franziskus bisher weitgehend ignoriert.

lov/dpa/Reuters



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