Interview des Papstes Franziskus kritisiert Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland

»In Deutschland gibt es eine sehr gute evangelische Kirche. Wir brauchen nicht zwei davon«: Der Papst hat die jahrelangen Reformbestrebungen der deutschen Katholiken grundsätzlich infrage gestellt.
Versammlung des Synodalen Wegs: Der Papst ist gegen den Wandel

Versammlung des Synodalen Wegs: Der Papst ist gegen den Wandel

Foto: Sebastian Gollnow / picture alliance / dpa

Die katholische Kirche in Deutschland setzt große Hoffnungen in den Synodalen Weg – und will so die arg angeschlagene Institution von innen erneuern. Mit Papst Franziskus hat sich das Oberhaupt der katholischen Kirche nun aber unverhohlen kritisch zu dem Reformprozess geäußert.

»In Deutschland gibt es eine sehr gute evangelische Kirche. Wir brauchen nicht zwei davon«, sagte Franziskus in einem Interview mit der Jesuiten-Zeitschrift »La Civiltà Cattolica «. Das habe er auch dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, so gesagt. Die angestrebten Reformen in der deutschen Kirche wie Frauen in geistlichen Ämtern oder die Segnung von homosexuellen Paaren werden im Vatikan teils heftig kritisiert.

Die katholische Kirche in Deutschland hatte im Jahr 2019 als Konsequenz aus dem Missbrauchsskandal den Reformprozess gestartet. Dabei geht es um vier Themenbereiche: die katholische Sexualmoral, den Umgang mit Macht, die Stellung der Frau und die priesterliche Pflicht zur Ehelosigkeit (Zölibat). Bätzing treibt den Prozess gegen massive Kritik konservativer Kirchenführer aus dem Vatikan und insbesondere aus den USA voran.

»Das Problem entsteht, wenn der Synodale Weg von den intellektuellen und theologischen Eliten entspringt und von viel durch Druck von außen beeinflusst wird«, sagte Franziskus. Es gebe einige Bistümer, in denen der Synodale Weg langsam mit den Gläubigen, also dem Kirchenvolk, entwickelt werde. Diese Art des Vorgehens findet offenbar eher die Zustimmung des 85 Jahre alten Argentiniers.

Woelki soll nicht selbst um Auszeit gebeten haben – sondern gebeten worden sein

Franziskus verwies außerdem auf einen früheren Brief, in dem er sich zum Synodalen Weg der deutschen Katholiken geäußert hatte. Er habe einen Monat für den Brief gebraucht und ihn bewusst ohne Beteiligung der Kurie – der vatikanischen Zentralverwaltung – abgefasst, sagte er. Das Schreiben war allerdings so blumig und mehrdeutig formuliert gewesen, dass sich seitdem sowohl Befürworter als auch Gegner der Reformen darauf berufen.

Der Papst ging in dem Interview auch auf den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki ein. Er sagte: »Als die Situation sehr turbulent war, habe ich den Erzbischof gebeten, sechs Monate wegzugehen, sodass sich die Dinge beruhigen konnten und ich klarer sehen konnte.« Die Formulierung ist interessant, weil Woelki behauptet hatte, die Auszeit wäre seine eigene Idee gewesen.

Franziskus sagte weiter: »Als er zurückkam, habe ich ihn gebeten, ein Rücktrittsgesuch zu schreiben. Er hat das getan und es mir gegeben. Und er hat der Diözese einen Entschuldigungsbrief geschrieben. Ich habe ihn im Amt belassen, um zu sehen, was geschehen würde, aber ich habe sein Rücktrittsgesuch in der Hand.« Die Entscheidung darüber, ob er das Gesuch annimmt, kann aber offenbar noch dauern: »Was gerade passiert, ist, dass es viele Gruppen gibt, die Druck machen, und unter Druck ist es nicht möglich, zu urteilen.«

Er wolle erst entscheiden, wenn sich der Druck gelegt habe. Es gebe im Erzbistum Köln zudem auch eine »wirtschaftliche Frage«, und in diesem Zusammenhang erwäge er die Entsendung eines finanziellen Teams. Was genau der Papst damit meint, blieb unklar.

apr/dpa
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