Abtrünnige Erzkonservative Papst genehmigt Trauungen durch Piusbrüder

Papst Franziskus geht einen weiteren Schritt auf die umstrittene Piusbruderschaft zu. Ab jetzt sind die Priester der erzkonservativen Vereinigung wieder autorisiert, Trauungen vorzunehmen.

Bishop Bernard Fellay von der Piusbruderschaft 2009 in der Schweiz
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Bishop Bernard Fellay von der Piusbruderschaft 2009 in der Schweiz


Der Vatikan ist offenbar entschlossen, die konservativen Hardliner der Piusbruderschaft in den Schoß der Kirche zurückzuholen. Papst Franziskus erteilte ihren Priestern in einem vom Vatikan veröffentlichten Schreiben die Erlaubnis, Trauungen katholischer Paare vorzunehmen.

Ein Diözesanpriester solle dabei die Trauassistenz übernehmen, während ein Priester der Bruderschaft des heiligen Pius X. die eigentliche Zeremonie vollziehe. Sollte dies nicht möglich sein, könne der Ortsbischof die "erforderlichen Vollmachten unmittelbar dem Priester der Bruderschaft" erteilen.

Es gebe "seit einiger Zeit verschiedene Begegnungen und Initiativen mit dem Ziel, die Priesterbruderschaft (...) in die volle Gemeinschaft der Kirche zurückzuführen", heißt es in dem Schreiben der Glaubenskongregation, der der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller vorsteht. Durch den Schritt sollten "Gewissensnöte der Gläubigen" beseitigt werden. Am "ungeklärten Status" der Bruderschaft ändere das nichts.

Im Rahmen einer Regelung für das Heilige Jahr der Barmherzigkeit hatte Franziskus den Priestern der Bruderschaft bereits 2015 gestattet, die Beichte abzunehmen. Die 1970 gegründete Priestervereinigung erkennt bestimmte Lehren des Vatikans nicht an. Insbesondere geht es um Reformen, die mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil der Sechzigerjahre Einzug hielten. Franziskus bemüht sich wie sein Vorgänger Benedikt XVI. um die Rückholung der Bruderschaft in die Kirche.

2009 gab der Heilige Stuhl bekannt, dass die vatikanische Glaubenskongregation im Auftrag von Benedikt XVI. als Geste der Versöhnung die 1988 verfügte Exkommunikation von Bischof Bernard Fellay, dem Generaloberen der Piusbruderschaft, aufgehoben habe. Das galt auch für die anderen 1988 ohne Zustimmung des Vatikans durch den Gründer der Piusbruderschaft, Erzbischof Marcel Lefebvre, geweihten Bischöfe.

Einer der zusammen mit Fellay geweihten Bischöfe der Piusbruderschaft ist der Holocaust-Leugner Richard Williamson. Der britische Geistliche wurde 2015 zum zweiten Mal mit einem Bann der katholischen Kirche belegt, weil er in Brasilien eine illegale Bischofsweihe vornahm. 2013 hatte die Bruderschaft die Trauerfeier für NS-Kriegsverbrecher Erich Priebke in Rom ermöglicht.

ala/dpa/AFP



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